Ein Kampf mit dem ‘australischen Feind’

Jun 25th, 2009 | By | Category: News and reports from Scandinavia

24.6.2009 – Photos von Jessie, Monika und SpreewaldMarion

Als ich heute kurz nach halb zehn im Zoo eintraf, war es dort wunderschön. Die dunklen Wolken, die morgens noch den Himmel verdunkelten, hatten sich verzogen. Es war sonnig und kühl. Vor allen Dingen war der Zoo noch ziemlich leer.

Die Elefanten waren wegen der Baulichkeiten auf ihrem Gelände drinnen im Haus. Die Panzernashörner hatten gerade große Grashaufen zum Fressen bekommen. Ich ging ins Nashornhaus, um mir das kleine Tapir-Mädchen anzusehen. Es heißt übrigens Maja.

Als ich zu den Tapiren kam, bot sich mir ein entzückendes Bild. Mama Ronja schmuste mit ihrer kleinen Tochter. Sie beleckte ihre Stirn, während die Kleine zärtlich an Mamas Unterlippe nuckelte. Es waren bereits eine Menge Besucher da, die unter entzückten Ausrufen fotografierten was das Zeug hielt. Ich wollte auch fotografieren, stellte aber fest, dass ich meinen Fotoapparat vergessen hatte. Er lag zu Hause auf dem Tisch – dort lag er gut. Inzwischen war Herr Jahr, der Reviertierpfleger, gekommen und beantwortete die Fragen der Besucher. Einige Besucherinnen gratulieren ihm sogar zur süßen Maja. Nicht ganz zu Unrecht.

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Ich ging dann zu Knut. Es waren einige Besucher da, die am Gitter standen, fotografierten und dabei halsbrecherische Verrenkungen machten. Nanu? Ganz einfach: Knut war im Wasser und spielte dort mit seinem Nackthuhn. Allerdings hatte er sich zum Spielen den Knick im Wassergraben ausgesucht, der ans Gehege der Malaienbären grenzt. Dort kämpfte er mit dem australischen Feind und zeigte uns von Zeit zu Zeit seine beeindruckenden Reißzähne.

Nachdem ich den Kampf eine Weile angesehen hatte, ging ich noch mal zurück, um Devi und Sutra zu besuchen. Herr Fritzmann war gerade damit beschäftigt, die Warzenschwein-Anlage zu säubern. Ich fasste mir ein Herz und stellte eine Frage, die mich schon lange beschäftigte: Wie heißt denn nun der Nachwuchs von Zwergflusspferd Debby?

Herr Fritzmann meinte, bei ihm heiße er „Rübe”. Er hätte noch keinen Paten, der ihm einen Namen hätte geben wollen, auch sei für ihn noch kein Käufer gefunden. Nun heißt er eben Rübe. Irgendwie passt Rübe auch zu diesem kleinen dicken „Zwergzwerg”.

Devi sah ich leider nicht. Sie war in der Höhle, deren Eingang Mutter Sutra mit ihrem dicken Hinterteil blockierte.

Die Eisbärenfütterung, die heute Frau Weckert machte, hatte ein besonderes Highlight. Es gab wieder weiße Mäuse. Lars verschlang eine nach der anderen, als ob es Konfekt wäre. Dann holte Frau Weckert ein großes Stück Fleisch aus dem Eimer. Es war so groß, dass eine vierköpfige Familie zwei Tage davon hätte essen können. Lars´ Hals erreichte eine unglaubliche Länge. Aber er hatte Pech; Frau Weckert warf das Fleisch zu Tosca, die es sich sofort holte. Lars wollte hinterher, aber er merkte, wann er verloren hatte. Grummelnd verzog er sich auf seine Insel.

Tosca war heute überhaupt sehr selbstbewusst. Sie kam zu Lars auf die Insel und stellte sich neben ihn hin, ganz Hauptfrau und Mutter seines Sohnes. Nancy stand aufrecht auf der anderen Insel. Als Frau Weckert dann zur Glasscheibe ging, um die Brötchen zu verfüttern, standen alle drei auf ihren Hinterbeinen und guckten enttäuscht hinter ihr her. Es sah aus als wollten sie sagen: „Was denn, war das alles?” Jedenfalls war es ein Bild für die Götter und ich dachte wehmütig an meinen vergessenen Fotoapparat.

Während der Fütterung unterhielten sich einige Besucher über ein neugeborenes Okapi-Baby. Kurze Zeit später kam eine Dame vorbei und erzählte mir ganz begeistert, dass die Jaguarundis im Raubtierhaus Junge bekommen hätten, drei Stück, die seien ganz winzig und so niedlich! Okapi-Baby? Kleine Jaguarundis? Das schrie förmlich nach einer großen Zoo-Runde!

Ich machte mich also auf den Weg. Bei den Seelöwen machte ich einen kleinen Zwischenstopp. Alle Seelöwen waren im Wasser. Ich staunte wieder, was für ein mächtiger Kerl Enzo ist. Aber ich muss gestehen, dass ich Volker nicht mehr von den Damen unterscheiden kann. Er hat ganz schön zugelegt.

Dann ging ich bei den Grevy-Zebras vorbei. Das neue kleine Zebra ist am 18. 6. geboren; ich hatte es bisher noch nicht gesehen. Das Kleine ist sehr niedlich. Es hat ganz dünne Beinchen und mit seinem großen Kopf, der runden Stirn und den riesigen Augen entspricht es voll dem Kindchenschema. Es ist aber schon sehr gut zu Fuß und weicht seiner Mutter nicht von der Seite. Das andere Zebra ist genau so süß und nur eine Winzigkeit größer. Es ist ja auch einen Monat älter.

Bei den Okapis sah ich zwar ein Pärchen und auf der anderen Anlage einen Okapi-Bullen. Von der Mutter und dem Neugeborenen war nichts zu sehen. Leider. Dann ging ich zum Raubtierhaus. Heute waren die beiden Löwenschwestern draußen; Paule schlief in seinem Käfig, Aru leckte Aketi den Kopf. Ich war sehr neugierig auf die kleinen Jaguarundis. Leider taten die mir nicht den Gefallen, sich zu zeigen. Ich sah nur ein Elternteil, sicher den Vater, so wie der sich räkelte.

Dafür sah ich Mutter Erdmännchen mit dem Kleinen. Sie schleppte es mit sich herum. Aber es beherrscht auch schon die typische Erdmännchen-Pose, auch wenn er erst so groß wie eine Hand ist.

Weil es noch Zeit war bis zur Fütterung von BaoBao ging ich zum Affenhaus. Die Schimpansen waren alle draußen. Pedro, der Verbrecher, zeigte nicht im mindesten Schuldbewusstsein. Er schlief auf einem Stein den Schlaf der Gerechten (und der Müden).

Drinnen in der Futterküche bereitete Herr Aust mehrere Futterschüsseln mit Salat und anderen tollen Dingen zu. Eine Kindergartengruppe sah ihm dabei zu. Als er fertig war und die Küche verließ, fragte die Kindergärtnerin: „Wo geht der Pfleger denn jetzt hin?”Ein kleiner Junge antwortete prompt: „Er geht zu den Affen!” Das war eine logische Antwort.

Dann ging ich zurück zu Baobao. Herr Liebschwager machte heute die Fütterung mal anders, er ging um BaoBaos Anlage herum und fütterte ihn durch die zweite Tür. Irgendwie muss dem Bären das gefallen haben, er machte mehrere Seitwärts-Rollen.

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Ich ging wieder zu Knut zurück. Der hatte sich inzwischen hinter seinem Baum zurückgezogen und spielte dort mit einem Zweig. Den hatte er in der Zwischenzeit bekommen. Immer wieder guckte er über den Stamm, den Zweig zwischen den Zähnen. Außerdem hatte er einen Kopf mit ein paar aparten schwarzen Strichen verziert.

Als eine nette Dame mir eine Kaffeepause vorschlug, fand ich die Idee sehr gut und gemeinsam saßen wir vor der Waldschänke und genossen den Sonnenschein.

Als dann später SpreewaldMarion in den Zoo kam, erzählte ich ihr von dem Okapi-Baby. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Im Nashorngehege waren jetzt Ine draußen mit ihrem Sohn Kito. Er sieht jedes Mal ein Stück erwachsener aus. Vor dem Okapi-Haus trafen wir einen Pfleger und fragten ihn wegen des Okapi-Babys.
Im gleichen Moment kam auch Herr Messinger und meinte, wir sollen es gegen halb drei nochmals versuchen, da käme es vielleicht raus.

Wir gingen dann erstmal wieder zu Knut zurück, das heißt, ich ging zur Nasenbärenfütterung. Die machte heute auch Frau Weckert. Sie verteilte die weißen Mäuse wieder mit der Hand, ein kleiner Nimmersatt holte sich gleich zwei.

Danach waren die Braunbären dran. Frau Weckert warf Berni so viel Futter vor die Füße, dass er ganz irritiert guckte. Jedenfalls musste er nicht hungern.

Dann ging es zu Knut. Der bekam heute wieder ein fürstliches Mahl, teils vom Zoo, teils von den Besuchern. Natürlich gab es auch wieder den Mittwochs-Lachs von dem freundlichen Herrn spendiert.

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Als Knut sich auf die Hinterbeine stellte, um sein Essen zu fangen, bekam ich einen Schreck. Ich sah einen fast ausgewachsenen Bären. So ist mir das noch nie aufgefallen. Er ist zwar noch längst nicht so groß wie Lars, aber bestimmt schon fast so groß wie Tosca.

Nach der Fütterung von Knut kam eine ältere Dame und gab Frau Weckert eine Menge Brötchen und auch Weintrauben. Damit hatte sie für eine Nachspeise der Braunbären gesorgt. Petzi war gerissen. Sie sammelte Brötchen. Als sie drei Stück beisammen hatte, ging sie damit in ihre Höhle. Siddy stellte sich auf die Hinterbeine und sah damit aus wie der Berliner Bär. Die Besucher waren begeistert und zahlreiche Fotoapparate klickten.

Nun also Okapi-Baby zum Dritten. Dieses Mal hatten wir Glück. Herr Messinger stand vor der Okapi-Anlage gegenüber dem Zoo-Restaurant und betrachtete mit stolzem Lächeln etwas auf der Wiese. Als ich fragte, wo denn das Kleine sei, meinte Herr Messinger: „Na dort hinten!” Und richtig, vor dem Stall sahen wir ein süßes Mini-Okapi mit dunklem Fell und heller Zeichnung stehen. Es sieht aus wie seine Mutter, nur viel, viel kleiner. Und es hat entzückende weiße „Strümpfchen” an. Man muss es einfach gesehen haben.

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Leider hat die Zeit die dumme Angewohnheit, besonders schnell zu vergehen, wenn es besonders schön ist. Ich dachte resigniert an meinen langen Heimweg und beendete schweren Herzens diesen wunderschönen Tag im Zoo.

Viele liebe Grüße, Yeo

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2 comments
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  1. Dear Yeo! What a wonderful tour in the Berlin Zoo! I especially enjoyed the part of Lars and Tosca. The zoo seems to be a real Kindergarten nowadays. I can’t wait to see all the babies in September. Numero Uno is, of course, always Herr Knuti. I hope to meet the gentleman who bring him the salmon every Wednesday!

    Hugs from Mervi

  2. Yeo — A super report, as usual! It is startling even for someone like me who only sees pictures of Knuti–once in a while you will see him in perspective and realize he is getting to be a biiiig bear. Mervi’s right, that was very funny about Lars’ neck getting so long!!! You mention 3 bears–was Katy not there–is she sick again?

    BH, Sarsam