„Knut sähe aus wie ein grauer Stein in der Brandung”

Aug 20th, 2009 | By | Category: News and reports from Scandinavia

19.8.2009 – Photos von PetraW

Heute war ich nach zweieinhalb Wochen Zoo-Abstinenz, die mir wie gefühlte zwei Monate vorkamen, endlich wieder mal im Zoo. Natürlich führte mich mein erster Weg sofort zu Knut. Als ich ankam, hörte ich gerade, wie eine Dame sagte „Knut sähe aus wie ein grauer Stein in der Brandung”. In der Tat trug Knut heute einen grauen Pelz und lag schlafend hinter seinem Wasserfall. Ich hatte auch nichts verpasst, Knut hatte den ganzen Morgen geschlafen.

Bei den großen Eisbären fiel mir heute auf, dass Lars fast auf die Minute genau um halb elf seinen Platz auf der Insel einnahm. So als hätte er eine eingebaute Uhr. Die Fütterung der Eisbären machte heute die junge Pflegerin, die sonst meist bei den Seelöwen ist. Sie heißt Franzi, leider kenne ich ihren Nachnamen nicht. Sie machte die Fütterung gut, die Bären erhielten heute wieder Mäuse, allerdings schwarze. Die Bären verspeisten sie trotzdem. Zusammen mit den Brötchen gab es auch Walnüsse, was ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Ob ein Besucher welche spendiert hat? Wie auch immer, die Bären legten sich die Nüsse auf die Tatzen und futterten sie auf.

Dann ging ich zu Devi und Sutra. Heute hatte ich Glück. Beide waren auf der Anlage und auch gewillt, sich sehen zu lassen. Ein junger Mann hatte besonderes Glück. Er wollte die beiden fotografieren. Devi und Sutra kamen dicht an den Rand der Anlage, setzten sich nebeneinander hin und äugten mit schräg gelegten Köpfen in die Kamera. Das war vielleicht ein süßer Anblick. Es sah aus, als ob die beiden eigens für den jungen Mann posen wollten.

Vor der Holzbrücke, die über das Feuchtbiotop geht, war ein Menschenauflauf. Ich erkannte Herrn Dr. Kühne und Herrn Griesbach, den Zoofotografen. Auch ein Kamerateam war dabei. Das gesamte Interesse galt einem kleinen Nyala-Jungen. Die Nyalas teilen sich die Anlage mit den Flusspferden. Es sah aus, als ob das kleine Nyala eben erst geboren sei.

Heute war Tapir-Mutter Ronja mit ihrer kleinen Maya draußen. Meine Güte, ist die Kleine in den zwei Wochen gewachsen! Sie hat noch ihr gestreiftes Kinderkleid an, aber die Punkte verschwinden immer mehr.

Zurück zu Knut. Der schlief immer noch. Nur nicht überanstrengen bei der Wärme!

Ich wollte mir nun den kleinen Seelöwen Diego ansehen. Bisher hatte ich ihn nur auf Fotos gesehen. Leider war er vormittags noch nicht draußen.

Bei den Löwen waren heute Aru, Aketi und Jazira drinnen. Paule und Amira waren draußen.
Amira lag auf dem Rücken mit angezogenen Beinen in der Sonne und ließ sich den Bauch bescheinen. BaoBao wurde heute zur Abwechslung auf der anderen Seite seines Geheges gefüttert, auf der Schattenseite.

Heute war ich wieder mal auf eine Stippvisite im Affenhaus. Vor dem Gorilla-Gehege drängelten sich die Menschen. Ivo und seine Damen hatten gerade Futter bekommen. Während Mpenzi zwei Hände voller Möhren und Äpfel ergatterte und sich damit in eine Ecke zurückzog, gab Ivo tüchtig an. Er hatte wahrscheinlich die Zuschauermenge bemerkt. Jedenfalls stellte er sich auf die Hinterbeine und zeigte jedem, was für ein toller Kerl er ist.
Die Besucher waren angemessen beeindruckt.

Dann ging ich wieder zurück zu Knut. Der war nun endlich erwacht, stand in seinem kleinen Pool und spielte mit seinem Aussie-Spielzeug. Inzwischen hat Knut schon ein ordentliches Loch hinein gearbeitet. Allerdings noch nicht so viel, als dass er sich den roten Ball holen kann, der offenbar darinnen steckt. Jedenfalls wurde das Ding wieder ordentlich herumgeschleudert. Knut beschäftigte sich lange damit, bis kurz vor zwei. Dann begann er wieder zu laufen.

Ich lief auch, und zwar zur Nasenbärenfütterung. Allerdings kam ich etwas zu spät, Pflegerin Franzi war schon bei den Nasenbären. Die hatten aber heute anscheinend keinen rechten Hunger, vielleicht wegen der Wärme. Jedenfalls machten sie nicht nur lange Nasen, sondern auch lange Zähne. Erst als die Pflegerin gegangen war, kamen sie nach und nach herbei und machten sich über das Futter her.

Bei Knut war es heute wieder sehr voll. Man merkt, dass noch Ferien sind. Viele Familien mit Kindern waren da, aber auch viele ausländische Touristen. Ich bekam einen halbwegs guten Platz, den ich aber immer wieder mal an Kinder und alte Leute abtrat. Immerhin sah ich doch, dass Knut heute wieder seinen Mittwochs-Lachs, sehr schöne Weintrauben und als Nachspeise einen Kürbis bekam. Knut machte mit all dem nicht viel Federlesens.

Ich hatte heute etwas mehr Zeit, deshalb blieb ich noch eine ganze Weile bei Knut stehen. Inzwischen hatten sich die meisten Besucher wieder zerstreut und man konnte wieder gut sehen. Knut hatte sich einen Platz an der Sonne gesucht, fast an der Grenze zu den Malaienbären. Dort lag er wie ein Urlauber und räkelte sich. Bhumipol guckte fasziniert zu, was bei seinem weißen Nachbarn so abgeht.

Inzwischen waren auch Zoo-Besucher vorbeigekommen, die sich die Seelöwenfütterung angesehen hatten. Sie schwärmten davon, wie sehenswert die Seelöwenfütterung durch Herrn Zahmel und wie niedlich der kleine Diego sei. Ach so, Diego war draußen? Also nichts wie hin!

Die Fütterung war natürlich schon vorbei. Aber Diego ist wirklich ein süßer kleiner Kerl. Er schwimmt unermüdlich neben seiner Mutter her. Außerdem zankt er viel mit ihr herum. Ich kann mich nicht erinnern, dass Volker so kess war. Diego jedenfalls brüllt pausenlos zurück und gibt seiner Mutter freche Antworten. Sogar Enzo wurde angeschrieen. Wenn das kein Selbstbewusstsein ist!

Dann schaute ich noch bei den Ottern vorbei. Die ganze Familie lag zusammengerollt in der Sonne und schlief. Ein Otter hatte eine halbe Ratte beim Wickel und zerrte emsig mit den Zähnen an der leckeren Mahlzeit herum.

Als ich zu Knut zurückkam, hatte der sich wieder geschminkt und hockte vor seiner Höhle. Ich drehte noch eine Runde, vorbei am Eisbärengehege. Die Eisbären dösten oben auf den Felsen. Devi und Sutra zeigten mir gemeinschaftlich die Kehrseiten. Sie hatten die Köpfe in die Höhleneingänge gesteckt und schienen dort etwas zu beobachten. Jedenfalls sah es gut aus, zwei schwarze, plüschige Hinterteile nebeneinander zu sehen.

Es war zu der Zeit eine besonders schöne Stimmung im Zoo. Viele Besucher waren schon nach Hause gegangen und auch viele Tiere legten sich zur Ruhe. Die Abendsonne tauchte alles in ein goldenes Licht und verwandelte den Zoo in ein kleines Paradies.

Ich kann verstehen, dass da manche nicht nach Hause möchten. Aber sich einschließen lassen, ist nun wirklich nicht der richtige Weg. Lieber morgen wiederkommen.

Viele Grüße

Yeo

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4 comments
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  1. Dear Yeo,

    Welcome back from your vacation and thank you so much for another entertaining zoo report!

    Hugs from Mervi

  2. Liebe Yeo,
    vielen Dank für Deinen Zoobericht. Knuti macht sich sehr gut mit dem GRÜN, aber sollte man das Grünzeug nicht aus seinem Wassergraben entfernen?
    Die Fotos sind einfach herrlich!
    BH, caren

  3. Yeo,

    It is good to have you back from vacation! Thank you for the interesting and entertaining zoo report.

    Bear hugs, Sarsam

  4. Hello, everybody!

    Thank you very much for all your warm words to my zoo-reports in the last weeks!

    Greetings

    Yeo