Ein besonders feines Parfüm!

Oct 7th, 2009 | By | Category: News and reports from Scandinavia

6.10.2009 – Photos by Doris, Jessie and Monika

Heute war ich wieder im Zoo. Ihr könnt Euch vorstellen, dass es zurzeit dort spannender ist als jeder Fernsehkrimi und bewegender als jeder Liebesroman. Deshalb ging ich heute Vormittag sofort zu Knut und Gianna. Die beiden können sich über mangelndes Publikumsinteresse nicht beklagen. Vor der Anlage stand schon eine Menge Leute, obwohl das Wetter heute in Berlin nicht so berühmt war.

Knut lag vorn an der Klippe, noch vor dem Sandhaufen, und ließ seine Vordertatzen herunterhängen. Gianna stand weit entfernt von ihm, vor dem ummantelten Baum, und blickte hinüber zu den Braunbären. Ein Besucher berichtete, dass Knut von Gianna kurz zuvor fast einen Handkuss bekommen hätte. Sie war nämlich im Wasser gewesen und plötzlich hochgeschnellt. Dabei hat ihre Nase fast Knuts Tatze berührt.

Knut ließ Gianna nicht aus den Augen. Sie ihn übrigens auch nicht. Die beiden waren durchaus aneinander interessiert. Schade nur, dass Knut regelmäßig Leine zog, wenn Gianna ihm zu nahe kam. So hat das arme Mädel ja gar keine Chance, ihn kennen zu lernen!

Schweren Herzens riss ich mich von den beiden los, um zur Eisbärenfütterung zu gehen. Aber ein paar andere Dinge wollte ich im Zoo schon noch sehen. Die Eisbärenfütterung machte Frau Weckert. Mir fiel auf, dass die Eisbären heute keinen großen Hunger hatten. Zwar verspeiste Lars die Stücke, die er zugeworfen bekam. Er sprang auch mal ins Wasser, aber ohne große Begeisterung. Nancy ging erst nach langer Wartezeit ins Wasser, um sich ein Stück Fleisch zu holen, und Katjuscha ging gar nicht ins Wasser. Einzig Tosca sprang recht zügig ins Wasser und holte sich einige Fleischstücke. Die Eisbärenfütterung war heute nur sehr mäßig besucht, die meisten Besucher waren natürlich bei Knut.

Ich bemühte mich auch, schnell wieder zu Knut zu kommen. Heute war ich überhaupt die meiste Zeit bei Knut und Gianna. Es war sehr interessant, wie die beiden sich verhielten.Gianna sprang immer wieder mit Karacho ins Wasser und schwamm im Graben hin und her.


Knut lag oben auf seinem Sandhaufen und ließ sie nicht aus den Augen. Dann stieg sie aus dem Wasser und schüttelte sich herzhaft. Ihr Fell ist übrigens länger und fluffiger als das von Knut. Sein Fell ist kürzer und plüschiger. Nach dem Fell-Schütteln schaute sie nach, ob ihre Höhe schon offen ist. Natürlich war die Höhle zu. Dann ging sie zu Knut. Wenn sie ihm zu nahe kam, sprang er auf und ging ihr aus dem Weg. Die beiden umkreisten einander dann auf dem Sandhaufen – Gianna selbstbewusst und neugierig, Knut vorsichtig und schüchtern.

Dann ging Gianna wieder zur Höhle und Knut hinter ihr her. Wenn sich Gianna umdrehte, zog Knut sich sofort wieder zurück. Die beiden konnten heute nicht miteinander und auch nicht ohneeinander. Ganz so wie zwei Teenager, die das erste Mal verliebt sind.Zwischendurch kam Gianna zweimal zu Knuts Sandhaufen und erledigte dort ihr Geschäftchen. Knut kam, schnupperte interessiert und legte sich mit dem Gesicht auf Giannas Hinterlassenschaft. Sicher war das für Knuts Nase ein besonders feines Parfüm. Jetzt weiß ich auch, woher der Ausdruck „Eau de Toilette” kommt…

Ich blieb sehr lange bei den beiden stehen, bis halb eins. Dann waren mir vom Stehen die Beine eingeschlafen. Deshalb entschloss ich mich, doch noch eine kleine Runde durch den Zoo zu gehen.

Ich ging zum Raubtierhaus. BaoBao war immer noch mit den Resten seines Mittagessens beschäftigt. Bei den Löwen gab es heute einen besonders schönen Anblick. Aru und Aketi waren draußen. Aru hatte sich auf dem Felsen gegenüber von BaoBaos Gehege in Positur gestellt. Als ich ihn betrachtete, fauchte er ein paar Mal leise. Es klang aber nicht böse, sondern eher wie ein Zur-Kenntnis-Nehmen. Ich war wie immer entzückt, was für ein hübscher junger Löwe Aru ist. Was Knut bei den Eisbären ist, das ist Aru bei den Löwen. Er hat ein wunderhübsches Gesicht. Wenn erst ausgewachsen ist und eine volle Mähne haben wird, dann ist er mit Sicherheit ein besonders schöner und stattlicher Löwenmann.

Drinnen im Raubtierhaus hatte Paule seinen gesprächigen Tag. Er brüllte Jazira durch´s Gitter an, dass die Wände wackelten. Immer wieder, er wollte gar nicht aufhören damit. Schließlich hob er den Schwanz und machte das, wovor immer gewarnt wird: Er spritzte Urin durch´s Gitter. Ich konnte nicht sehen, wer getroffen wurde. Mich jedenfalls nicht. Ich stand zum Glück in der dritten Reihe. Dann ging das Gebrüll weiter. Schließlich wurde es Amira zu bunt. Sie hob den Kopf und brüllte Paule an. So nach dem Motto: „Schrei meine Schwester nicht so an!” Sofort gab Paule Ruhe.

Heute waren beide Monitore eingeschaltet, sowohl die bei den Ozelots als auch bei Chiara. Sehen konnte man allerdings noch nicht viel. Dann ging ich wieder zurück zu Knut und Gianna, die kurze Zeit später – um 13.30 Uhr – in die Höhle gelassen wurde. Besucher berichteten, dass das Bärenteam Stück für Stück die Zeiten verlängert, in der Gianna draußen bei Knut auf der Anlage ist. Knut war schon die ganze Zeit über müde gewesen, ihm fielen ständig die Augen zu. Aber Gianna ist doch zu interessant! Immer wieder hob er den Kopf und hielt Ausschau nach ihr. Selbst in der Zeit, in der er allein war, nickte er nur kurz ein. Dann schaute er sich wieder nach Gianna um.

Mir fiel heute auf, dass Knut sich zurzeit kaum noch für seine Spielsachen interessiert. Er interessiert sich nur für Gianna. Er läuft auch kaum noch hin und her. Das machte Knut heute nur kurze Zeit, vielleicht fünf Minuten vor der Fütterung.

Die Fütterung fand heute um 14.00 Uhr statt. Knut bekam als Nachspeise ein Rosinenbrot und einen kleinen Kürbis. Kaum hatte Knut den letzten Bissen verspeist, wurde Gianna wieder hinausgelassen. Das Spiel mit dem Anschleichen, Verfolgen und um den Sandhaufen herum tänzeln begann wieder von vorn. Knut ist zwar immer noch vorsichtig und geht Gianna aus dem Wege, aber es sieht auch nicht so aus, als wolle Gianna ihm etwas tun. Sie muss aber auch erst mal Vertrauen zu Knut fassen und mitkriegen, mit welch einem sanften, freundlichen Bären sie es hier zu tun hat.

Am Nachmittag verlegte Knut sich auf´s Gärtnern. Er riss immer wieder Büschel mit Grünzeug aus, um sie der Angebeteten zu präsentieren. Ich erwog flüchtig, Knut zu mir nach Hause mit zu nehmen. In unserem Garten hätte er einiges zu tun.

Gianna indessen interessierte sich nur wenig für Knuts Blumenarrangement. Sie interessierte sich vielmehr sehr für die Malaienbären! Wer sind die Nachbarn? Was machen die da? Könnten sie gefährlich werden?

Bhumipol seinerseits hing über dem Baumstamm, die Vorderbeine aufgestützt, und sah auf Knuts Anlage das Theaterstück „Szenen einer Ehe”. Das war sehr interessant, Bhumi sah lange zu.

Heute waren wieder eine Menge Knutianer im Zoo. Sowohl Berliner, als auch Zugereiste. Bestimmt habt Ihr gehört, dass zurzeit sehr netter Besuch aus den Niederlanden in Berlin weilt. Auch aus München und aus dem Harz waren Knut-Fans gekommen.

Wir verbrachten zusammen eine nette Zeit in Gesellschaft von Knut und Gianna. Um halb fünf wurde Gianna in die Höhle gelassen, in die sie auch sofort verschwand. Knut fielen nun endlich die Augen zu. Er war müde. Schließlich hatte er den ganzen Tag das schöne Mädchen beobachten müssen.

Schließlich verabschiedete sich ein Besucher nach dem anderen und der Zoo leerte sich zusehens. Und auch für mich wurde es Zeit, den Zoo zu verlassen.

Tatsache ist, dass Knut und Gianna sich langsam aber sicher aneinander gewöhnen. Ich bin schon gespannt, wie das Verhältnis der beiden bei meinem nächsten Besuch sein wird.

Liebe Grüsse von Yeo

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

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4 comments
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  1. Dear Yeo,

    What a charming and entertaining zoo report again! I had a good laugh reading about the fine perfume. Now I also know where the word ‘Eau de Toilette’ comes from :-)

    Hugs from Mervi

  2. Dear Yeo, I just love your zoo reports…full of great details and humor…..Danke! xo k-j

  3. Dear Yeo, A great report as usual with lots of details. Paul urinating through the lattice reminds me of a time we were at the Philadelphia Zoo in the tiger house. People were restricted from one area in front of the cage of this really big Siberian male tiger–I cannot remember the reason. But several kids went under the restraining rope and were about 6 feet from the bars. The tiger chose that moment to forcefully urinate through the bars–the urine hit the opposite wall behind the kids some 12 feet away!! Of course the kids were sprayed too. Fitting punishment for not obeying the signs we thought!!

    Thank you for sharing your walks through the zoo with us!
    Sarsam

  4. Thank you Yeo I loved to know about ” Eau of Toilette “… rsrsrs, funny and pleasant report as all your other ones.