Wie gehe ich bloß mit dieser Frau um?

Oct 4th, 2009 | By | Category: News and reports from Scandinavia

3.9.2009 Photos von Doris Webb

Nach dem Besuch des Affenhauses gingen zurück zum Bärenrevier. Als wir bei den Zwergflusspferden vorbei kamen, sahen wir Debby und ihren Sohn nebeneinander im Wasser stehen. Nur die Köpfe guckten hinaus. Beim Sohn waren es nur noch die Nase und die Ohren.Mein Mann fand die beiden entzückend und wollte sie fotografieren. Sofort tauchten beide ab und waren unter der Entengrütze nicht mehr zu sehen.

Von den großen Flusspferden konnten wir nicht viel sehen. Sie hatten das Wasser so aufgewirbelt, dass nur noch große, graue Schatten zu sehen waren. Dafür konnte man draußen die Nyala-Familie sehen. Das Jungtier ist absolut entzückend.

Lippenbärmädchen Devi hatte sich etwas Neues überlegt. Sie hockte dicht am Wassergraben und planschte mit den Vorderpfoten eifrig im Wasser herum. Was das sollte, weiß ich nicht. Devi schien es aber Spaß zu machen und das genügte uns.

Ich freute mich schon sehr auf die Nasenbärenfütterung und drängte meine Familie auf pünktliches Erscheinen. Kaum hatten wir uns strategisch günstig bei den Nasenbären platziert, als auch schon Herr Röbke mit der Schubkarre erschien. Aber anstatt anzuhalten, ging er eilenden Schrittes zu Knut. Nanu? Verkehrte Welt?

Jedenfalls nahmen wir die Beine in die Hand und kamen doch noch halbwegs pünktlich zu Knuts Fütterung. Dort wurden wir von Besuchern aufgeklärt: Knut bekommt in diesen Tagen sein Futter immer zuerst, damit Gianna schneller hinaus kann.

Knut bekam wieder eine Menge guter Sachen, so wie immer. Mehrere große Fische, Äpfel, Birnen und Salat. Einiges warf Herr Röbke ihm mundgerecht zu. Anderes warf er auf die Anlage, damit Knut noch etwas zum Suchen hat.
Bekanntlich mag Knut normalerweise Salat nicht sonderlich. Aber heute beeilte er sich, ihn zu verspeisen. Er war noch nicht ganz fertig damit, als Gianna herauskam. Knut beäugte sie kritisch, dann futterte er schnell seinen Salat. Nur nichts abgeben; wer weiß, was dann einreißt!

Auch jetzt war bei beiden Bären wieder das Verhalten vom Vormittag zu beobachten. Gianna ist sehr selbstbewusst und dominant, aber nicht aggressiv. Vor den Braunbären scheint sie sich ein wenig zu fürchten. Dann rennt sie zu Knut. Der erschrickt dann und weicht ihr aus.

Allerdings hat Knut durchaus Interesse an Gianna. Als sie ins Wasser sprang und schwamm, lief Knut oben immer neben ihr her und ließ sie nicht aus den Augen. Als Gianna einmal den Kopf aus dem Wasser steckte und einen langen Hals machte, schrak Knut vor ihr zurück. Im nächsten Moment machte er einen langen Hals, um nach ihr zu sehen.

Oben auf dem Bärenfelsen verfolgten Herr Henkel und Herr Röbke das Geschehen. Knut stellte sich immer wieder auf die Hinterbeine und blickte zu den beiden hoch. Es sah aus, als ob er fragen wolle: „Wie gehe ich bloß mit dieser Frau um? Könnt ihr mir nicht helfen?“

Aber da muss er wohl allein durch. Er ist halt noch ein bisschen schüchtern, aber andere Besucher meinten, dass er schon etwas an Position gewonnen hat. Wenn man bedenkt, dass Knut und Gianna erst 4 Tage zusammen sind, sieht das wirklich gut aus. Zwischen den beiden scheint die Chemie zu stimmen.

Weil es nun bei Knut und Gianna zurzeit unglaublich spannend ist, verpassten wir die Nasenbärenfütterung. Aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen.

Unser Sohn setzte schließlich die Priorität, nach Hause zu wollen. Als gehorsame Eltern gaben wir nach, dankbar, dass er so lange mitgespielt hat.

Jedenfalls war es ein sehr schöner Tag im Zoo und ich bin zuversichtlich, dass zwischen Gianna und Knut alles gut wird.

Liebe Grüsse von Yeo

Share |

6 comments
Leave a comment »

  1. Lieber Yeo,
    vielen Dank für Deinen aufschlussreichen Bericht von Knut und Giovanna. Du hast völlig Recht, Giovanna ist sehr selbstbewusst, aber nicht aggressiv. Ich würde nicht einmal sagen, dass sie dominant ist, sie hat halt einen kleinen Vorteil, weil die Anwesenheit eines Artgenossen für sie ja nicht fremd ist. Sie geniesst das ‘große’ Gehege, in München lebte sie weitaus beengter und ein Naturgehege ist natürlich für ein Eisbärkind recht spannend. Ihre Sprünge in den schmalen Wassergraben beeindrucken mich seher, aber es bleibt mir beim Zusachauen auch gleichzeitig die Luft weg.
    Hugs, caren

  2. Dear Yeo,

    Thank you for the entertaining report from ‘our’ zoo! I agree with Caren – Giovanna has confidence in herself but I haven’t noticed any hostility from her side. Not from Knuti’s side either so I’m sure they’ll be good friends.

    Hugs from Mervi

  3. Thank you Yeo! I so enjoyed your report this time..as always!
    Betsy

  4. Dear Yeo,

    Great photos. I love the one with Knut sitting holding his paws together with closed eyes. He must be praying: “Lord please let this relationship work out for me and I won’t pray for any extra salmons ever again.”

    Gio photographs well because she’s so full of life and feisty. Thanks so much!!

  5. Lol, I think that’s exactly what Knut was thinking. He thinks: Gosh, she’s so out of my league, how this happened she landed out of nowhere in my pile of sand? And peed on it! I’m so blessed. Salmons now are the second best thing ever, Gia is the first! :)
    Thanks Yeo!
    cLeaf

  6. Dear Yeo thank you, I hope you have also given some advices Knut how to interact with a woman and to have tell to Gio that she is now the young lady bear more envied of the world.