‘Klopft an und euch wird aufgetan’

Dec 11th, 2009 | By | Category: News and reports from Scandinavia

10.12.2009 – Photos by Monika

Als ich heute vormittags um 10.00 Uhr an Knuts Gehege eintraf, lag Knut allein in seiner Kuhle. Von Gianna keine Spur. Ich fragte einige Stammbesucher, aber die konnten sich das auch nicht erklären. Knut-allein-zu-Haus schien sich etwas zu langweilen. Statt die Ruhe in seiner Junggesellenbude zu genießen, ging er immer wieder zum Höhleneingang, um nachzuschauen, wo die Süße bleibt. Gestern hatte sie noch wohlgemut mit Knut gespielt und heute war sie spurlos verschwunden. War sie vielleicht krank?

Konnte sie in ein anderes Gehege umgezogen worden sein? Vorsichtshalber drehte ich eine Runde ums Bärenrevier. Aber da sah ich nichts, überhaupt nichts, denn alle Bären waren drinnen. Gianna, wo bist Du?

Als ich zurückkam, war Gianna zwar immer noch nicht draußen, aber sie wummerte bereits drinnen mit Schmackes gegen das Gitter. „Klopft an und euch wird aufgetan”, so steht´s schon in der Bibel. Der Gianna wurde prompt aufgetan. Sie kam heraus gerannt und auch Knut rannte auf sie zu. Sie beschnüffelten einander und küssten sich. Mit weit aufgerissenen Mäulern, nach Eisbärenart. Dann stellte sich Knut auf die Hinterbeine, um seine Liebste zu umarmen. Gianna war übrigens heute genau so hübsch geschminkt wie Knut; die beiden trugen Partnerlook. Sonst war es wieder das gleiche Spiel: Die beiden können vielleicht nicht immer miteinander, aber ganz bestimmt nicht mehr ohneeinander! Knut wich zwar bei einer direkten Begegnung mit Gianna kurz aus, lief ihr aber ständig hinterher.

Ich war mit einer Knut-Freundin verabredet und zusammen gingen wir zum Raubtierhaus. Die Löwen waren drinnen und schliefen. Im Übrigen war heute im Raubtierhaus Großreinemachen angesagt. Mutter und Sohn Ozelot waren immer noch im Kinderzimmer verbannt, aber der Käfig war sauber geputzt und gestreut.

Jaguar-Dame Chiara hatte es sich bequem gemacht und schlief, einen ihrer Söhne im Arm. Der andere hatte sich an ihren Rücken gekuschelt. Dann wurden sie wach, erst der eine, dann der andere. Sie sind zwar schon wieder ein Stückchen gewachsen, aber ich würde immer noch gern einen klauen, ohne lange zu fackeln. Inzwischen war ein Pfleger gekommen und hatte das Gitter zum Kinderzimmer geöffnet. Chiara schritt hoheitsvoll wie eine Königin hinein. Die beiden kleinen Prinzen dachten aber nicht daran, ihr zu folgen. Sie balgten sich lieber und fauchten einander an. Endlich wurde einer der beiden einsichtig und verzog sich zu seiner Mutter. Sein Bruder blieb hartnäckig. Obendrein hatte er einen Knochen gefunden, der gründlich benagt werden musste. Dann fauchte Chiara dem Sohn die Meinung. Das wirkte. Mit hängenden Ohren trabte der Kleine zu Mutter und Bruder. Der Schieber wurde geschlossen und der Hausputz konnte beginnen.

Wir gingen weiter zum Affenhaus. Dort war es heute ausgesprochen interessant. Wir lernten nämlich eine Besucherin kennen, die seit Jahren regelmäßig die Affen besucht, ihre Stammbäume und Familienverhältnisse kennt und schon quasi zum Inventar gehört. Ich erfuhr, dass Bini die Mutter von Mücke ist und somit die Oma von Satu. Mano ist der Partner von Bini und der Vater des kleinen Babys und auch der Vater von Bagus. Der kleine Bagus müsste schon längst in einem anderen Zoo sein, aber es hat sich bisher noch nichts Vernünftiges gefunden. Mano duldet seinen Sohn noch, so lange er äußerlich dem Kindchen-Schema entspricht. Sobald er sich zu einem jungen Mann entwickelt, sei die Freundschaft aus.
Allerdings sei es von der Natur so eingerichtet, dass ein junger Orang-Utan-Mann erst richtig auslegt, wenn er von seinem Vater getrennt wird.

Die Gorillas waren heute gut in Form. Djambala schoss oben auf dem Brett Purzelbäume, Mpenzi rannte hin und her und trommelte sich mit den Fäusten gegen die Brust. Ivo zeigte eindrucksvolle Posen und behielt seine Damen und auch die Zuschauer gut im Auge. Von unserer neuen Bekannten erfuhren wir, dass Ivos Vorgänger Derrick ein riesiger Gorilla-Mann und auch ein potenter Liebhaber gewesen sei, der mit Mpenzi und auch mit anderen Damen mehrere Kinder gezeugt hatte. Ivo sei zwar ein netter Gorilla, könne Derrick aber nicht das Wasser reichen, optisch nicht und sonst schon gar nicht. Aber Ivo bemühe sich, wenn auch noch ohne Erfolg.

Heute konnte ich endlich das kleinste Bonobo-Baby sehen. Seine Mutter saß mit dem Kleinen im Arm vor der Scheibe und blickte nach draußen. Ich ging hinaus, um mir den Kleinen anzusehen. Da drehte sich seine Mutter um und zeigte mir den Rücken. Das war nicht nett. Allerdings bekam ich dadurch das Gesicht des Kleinen zusehen. Es ist so winzig! Das ganze Äffchen ist winzig klein. Auch Kivu war heute ruhig, hatte sich an seine Mutter geklammert und saugte.

Nach dem interessanten und lehrreichen Besuch des Affenhauses gingen wir weiter zu den Elefanten. Shaina Pali und Ko Raya standen eng beieinander und wurden von drei Elefanten-Damen eingekreist, als ob sie die beiden Kleinen vor irgendetwas beschützen wollten. Vielleicht waren ihnen die Handwerker, die sich außen am Gehege zu schaffen machten, nicht geheuer?

Heute war der Zoo sehr mäßig besucht. Aber wir fanden es schön so. Wir schauten nochmal kurz nach Knut und Gianna. Die beiden machten Siesta. Knut lag in seiner Höhle. Gianna hatte uns den Allerwertesten zugedreht und betrachtete andächtig die Malaienbären-Anlage. Gegen 13.00 Uhr fing es an zu regnen. Noch nicht heftig, aber schon schön ekelig, wie geschaffen, um sich zu erkälten. Deshalb beendeten wir für heute unseren Zoo-Besuch.

Liebe Grüsse von Yeo

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3 comments
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  1. Dear Yeo,

    I can understand you were wondering where Gianna was. What a thriller!

    Thank you for your detailed and entertaining report!

    Hugs from Mervi

  2. Hallo Yeo!
    Danke für den Bericht. So wie ich verstanden habe nicht nur Du, auch Knut vermisste Giovanna.
    Die Mutter und 2 kleinen Jaguaren sind sehr schön. Die Kinder sind noch nicht groß genug um die Mutter auf Trab zu halten. Das kommt aber bald. Am Montagabend als wir schon zum Zug eilten, hörten wir Gebrüll aus dem Raubtierhaus und gingen schnell rein. Paul war völlig außer sich. Er brüllte und dann fiel er auf dem Rücken und bearbeitete den Seil mit allen Kräften. Im Käfig neben ihm ging gerade eine von den Schwestern von draußen rein. Ich hoffe die Pfleger haben Paul zum Abkühlen nach draußen gelassen.
    Liebe Grüsse

  3. Dear Yeo, thank you, I loved your report and to know about Knut and Gio is wonderful.