Privatfütterung im Zoo

Jan 21st, 2010 | By | Category: News and reports from Scandinavia

19.1.2010 – Photos by PetraW

Heute war ein Wetter, bei dem man normalerweise keinen Hund vor die Tür jagt. Es taute, nieselte und die Straßen waren voller Matsch. Aber ich wollte ja gern in den Zoo und außerdem wollte ich keinen Hund mitnehmen.

Trotzdem traf ich kurz nach zehn wohlbehalten im Zoo ein. Im Zoo war es heute wunderschön, es waren kaum Leute da. Vor Knuts Gehege standen lediglich drei Stammbesucher. Knut und Gianna störte das nicht im Geringsten. Sie waren zusammen im Wasser und spielten und tobten wunderschön. Sie hatten einander umarmt und rangelten wie ein verliebtes Pärchen im Übermut. Ich sah ihnen ein Weilchen zu. Dann ging ich zur Fütterung der großen Eisbären.

Auf dem Weg dahin sah ich heute zum ersten Mal alle vier Wölfe. Die jungen Wölfinnen wuselten zwischen den beiden Männchen herum, die sich daran überhaupt nicht störten.

Bei den großen Eisbärinnen war außer mir kein Mensch. Nancy kuschelte mit Tosca, Katjuscha lag ein paar Meter entfernt und döste. Die drei schönen Tiere im Schnee, die wunderbare Stille – all das war wie Balsam für meine gestresste Seele.

Dann kam Frau Weckert mit dem Futter. Ich bekam eine Privatfütterung geboten, denn ich war immer noch die einzige Besucherin. Das war auch mal sehr schön. Nach der Fütterung redeten Frau Weckert und ich kurz miteinander, auch über Knut und Gianna. Dabei meinte Frau Weckert, egal was noch käme, durch Gianna hätte Knut gelernt, dass er ein Eisbär ist und das könne ihm niemand mehr nehmen. Dem braucht man nichts mehr hinzuzufügen.

Wir verabschiedeten uns und ich ging weiter zur Anlage von Devi und Sutra, wo ich natürlich niemand sah. Also ging ich weiter, zu den Kamelen. Der Kamelhengst hat eine wunderschöne, dichte Mähne. Er guckte mich von oben herab an. Aber wahrscheinlich guckt er immer so.

Dann ging ich ins Nashornhaus. Heute konnte ich den frischgebackenen Vater, Panzernashornbullen Yodha, mal von nahem sehen. Ist das ein Koloss! Allerdings schien er mit seinem Stubenarrest nicht zufrieden zu sein. Er streifte immer wieder mit seinem Horn an den Gitterstäben hin und her, dass es mal so krachte. Dem möchte ich nicht begegnen ohne Gitter dazwischen!

Dann ging ich zurück zu Knut und Gianna. Das Mädel hat wirklich Hummeln im Hintern. Sie zog Knuts Nackthuhn aus einer Felsspalte. Es sieht schon sehr mitgenommen aus, Gianna hat ganze Arbeit geleistet. Dann rannte sie mit dem Nackthuhn über die Anlage, als sei der Teufel hinter ihr her, und warf es auf von der Klippe herunter ins Wasser. Knut guckte hinterher. Dann fand er ein orange-farbenes Etwas, dass ich zunächst für ein Stückchen Möhre hielt.
Eine Besucherin klärte mich aber auf. Es sei ein Stückchen Gummi und Knuts eigener Kaugummi. Er kaue von Zeit zu Zeit mal darauf herum, spucke es aber immer wieder aus.

Als Gianna sah, dass Knut etwas kaut, war sie sofort da und wollte das Etwas haben. Sie klaute es ihm aus dem Mund, kaute ebenfalls darauf herum und spuckte es verächtlich aus. Knut nahm den Diebstahl zum Anlass für eine kleine Balgerei.

Ich war in der Zwischenzeit schon ziemlich durchgefroren. Zeit, wieder ein paar Schritte zu gehen. Bei den Seelöwen war ein Riesenkrawall. Enzo erzählte seinen Damen etwas, aber mit einem Riesengebrüll. Mich interessierte, ob Diego wohl noch im Zoo sei? Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da kam Herr Zahmel. So ein toller Zufall! Ich fragte ihn nach Diego. Herr Zahmel zeigte auf den großen Stein und meinte: „Da, die kleene, fette Speckrolle, det isser!” Ich hatte schon gedacht, dass Diego nicht mehr da sei. „Nee,” sagte Herr Zahmel, „der bleibt noch mindestens bis Mai!”
Das war ja mal eine schöne Nachricht.

Heute war ich nach langer Zeit wieder mal auf dem Erweiterungsgelände. Die Kängurus machten sich rar. Aber die Przewalski-Pferde waren draußen. Die Strauße streckten ihre Köpfe durchs Gitter und wollten gestreichelt werden. Vielleicht wollten sie auch nur was zu essen. Von mir bekam sie weder das eine noch das andere.

Nebenan leben die Emus, die großen Kudus und die Blessböcke in schönster Eintracht. Der Kudu-Mann hat große, gedrehte Hörner. Meine Güte, sind das Apparate, wie riesige Korkenzieher!

Dann ging ich zum Raubtierhaus. Bei den Löwen sah ich heute etwas Merkwürdiges. Paule war heute nicht – wie sonst – mit Amira zusammen. Er teilte sein Gemach mit Jazira, erkennbar an ihrem kurzen Schwanz. Aber sie hatten heute offenbar keine Probleme damit. Jeder lag in einer Ecke und schlief.

Die Ozelot-Familie sah ich heute nicht. Sie waren wahrscheinlich in der Mutterbox, denn ihr Käfig war frisch geputzt worden. Aber wahrscheinlich können die Pfleger dort so viel putzen wie sie wollen, bei den Ozelots ist immer ein sehr intensives Flair.

Bei Chiara und ihren Kindern gab es heute etwas zu sehen. Die beiden Jungen waren in Hochform. Sie fegten durch den Käfig, dass es eine wahre Freude war. Ein Jutesack, der an einem von der Decke herabhängenden Seil angebunden war, wurde gebissen und verprügelt. Dann verprügelte ein Bruder den anderen. Der Attackierte rannte davon und verkroch sich unter dem Weihnachtsbaum, der im Käfig herumlag. Der Bruder folgte ihm und im nächsten Moment bebte der Baum. Die Pfleger hatten Sägemehl gestreut. Darin rollten die beiden kleinen schwarzen Kater herum. Hinterher sahen sie gut aus.

Ich hatte den Eindruck, dass Chiara den lebhafteren Sohn lieber hat. Sie war ständig um ihn herum und leckte ihn ab. Der ruhigere Sohn legte sich vor seiner Mutter auf den Rücken. Als Chiara ihn aus Versehen berührte, zuckte sie zurück. Dann legte sie sich wieder auf ihr Strohlager und leckte ihren Lieblingssohn hingebungsvoll ab. Als der andere auch Zärtlichkeiten wollte, fauchte Chiara ihn an. Zwar leise, aber bestimmt. Obendrein gab es einen Klaps mit der Pfote.

Dann fuhr sie fort, ihren Liebling abzulecken. Der verschmähte Sohn kletterte daraufhin seiner Mutter auf den Rücken und beleckte ihren Nacken. Chiara ließ sich davon nicht stören. Unbeeindruckt fuhr sie fort, den Lieblingssohn mit Zärtlichkeiten zu verwöhnen.

Mir tat es etwas weh, den kleinen Kater vergeblich um Liebe betteln zu sehen. Deshalb ging ich zu BaoBao. Der saß heute drinnen und aß sein Mittagessen, das er vor kurzem bekommen hatte. Von Herrn Liebschwager persönlich, wie ein Besucher sagte. Aber ich hätte die Erklärung nicht gebraucht. Die dekorative Anordnung des Essens trug eindeutig die Handschrift von Herrn Liebschwager.

Dann ging ich ins Affenhaus. Heute waren die Affen auffällig ruhig. Wahrscheinlich gehen ihnen Kälte und Dunkelheit auch schon aufs Gemüt. Aber die Orang-Utan-Kinder waren gut drauf und tobten herum. Djasinga und Satu schaukelten wie Tarzan an den Seilen herum. Bagus hatte einen zerrissenen Sack beim Wickel und zeigte uns, was er da Tolles hat.

Silberrücken Ivo blickte mich streng an. Ich sah respektvoll zu Boden, schließlich weiß ich, was sich gehört. Ivo war zufrieden und wandte sich wieder dem Baumstamm zu, an dem er herumgefriemelt hatte.

Dann ging ich zurück zu Knut und Gianna. Die beiden hatten einen ruhigen Gang eingelegt. Gianna lag in Knuts Kuhle und schlief, die Pfote unterm Kopf. Knut war schon wieder am Laufen. Aber seine innere Uhr ging anscheinend vor, es war erst kurz vor halb eins. Eine Besucherin hatte flüssige Seife für Seifenblasen dabei. Damit hoffte sie, Knut abzulenken. In der Tat kletterte Knut herunter bis ans Ufer und machte einen langen Hals. Aber dann merkte er, dass Seifenblasen wirklich nur Seifenblasen im Wortsinn sind: Außen bunt und innen hohl. Also kletterte er wieder hinauf, legte sich hinter seinem Blechbaum und begann zu dösen.

Inzwischen hatte ich sehr unangenehm kalte und nasse Füße bekommen, denn auch die Wege im Zoo waren zertreten und matschig geworden. Ich drehte noch einmal eine Runde, vorbei am Gehege der Eisbärinnen. Jetzt kuschelten wieder alle drei miteinander, wie damals, als Lars noch da war.

Dann verließ ich den Zoo – nervlich wieder so gut wie neu. Ein Zoo-Besuch ist eben ein kleiner Urlaub.

Liebe Grüsse von Yeo

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5 comments
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  1. Dear Yeo,

    You’re so right – Knut tut immer gut! I have always thought it’s very relaxing to wander about the zoo and watch all the beautiful animals. The high light is, of course, Knut!

    Thank you once again for your lovely, detailed and entertaining report!

    Hugs from Mervi

  2. Liebe Yeoman, Deinen Bericht habe ich mit Freude gelesen. Kam wieder gut! Ich selbst war gestern seit 14 Tagen zum ersten Mal wieder im Zoo bei den beiden Hübschen und kurzfristig auch bei den Löwen – Aru wird langsam ein imposanter Löwemann! Er warf interessierte Blicke zur wieder bei ihm aber in einiger Entfernung liegenden und desinteressiert wirkenden Jazira. Paule fühlte sich sichtlich durch meine Anwesenheit gestört und brüllte, dass es einem durch Mark und Bein ging. Sowie ich wegging von seinem Käfig hörte er auf :-( BaoBao futterte innen mit einer für seine Verhältnisse beachtlichen Geschwindigkeit auf einem schmalen Brett hockend und sichtlich mit gutem Appetit. Knuti und Giovanna waren nicht ganz so verschmust und drollig drauf wie offenbar die Tage davor, trotzdem macht es immer Freude, sie zu sehen und zumindest im Wasser haben sie mal eine zeitlang zusammen gespielt und sind dabei viel untereinander durchgetaucht. Ich erwartete fast, dass Knuti Giovanna mal von unten hochstemmt und auf einer Tatze balanciert ;-) ) Der Anlass, mich doch mal wieder etwas länger ins triste Grau und die Kälte hinaus zu wagen, war außer den Tieren Ludmilas (des Geburtstagskinds – erfuhr ich aber erst überraschend im Zoo von FrauchenMiezehumpf!) und Uwes Besuch. Dir nochmals Dankeschön für Deinen Zoobericht. Einen schönen Tag wünscht Dumba

  3. Hallo Yeo!
    Dein Bericht ist wie immer sehr interessant. Ich habe gestern extra Chiara genau angeschaut. Sie hat ihre beiden Söhne ausgiebig geputzt. Ich hoffe es war nur eine Ausnahme, dass sie einen Sohn weniger beachtet hatte.
    Liebe Grüsse

  4. Liebe Yeo,
    vielen Dank für diesen wunderschönen Zoobericht, man hat immer das Gefühl, man war auch da, wenn man Deine Berichte liest. Zusammen mit Petra’s Fotos wird das zu einem Live-Erlebnis.
    LG, caren

  5. Feiner Zoobericht – man kann in Gedanken mitwandern!