Verschneite Märchenland
Jan 4th, 2010 | By mervi | Category: Yeo's zoo reports2.1.2010 – Photos by Doris and Jessie Webb
Hallo, liebe Knut-Freunde!
Vor einigen Tagen hatte ich es ja angekündigt, dass es bei mir auch im neuen Jahr mit den Zoobesuchen und –berichten unverdrossen weitergeht. Heute nun war ich wieder im Zoo, gleich zu Beginn des neuen Jahres.
In der Nacht hatte es wieder geschneit und der Schnee liegt zurzeit in Berlin ungewöhnlich hoch. Als ich den Zoo betrat, kam es mir vor, als betrete ich eine andere Welt. Ein märchenhaftes Winterwonderland, eine weiße Oase der Stille mitten in der Großstadt.

Als ich bei Knut und Gianna eintraf, lagen die beiden in einigem Abstand voneinander im Schnee und dösten. Sie waren völlig ruhig, sicher gefiel ihnen das Eisbärenwetter. Ich sah ihnen eine Weile zu.


Die berühmte Bärenrunde, die ich sonst gehe, gibt ja zurzeit nicht viel her. Die Eisbärinnen sind in ihren Höhlen, Lars ist nicht mehr da. Als ich am Tor zum Bärenhof vorbei ging, dachte ich an Herrn Dörflein. Er hat ja Kälte geliebt. Sicher hätte es ihm im Zoo bei diesem Wetter besonders gefallen…
Dann drehte ich eine Runde bei den Kamelen vorbei. Zwei Kamele waren draußen, ihnen schien das Winterwetter nichts auszumachen. Die Dromedare waren allerdings nicht zu sehen.
Im Nashornhaus waren alle Nashörner drinnen. Die Tapirfamilie lag im Stroh unter der Rotlichtlampe. Es sah richtig gemütlich aus.
Als ich dann zu Knut und Gianna zurückkam, rief mir schon jemand zu, ich solle mich beeilen, die beiden spielen gerade so schön. In der Tat! Knut und Gianna balgten und tollten miteinander herum, dass es eine Freude war, zuzusehen. Dabei war Knut keineswegs defensiv. Immer wieder sprang er Gianna an und biss sie spielerisch in Hals und Wange. Gianna hing mit den Vordertatzen an Knuts Hals und biss zurück. Wir waren alle fasziniert und entzückt von den beiden.


Aber Knut hatte heute anscheinend vom Kraftwerk geträumt. Er bedrängte Gianna stürmisch, warf sie um und zwickte sie in die Seite. Das ließ sie sich natürlich nicht gefallen. Gianna brüllte laut und Knut rannte mit hängenden Ohren davon. Gianna rannte hinterher. Vorn auf der Klippe strichen beide verlegen umeinander herum, beide laut schnaufend und mit Tapirlippe. Es sah aus, als ob sie sich gern vertragen, aber keiner den ersten Schritt machen wollte. Schließlich trennten sie sich. Gianna rollte sich in Knuts Kuhle zusammen. Knut lag unter dem Blechbaum, die Tatzen wie zum Gebet zusammengelegt und betrachtete verstohlen
die eingeschnappte Liebste. Die würdigte ihn keines Blickes.
Ich hatte heute nur wenig Zeit, deshalb trennte ich mich schweren Herzens von den beiden.
Die Seelöwen waren heute munter und schwammen in Formation durchs Becken, Enzo immer vorneweg. Bei den Rentieren fiel mir heute auf, was für ein mächtiges Geweih das männliche Tier hat. Das muss ja ein unglaubliches Gewicht sein, was der auf dem Kopf spazieren trägt.
Ich nahm die Abkürzung durch das Revier der Huftiere. Die kleinen, hübschen Holzhäuschen sahen unter dem Schnee besonders reizend aus. Es sah aus wie die Kulisse zu einem russischen Märchenfilm.
Im Raubtierhaus wollte ich natürlich zuerst nach Chiara und ihrem Nachwuchs schauen. Aber heute war in Chiaras Wohnung Großreinemachen angesagt. Dazu mussten die Bewohner natürlich erstmal in die Mutterbox umziehen. Chiara und eines der Kinder war bereits drinnen. Eine junge Pflegerin wartete, dass auch das andere sich hinein bequemte. Aber das schwarze Teufelchen dachte gar nicht daran. Er rollte sich vor dem Eingang herum und bearbeitete die Nase seiner Mutter mit den Pfoten. Chiara langte mit der Pfote nach ihm und wollte ihn in die Mutterbox ziehen. Aber der Kleine riss sich los und kletterte den Baumstamm hinauf. Dann sprang er wieder herunter, nahm ein Büschel Stroh ins Maul und zeigte seiner Mutter, wie er mit einem blonden Vollbart aussieht. Mutter Chiara fauchte leise. Das zeigte Wirkung. Das Kind kam, wenn auch etwas zögerlich, und der Schieber wurde hinter ihm geschlossen.
Paule und Amira haben nun auch einen Weihnachtsbaum. Der sieht allerdings schon mehr nach einem Besen aus, so gut haben ihn die beiden bearbeitet.
Die Fütterung von Baobao war zwar schon vorbei, aber er ist ja nicht der Schnellste. Deshalb konnte ich noch die leckeren Sachen betrachten, die er heute bekommen hatte: Ein großes Stück Melone, Birnen, Möhren, Süßkartoffeln und natürlich ein Stück Bambus.
Vor dem Gehege von BaoBao stand Herr Dr. Blaszkiewitz und erklärte einem älteren Herrn, dass BaoBao sich auf seinen Allerwertesten setzen, eine Birne in die Tatze nehmen und diese verspeisen könne wie ein Mensch. In dem Moment setzte der Bär sich hin, nahm eine Birne in die Tatze und aß sie auf. Ich musste schmunzeln. Das nennt man selbst erfüllende Prophezeiung.

Leider konnte ich nicht länger bleiben. Aber ich kann nur jedem empfehlen, in diesen Tagen dieses verschneite Märchenland zu besuchen.
Liebe Grüsse von Yeo






























Dear Yeo,
Thank you for your first zoo report 2010! As always it was a great pleasure to read your entertaining report from the fairy tale winterland! I wish you a beary good new year!
Hugs from Mervi
Liebe Yeo!
Danke für Deinen schönen Bericht. Als wir am 5.12.2009 im Zoo waren, fand ich die große Eisbärenanlage verweist. Wir werden sehen, wie es weiter geht. ich denke auch oft an Herrn Dörflein. Es is sehr schade, dass er Knut mit der ersten Freundin nicht erleben konnte. Ich freue mich, dass Knut und Gio den Schnee geniessen.
Vielen Dank an Doris und Jessie für die schönen Fotos.
Herzliche Grüsse
Dear Yeo, Doris & Jessie,
Such lovely photos, I can only imagine the story!
Bear Hugs, Tish