Umgehend bekam ich eine lange, blaue Zunge gezeigt ….

Mar 21st, 2010 | By | Category: Yeo's zoo reports

21.3.2010 – Photos by Monika

Heute war ich nach längerer arbeitsbedingter Abwesenheit wieder mal im Zoo. Als ich von daheim losfuhr, war es noch trocken. Das war gut. Als ich im Zoo ankam, regnete es in Strömen. Das war noch besser. Denn es war wunderschön leer. Von weitem sah ich bei Knut nur zwei Schirme. Weil es schon kurz vor halb elf war, ging ich auf direktem Weg zu den großen Eisbären, am Flusspferdhaus vorbei.

Bis auf einige wasserresistente Zoobesucher war es auch bei den großen Eisbären ziemlich leer. So konnte ich in Ruhe die drei Bärinnen beobachteten, die bereits gespannt auf die Fütterung warteten. Und ich konnte in Ruhe meinen Gedanken nachhängen. Die waren ziemlich wehmütig heute. Zum einen vermisse ich Lars. Zum anderen dachte ich daran, dass Herr Dörflein nun schon seit fast 18 Monaten nicht mehr da ist…

Die Fütterung machte heute Herr Röbke. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr gesehen und freute mich, mal wieder seine Eisbärenfütterung mit ansehen zu können.

Man kann im Zoo überall schon sehen, dass es Frühling wird. Auf den Wiesen sprießen die Krokusse. Die Nasenbären wuseln eifrig auf ihrer Anlage herum. Auch die Waldschänke hat schon offen, mit allen drum und dran. Die Gartenmöbel stehen draußen und bekamen heute eine Gratiswäsche von oben.

Ich ging nun endlich zu Knut. Dort war heute nicht viel los. Gianna hatte sich in die Erdkuhle gekuschelt. Knut wanderte hin und her. Ich war ganz allein vorm Gehege. Ich sagte nur „Na, Knut?” Umgehend bekam ich eine lange, blaue Zunge gezeigt. Auch ´ne Begrüßung.

Ich machte mich auf zu einer kleinen Zoo-Runde. Als erstes entdeckte ich den neuen Automaten, mit dem man Knut-Plaketten prägen kann. Er steht gegenüber der Waldschänke. Es werden zwei Motive angeboten. Zum einen natürlich Knut. Zum anderen der Gorilla, das Zoo-Label. Man muss aufpassen, dass der Pfeil genau auf Knut zeigt. Ich passte nicht auf und fabrizierte einen Affen.

Dann ging ich zum Raubtierhaus. Paule scheint sehr wohl zu merken, dass etwas nicht stimmt. Er schnüffelte ständig am Schieber und brummte laut. Es kann gut sein, dass er Jazira nicht besonders mochte. Aber jetzt, wo sie nicht mehr da ist, scheint er ihr Fehlen zu bemerken. Schließlich wandte Paule sich den Besuchern zu und fing an zu brüllen. Je mehr Besucher kamen, desto lauter brüllte er. Ich will nichts hinein interpretieren, aber Paules Gebrüll klang irgendwie klagend.

Ich ging zu Jaguar-Mutter Chiara. Dort war Ruhe angesagt. Sie hatte ihre kleinen, schwarzen Söhne um sich versammelt und leckte sie zärtlich ab. Obwohl beide liebkost wurden, scheint Chiara den einen ein kleines bisschen lieber zu haben.

Dann besuchte ich das Affenhaus. Es war sehr gut besucht, wohl wegen des „hervorragenden” Wetters. Wahrscheinlich war´s den Schimpansen zu viel an Besuch; sie waren lieber auf der Außenanlage. Dafür zeigte Satu, was sie kann. Sie schaukelte wild am Seil und klaute Vater Enche frech den Sack, den der sich über den Kopf gezogen hatte.

Vor den Bonobos drängelten sich die Besucher. Ich sah auch bald, warum. Bonobo-Männchen Santi war in Paarungslaune. Er beglückte eine seiner Damen dicht vor der Scheibe, begleitet von lautem Johlen und Beifallklatschen der (männlichen) Besucher. (Nebenbei bemerkt: Wie dumm ist das denn?)

Dem kleinen Kivu schien das Treiben seines Vaters außerordentlich zu gefallen. Er riss sich von seiner Mutter los, sprang sie von hinten an und versuchte mit seinem kaum streichholzgroßen Dingelchen das gleiche. Die Mutter bedachte ihren Sohn mit einem gleichmütigen Blick, als wolle sie sagen: „Na, wenn´s dir Spaß macht…”

Dann verließ ich das Affenhaus und ging zu den Pekaris. Ich wollte die Kleinen sehen. Sah ich aber leider nicht. Die ganze Schweinebande hatte sich nämlich unter den Unterstand zusammengedrängelt. Lediglich zwei Halbwüchsige rauften miteinander.

Als ich dann endlich wieder bei Knut und Gianna eintraf, war dort schon mehr los. Dieses Mal waren die Rollen vertauscht: Knut tobte im Wasser herum, Gianna beobachtete ihn aufmerksam von oben. Sie war auch ziemlich scheckig, als sei sie bisher noch nicht im Wasser gewesen. Ab und zu näherte sie sich Knut und bekam ein Küsschen nach Eisbärenart. Aber dann war das Spiel im Wasser für Knut wieder interessanter. Er tobte wie ein Wilder herum, dass das Wasser nur so schäumte. Dabei wurden allerlei interessante Dinge zutage gefördert: das zerfledderte Nackthuhn, der Tannenbaum, der inzwischen eher einem Reisigbesen gleicht, und schließlich der große Holzklotz. All das wurde Gianna präsentiert. Vielleicht fand sie das interessant. Noch interessanter fand Gianna allerdings die Höhle. Immer wieder schaute sie nach, ob sie schon offen ist.

Während Knut im Wasser die Welle machte, reinigte Herr Henkel die Malaien-Anlage. Schade, dass Knut ihn nicht bemerkt hatte. Sicher hätte er erfolgreich etwas zu Futtern schnorren können.

Leider musste ich dann gehen. Beim Nashörnchen wollte ich aber noch vorbei schauen. Meine Güte, ist der kleine Kerl in den vergangenen zwei Wochen gewachsen! Er hat schon etwas Fett angesetzt und ist nun so richtig knuffig. Sein Hörnchen ist auch schon erkennbar. Das heißt, man erkennt, wo es mal hin soll.

Wenn man lange nicht im Zoo gewesen ist, weiß man einen Besuch so richtig zu schätzen. Auch wenn er nur so kurz ist wie mein Zoo-Besuch heute.

Liebe Grüße von Yeo

Share |

3 comments
Leave a comment »

  1. Dear Yeo,

    Thank you so much for another lovely, entertaining zoo report. I can’t think of a cuter tongue than that of Knuti’s :-)

    Hugs from Mervi

  2. Liebe Yeo, für einen kurzen Zoobesuch hast Du aber eine Menge mitgekriegt undalles wieder sehr mitreißend beschrieben. Jetzt hätte ich fast Lust, auch selbst für ein Stündchen loszutraben, aber ich fürchte der Regen wird das verhindern… Die einen schönen Restsonntag mit erbaulichen und gleichzeitig entspannenden Stunden und etwas gutem Futter sowie Frischwasser ;-)

  3. Liebe Yeo,

    selbst bei Regenwetter hast Du Deinen Zoobesuch sichtlich genossen.
    Es war mal wieder sehr schön eine Zoorunde mit Dir zu drehen :-)

    Liebe Grüße Alex