Eine Dame weiß schließlich, was sich gehört

May 12th, 2010 | By | Category: Yeo's zoo reports

11.5.2010 – Photos by SylviaMicky

Der heutige Zoo-Besuch begann gleich mit einem Lacher. Als ich den Zoo betrat, stürmte eine Grundschulklasse an mir vorbei, lauter Erst- oder Zweitklässler. Sie rannten zum Nashorngehege und ein kleiner Junge schrie laut: „Guckt mal, da ist ein Nasenbär!”

Im Zoo ist es zur Zeit besonders schön. Die Kastanien stehen in voller Blüte und recken ihre „Kerzen” in die Höhe. Besonders auffällig ist der Kastanienbaum bei den Zwergflusspferden.

Als ich bei Knut und Gianna eintraf, dösten die beiden vor sich hin. Knut trug einen Ganzkörper-Braunbären-Look. Gianna indessen hatte ein filigranes Gesichts-Make-up aufgelegt, mit interessanten Mustern auf der Stirn und Kajal um die Augen. Eine Dame weiß schließlich, was sich gehört.

Weil es inzwischen kurz vor halb elf war, ging ich zu den großen Eisbärinnen. Heute beanspruchte Katjuscha die große Insel für sich. Tosca besetzte die kleinere. Nancy blieb am Ufer stehen. So hatte jede ihren Platz und es gab es bei der Fleischverteilung auch keinen Zoff. Die drei Damen haben ausgezeichnete Ess-Manieren. Sie fischen das Fleisch aus dem Wasser und legen es auf den Rücken ihrer Tatzen, wo es dann manierlich verspeist wird.

Heute waren auch Devi und Sutra draußen. Devi wollte gern an Mutters Milchbar, aber Sutra war nicht willig. Also brauchte Devi Gewalt. Das sah so aus, dass ein Knäuel Lippenbär durchs Gehege rollte, dass nur noch aus Haaren und Krallen bestand.

Heute sah ich auch wieder mal die ganze Nyala-Familie. Das Jungtier ist nun schon fast so groß wie seine Mutter.

Ich ging weiter zum Nashornhaus, um den kleinen Kigoma und seine Mama Maburi zu besuchen. Die beiden waren heute drinnen. Aber der Kleine ist ungeheuer gewachsen – ich traute meinen Augen kaum! Auch das Nasenhörnchen des Nashörnchens ist schon gut zu sehen.

Dann ging ich zurück zu Knut und Gianna. Die beiden waren nun erwacht und wanderten umeinander herum. Mit Spielen und Schmusen war heute nicht viel. Aber Gianna hatte ihr Make-Up vervollkommnet und trug noch zusätzlich schwarze Streifen auf dem Rücken. Sehr schick.

Mich interessierte indessen der kleine Ameisenbär Carlos. Wäre ja toll, wenn mir Herr Messinger mit dem Plasteeimer entgegen käme… Träume sind was Schönes. Leider werden sie selten wahr. Bei den Ameisenbären sah ich nur Ori, der sehnsuchtsvoll an der Tür herumschnüffelte. Also machte ich kehrt und ging zum Raubtierhaus. Dort war um diese Zeit nicht viel los. Paule und Amira waren drinnen. Die anderen Käfige wurden geputzt. Jaguarmutter Chiara lag draußen in einer Holzkiste zusammen mit ihren beiden Söhnen. Die beiden sind nun schön so groß, dass sie ihre Mutter fast völlig bedeckten. Nur noch ihr heller, gefleckter Kopf schaute hervor.

Weil ich schon lange nicht mehr im Affenhaus war, ging ich hin. Ziemlich zielstrebig übrigens, denn es hatte angefangen zu regnen und das nicht zu knapp.

Bei den Bonobos war buchstäblich der Affe los. Kivu war außer Rand und Band. Er tobte wie ein Wilder mit der Mutter des kleinen Affenmädchens durch den Käfig. Wollte er das Baby stehlen oder wollte er nur spielen? Jedenfalls ging´s hektisch übern Ecktisch, immer rauf die Seile und wieder ´runter und dann mit lautem Geschrei auf die Hängematte. Kivu trieb es so bunt, dass die Affendame ihn in den Nacken biss. Es sah aber nicht böse aus, sondern eher so im Sinne von „willst Du wohl aufhören, Blödsinn zu machen?” Kivu war auch dementsprechend unbeeindruckt und tobte weiter herum. Vielleicht wollte er auch nur Herrn Aust beeindrucken, der nebenan den Käfig reinigte.

Ivo sah ich heute nicht. Der hatte sich verkrochen, nachdem ihn ein paar Verrückte wieder ärgern wollten. Das erzählten mir später zwei Damen.

Heute war ich mit einer netten, von ziemlich weit her angereisten Knutfreundin verabredet. Es macht mir immer Spaß, mit jemand durch den Zoo zu gehen, der nicht oft da ist. Zum einen ist es in netter Gesellschaft angenehmer. Zum anderen sieht man altvertraute Dinge aus einem völlig neuen Blickwinkel.

Die Fütterung von Knut machte heute Frau Weckert, sie hatte auch schon die Eisbärenfütterung am Vormittag gemacht. So wie immer in letzter Zeit ließ Knut keinen Krümel für Gianna übrig. Auch ´ne Art, dass Liebe durch den Magen geht…

Nach der Fütterung von Knut wollten wir nochmal unser Ameisenbären-Glück versuchen. Dieses Mal klappte es. Herr Messinger war auf dem Hof und meinte, bei dem Wetter können man den Kleinen ja eine halbe Stunde mit seiner Mama draußen herumlaufen lassen. Wir sollten um 15.00 Uhr wiederkommen. Und ob wir das wollten!

Die verbleibende Zeit verbrachten wir im Raubtierhaus, was sich als gute Idee erwies. Die Löwen hatten nämlich Futter bekommen. Paule und Amira je einen großen Fleischknochen beim Wickel und kauten mit großem Ernst darauf herum, wie es erwachsenen Löwen ansteht.

Aru und Aketi hingegen hatten außerdem noch jeder ein weißes Kaninchen bekommen. Das hatte nicht nur einen hohen Nährwert, sondern erst mal auch einen außerordentlichen Spielwert! Während Aru mit seinem Kaninchen zunächst den Käfig aufwischte, spielte Aketi mit ihrem wie mit einer Puppe. Sie rannte damit durch den Käfig, als sei der Leibhaftige hinter ihr her. Immer das Kaninchen im Maul. Schließlich hatte sie genug davon und begann, ihr Spielzeug zu verspeisen. Das musste ich nicht genauer sehen.

Außerdem war es kurz vor drei, also Zeit für die Ameisenbären. Als wir bei den Ameisenbären ankamen, kam uns Herr Messinger bereits entgegen. Er hatte Griseline herausgelassen. Auf ihrem Rücken saß der kleine Carlos. Der Kleine schien wie mit seiner Mutter verwachsen; man konnte kaum erkennen, wo Griseline aufhört und wo Carlos anfängt. Carlos will übrigens immer seltener von den Pflegern gefüttert werden, erklärte Herr Messinger. Wahrscheinlich findet der Kleine auch bei seiner Mutter etwas zu Futtern. Wir waren beide total entzückt von Griseline und Carlos und sehr angetan von Herrn Messingers Freundlichkeit.

Dann gingen wir zu Knut und Gianna. Während Gianna es sich weiter hinten auf der Anlage gemütlich gemacht hatte, lief Knut vorn immer hin und her. Als er uns sah, steckte er mehrmals die Zunge heraus. Was sollen wir denn davon halten? Zweifellos meinte er uns, denn es war niemand anders mehr am Gehege.

Anschließend drehten wir noch die Bärenrunde. Die schöne Tosca thronte oben auf dem großen Felsen. Katjuscha kletterte ebenfalls hinauf und wollte schmusen. Es gab eine Kuschelrunde und eine kleine freundliche Beißerei. Dann stieg Katjuscha wieder herab.

Bei Devi und Sutra war wieder Frieden eingekehrt. Die kleine Devi friemelte an dem löcherigen Holzklotz, guckte uns an und machte ein süß-freches Gesicht. Sie ist einfach zum Liebhaben.

Zum Abschluss dieses Zoo-Tages besuchten wir nochmals das Nashornhaus. Maburi und Kigoma hatten Futter bekommen. Es sah aus wie frischer Klee. Mutter Maburi hielt sich an das Grünzeug. Der kleine Kigoma hatte einen Apfel beim Wickel und spielte damit Fuß- bzw. Nasenball. Dass die Jugend immer mit dem Essen spielen muss… Schließlich hatte Kigoma den Apfel bezwungen. Das ist ein schwieriges Unterfangen für ein kleines Nashorn, wie wir noch von Kito wissen.

Eigenartig, dass in angenehmer Gesellschaft die Zeit wie im Flug vergeht. So ging auch dieser schöne Zoo-Tag wieder viel zu schnell vorbei.

Liebe Grüsse von Yeo
 
  

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5 comments
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  1. Dear Yeo,

    Once again it’s been a pleasure to walk with you in the zoo and meet all our fourlegged friends there – well, even the two legged friends :-) Thank you for letting us know the latest make-up trend. I will try to look like Gianna and use lots of kajal!!

    Hugs from Mervi

  2. Liebe Yeo,
    vielen Dank für diesen unterhaltsamen und interessanten Zoobericht. Ich würde zu gerne Giovanna sehen mit ihrem Kajal-Look :D
    LG, caren

  3. Liebe Yeo,

    More and more as I view your’s and others’ stories of Knuti and Giovanna, I am referenced back to Shakespeare’s tragedy ‘Romeo and Juliet,’ the only tragedy of which I hope never befalls either one of them is only an Autumn separation.

    Prost,

    Tish

  4. Danke auch wieder für diesen munteren Rundgang, liebe Yeo. BTW, ich wusste gar nicht, dass es grüne GummiStiefel schon für Babys (!) gibt. Irgendwie kann ich mir, ohne Dir zu nahe treten zu wollen, sehr gut vorstellen, dass Deine Tochter die Hände über dem Kopf zusammenschlägt ;-)

  5. Dear Yeo, and again thank you so much for this wonderful report. Even though there are here and there a few words that I do not understand, the general message comes over. And you are really gifted: you can even bring Zoo Berlin to Leuven. And I really hope that next time when I am back there, we can meet again, because last time, I have missed you.