Feierabendtour durch den Zoo Berlin am 26.07.2019 – Teil 2

Aug 6th, 2019 | By | Category: Featured articles

6.8.2019 von Anke B, Photos: Berlin Zoo

Weiter ging es zu den Seehunden, die zu den Hundsrobben gehören. Dort gibt es momentan zwei niedliche kulleräugige Jungtiere, wenige Wochen alt. Die Tiere waren noch munter, eines der Kleinen schwamm ganz nah mit der Mutter zusammen. Eine der Robben zog eine regelrechte Show ab, indem sie auf dem Bauch auf die abgeflachte Insel im Becken glitschte und darüber hinweg wieder ins Wasser und das mehrmals hintereinander. Wir lachten, das schien sie anzuspornen. Andere der Seehundgruppe wurden aufmerksam und fingen ebenfalls an, ihre Runden im Becken zu drehen.

Seehund

Lukas hielt sich den Zeigefinger vor den Mund, als wir weitergingen. Psst! Die Seelöwen, die zu den Ohrenrobben zählen, lagen in der Gruppe schlafend, am Ufer ihrer Anlage. Unser Guide erklärte, dass sie wegen der kleinen Ohrmuschel-Stummel so heißen und dass sie sich in puncto Fortbewegung im Wasser und an Land von den Hundsrobben unterscheiden. Elegante Schwimmer sind beide, auf dem Land sind Seehunde, bedingt durch die Stellung ihrer Flossen, im Vergleich eher plump und schwerfällig.

seehund2

Auch die Humboldt-Pinguine um die Ecke schliefen schon. Mir fielen zwei auf dem Bauch liegende auf, die auf dem Rücken fast kahl waren. Lukas erklärte, dass sie krank waren bzw. sind und man hoffe, ihr Gefieder würde sich unter der entsprechenden medikamentösen Behandlung wieder erneuern. Lukas zeigte uns ein Foto, das eine Gruppe Pinguine auf einer vereisten Klippe zeigt, von denen einer, der offenbar gerade noch ganz vorn am Rand stand, sich im freien Fall befand, geradewegs auf dem Weg in das offene Maul eines Orcas, der genau unter ihm im Meer auf ihn zu warten schien. Die noch oben stehenden Pinguine hatten ihn geschubst, um zu sehen, ob die Luft rein ist und es sicher ist, an dieser Stelle ins Wasser zu gehen … Nicht nett!

pingvin

Interessant war auch, dass Pinguine eine Art „Luft-Turbo“ besitzen – die Fähigkeit Luftblasen in ihrem Gefieder zu sammeln und sie, wenn nötig, auf einen Schlag abzugeben – mit dem sie ihre Geschwindigkeit im Wasser kurzfristig steigern können, z.B. bei der Jagd, auf der Flucht oder leistungssteigernd bei Sprüngen auf eine Klippe. Das Schwarz-Weiß dient sowohl den Pinguinen, als auch den Orcas als Tarnfarbe.

Gegenüber saßen die erwachsenen Kondore, die zu den Neuwelt-Geiern zählen, weit voneinander entfernt auf dem Boden ihrer Groß-Voliere und schienen etwas zu fressen. Ihr Nachwuchs, der weibliche Jungvogel, hat offenbar vor einigen Wochen den Zoo verlassen. Lukas erzählte, dass Kondore in den Anden, obwohl sie Aasfresser sind, schon mal selber für Frischfleisch sorgen, indem sie durch heftige Flügelschläge versuchen, z.B. Bergziegen oder Schafe, zum Absturz zu bringen, wenn die sich an steilen Berghängen aufhalten. Sie haben mit 3,20 m nach den Marabus die zweitgrößte Flügelspannweite unter den Vögeln. Nur die männlichen Vögel besitzen einen Hornkamm auf dem Kopf.

Der Abendhimmel färbte sich langsam von Blau über Apricot zu Orange, die Sonne war auf ihrem Weg zum Horizont ein ganzes Stück weitergekommen. Unter den Bäumen wurde es zunehmend dunkel.

Die Biberburg lag bereits in tiefem Schatten, eines der Tiere schwamm in dem sie umgebenden Teich. Lukas erzählte, dass Biber selbstschärfende Zähne besitzen, die Vorderseite orange und eisenhaltig, die Rückseite aus Dentin und weicher. Wenn sie Äste abnagen, nutzt sich die Rückseite schneller ab und die Vorderseite wird schärfer. Wegen ihres schuppigen Schwanzes haben Mönche im Mittelalter sie kurzerhand zu Fischen erklärt, so dass das Fleischverbot an Freitagen und zur Fastenzeit für diese Tiere nicht galt. Das und ihr begehrtes dichtes Fell brachte sie an den Rand der Ausrottung. Inzwischen stehen sie unter Schutz, vermehren sich und werden von von vielen, u.a. in der Forstwirtschaft, bereits als Plage angesehen…

Der nächste Halt war bei den kanadischen Wölfen, von denen es im Zoo nach der Abgabe von Tieren wegen blutiger Rangkämpfe nur noch drei Tiere gibt, eine Mutter und ihre zwei Söhne. Sie kamen alle nach vorn zur Scheibe und schauten uns aus dunklen Augen aufmerksam an. Es sind wunderschöne Tiere und ich hoffe, dass der Zoo bald wieder ein richtiges Rudel halten kann. Es ist allgemein bekannt, dass sie anfangen zu heulen, wenn irgendwo in der Umgebung eine Sirene zu hören ist. Lukas forderte uns auf, zu heulen, um die Wölfe ebenfalls dazu zu animieren. Aber keiner wollte.

wolf

Gegenüber kletterte ein einsames Nasenbärchen in der Krone eines Baum herum. Es wird vermutlich das letzte seiner Art im Zoo sein, da sie derweil zu den unerwünschten invasiven Arten gezählt werden, die die einheimischen Tiere verdrängen könnten. Die Zoo-Nasenbären waren in der Vergangenheit Ausbrecherkönige und haben des öfteren die Mülltonnen von McDonalds und sogar die Polizeiwache am Hardenbergplatz heimgesucht, die dann im Zoo anrief und darum bat, ein paar randalierende Nasenbären abzuholen…

Wir gingen weiter, am Bärenrevier vorbei, wo Lukas uns etwas über die Haltung von Braunbären in Berlin – Wappentier! – im Allgemeinen und ihre Bedeutung in der Politik im Besonderen erzählte.

Im Berliner Zoo wurden traditionell Braunbären gehalten. Sie vermehrten sich regelmäßig und zuverlässig. Die Kleinen sind knapp zwei Jahre lang knuffig und süß, dann muss man sie woanders unterbringen, was zunehmend zum Problem wurde.

Hier hatte Lukas eine weitere Anekdote zu erzählen. So wurden, initiert vom früheren Zoodirektor Klös, bei passender Gelegenheit gerne herangewachsene Bärenjunge als besondere Auszeichnung oder Staatsgeschenk verschenkt und die Empfänger waren darüber nicht immer unbedingt glücklich, weil die Bären viel Platz brauchen und nicht ganz unkompliziert zu halten sind.

Als US-Justizminister Robert Kennedy 1962 auf Staatsbesuch kam, schenkte er dem Berliner Zoo im Gegenzug den amerikanischen Wappenvogel, einen Weißkopf-Seeadler. Es war allerdings ein älteres, nicht ganz gesundes Tier und so wurde befürchtet, dass er es nicht mal bis zur offiziellen Übergabe schaffen würde.

Politische Zoologie

Das Staatsgeschenk lebte dann allerdings doch länger als erwartet… Später beschaffte man einen gesunden jungen Vogel und tauschte die Vögel aus, wenn der ältere unpässlich war. Es gibt immer noch ein Paar Weißkopfseeadler im Zoo. Sie leben in einer Voliere am Landwehrkanal.

Kennedy

Als Abschluss unseres Spaziergangs hatte unser Guide die neuen Stars des Zoos, die Riesenpandas gewählt. Weibchen Meng Meng saß in ihrem verglasten Wohnzimmer, kehrte der Scheibe und uns den Rücken zu und fraß Bambus. Pandas müssen über den Tag riesige Mengen davon fressen – 20 bis 40 kg -, weil etwa 90% davon unverdaut ausgeschieden und nur 10% verwertet werden. Jiao Quing schlief uns zugewandt in entspannter Seitenlage auf einem Podest. Als er kurz wach wurde und uns bemerkte, drehte er sich auf die andere Seite und zeigte uns ebenfalls seine Rückseite.

panda

Laut Lukas dienen die schwarz umrandeten Augen dazu, Feinde zu täuschen. Sie sollen dadurch größer wirken, ihren Gegnern Angst einjagen und sie von einem Angriff abhalten. Lukas behauptete, dass sich die Bären mit den Tatzen die Augen zuhalten, wenn sie jemanden mögen…

Wir redeten noch über über die flugunfähige, handaufgezogene Schmutzgeierdame Motte, die das ehemalige Gehege von Bao Bao und Maika bewohnt, als wir daran vorbei kamen und über Gorilla Bobby, dem ersten kleinen Gorilla in einem deutschen Zoo, dessen eindrucksvolle Granit – Plastik vor dem Durchgang zu den Pelikanteichen und den Außenanlagen des Tropenhauses steht. Neu war mir z.B., dass Bobby bereits mit acht Jahren an einer Blinddarmentzündung starb, nachdem er sein Leben lang fehlernährt wurde und viel zu dick war. Eine traurige Geschichte!

Als wir uns am Elefantentor von unserem Guide Lukas verabschiedeten, klatschte die ganze Gruppe Applaus und bedankte sich für die schöne und informative Führung. Ich bin gespannt, ob Lukas auch nach dem Abschluss seines Studiums, er steht kurz vor seinem Master, weiter Führungen macht.

Fazit: Auch wenn mir persönlich einige Lieblinge, u.a. die Raubtiere, während der Tour fehlten, so ein Abendspaziergang durch den Zoo ist unbedingt empfehlenswert, sehr informativ, unterhaltsam, einfach schön und, ohne den Krach und das Gedränge tagsüber, ein besonderes Erlebnis. Er kostet 20,00 €, Dauerkartenbesitzer zahlen 13,50 €. Die Dauer beträgt anderthalb Stunden, man darf Fragen stellen und bekommt sogar Antworten…!

…………

175 Jahre Zoo Berlin – links posted by Dumba

Interview | Zoodirektor Andreas Knieriem

Zoo Berlin 7-Minuten-Film

12-Minuten – Film – Zoo Berlin 175 Jahre (leider etwas nervige ModeratorinnenStimme)

Morgenpost 03.08.2019

 

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9 comments
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  1. Dear Anke,

    The seal babies are incredibly cute. I’m sure the visitors spend a lot of time admiring them. It was very interesting to learn more of these wonderful animals.

    I hope the injured penguins will recover soon!

    What a pity the wolves were not inspired to serenade you and the visiting group. 🙂

    What a fantastic tour your had with excellent guidance by Lukas. It was really interesting to read about the ‘zoo politics’, too. I didn’t know about Robert Kennedy’s visit so it was a great surprise!

    I’m sure many visitors will join these guided evening tours after reading your reports! The prize is very reasonable!

    Thank you so much for the entertaining and informative reports!

    Hugs from Mervi

  2. So, diesmal springe ich gleich nach MERVI auf die ‘Kommentatoren-‘;-)

    Ja, die Robben, ob Seehunde, Seebären oder Seelöwen, können einem mit ihren ‘Privat-Shows’ jede Menge Freude bereiten. Auch ganz ohne Show ist es ein spezielles Vergnügen, Ihnen am Abend beim elegnaten und/oder fröhlichen Schwimmen zuzusehen.

    Deine Ausführungen zu den PINGUINEN sind wieder höchst interessant!! Ich werde sie demnächst mit ganz anderen Augen ansehen – und veilleicht auch öfter mal besuchen. // Deine Vermerke zu den ANDENCONDOREN sind nicht weniger interessant und maximal erstaunlich- Sooo hinterlistig können diese schönen Geier also sein (shame on you! 😉 ) // Auch die BIBER-Hintergrundinformationen sind toll!

    Wie gut, dass wir durch Dich auch wieder mal etwas zu den Wölfen erfahren. Ich sagte ja schon immer, dass ich die Wölfe (speziel ‘unsere’ im ZOO BERLIN sehr mag, nicht aber ihre ‘pack-fights’! ie traurig, dass offenbar mal wieder wleche dran glauben mussten . . . Ein besonderes Erlebnis war früher ja immer, wenn das Rudel zusammen mit den Glocken der Gedächtniskirche heulte . . // Oooooch! – auch die Nasnbärchen machen Ärger. Wie schade, dass sie durch die beschriebene Entwicklung im Zoo bald nicht mehr zu sehen sein werden. ICh liebe diese süßen ‘Kerle’ und suche immer den Baum ab, ob irgendwo eines zu sehen ist. Nun ja, wenn nun nur noch eines da ist . . .// So, so, Mr. Robert Kennedy, also auch ein hinterlistiger Zeitgenosse – unbesehen seines eigenen Schicksals . . .Die ‘aguilas’ liebe ich! Der eine unten am LAndwehrkanal, der häufig auf dem Boden sitzt, scheint irgendwie verletzt zu sein!?

    Ah, interessant, da hoffe ich doch, dass sich MengMeng und JiaoQing bei meinem nächsten Kurzbesuch bei ihnen gaanz fest die Augen zuhalten! 🙂

    Euer geliebter Guide LUKAS ist nun bestimmt auch bei vielen stillen und ‘lauten’ Lesern so beliebt, dass er sich bei einm ‘nächsten Mal’ vor dem Andrang kaum wird retten können! // Deinen SchlussSatz finde ich köstlich “….man darf Fragen stellen und bekommt sogar Antworten…!”

    Schön war’s wieder und eigentlich hätte ich auch nur sagen können, dass mein Kommentar zum ersten Teil Deines Berichts auch für den zweiten gilt: ‘kurz KLASSE!’, aber wer bittschön liest nicht durchaus auch gerne mal etwas mehr, wenn sie/er Stunden an etwas gearbeitet hat und Freude machen will . . .Das ist Dir gelungen, liebe ANKE B! – D A N K E !

  3. Liebe Anke,

    auch Teil zwei deiner nächtlichen Zootour ist großartig und sehr unterhaltsam.
    Ich muss gestehen, die vielen Robbenarten kann ich kaum auseinanderhalten,
    aber ich liebe von allen die Kulleraugen und das Näschen, wenn sie es öffnen
    und schließen.
    Dein Erzählstil gefällt mir sehr. Er macht die Tour auch für die Leser zu einem
    tollen Erlebnis!
    Mit Lukas hattet ihr auch einen tollen Guide, denn so viel Hintergrundwissen
    erfährt man bei einem normalen Zoobesuch nicht.

    Interessant, dass niemand bisher den Besuch Robert Kennedys in Erinnerung
    hatte und das nicht nur, weil er mit einem etwas lädierten Weißkopf-Seeadler
    aufgefallen war….

    Die weiteren Links schaue ich mir etwas später an und sage ganz herzlichen Dank
    für deine tollen Berichte!

    Liebe Grüße
    Britta-Gudrun

  4. “. . . auf die Kommentatoren-BÜHNE . . .!” – So viel Zeit muss sein!

    Die sonstigen Tippser und Auslassungen? . . -> . . Bitte wie üblich drüber weg gucken!

  5. Hier kommt noch ein ‘OT’-Zusatz
    zu Deiner Passage mit den HUMBOLDT-PINGUINEN und ihrem fiesen Verhalten.
    Da fil mir nämlich deises Foto von Ende Juli 2019 wieder ein, das ich jetzt nach einer
    Recherche im Netz wiedergefunden habe:

    https://tinyurl.com/Seeloewe-imBuckelwalMaul

    Zusatzinformation: “Buckelwale fressen keine SEELÖWEN! . . . Der Seelöwe hatte Glück!
    (Hoffentlich hatte ihn zuvor nicht auch ‘ein durchtriebener Artgenosse’ irgendwie geschubst! ;-))) )
    Einem US-Naturfotografen ist durch einen glücklichen Zufall das Foto seines Lebens gelungen. ‚Chase Dekker‘ drückte in dem Moment auf den Auslöser, als ein Seelöwe in das Maul eines Buckelwals fiel. ‚Ich bekomme viele verrückte Sachen zu sehen, aber noch nie so etwas‘, sagte er nachdem ihm diese Aufnahme vor der Küste des kalifornischen Küstenortes ‚Monterey‘ gelungen war.“

  6. Liebe Anke,
    danke für den interessanten Bericht. Das kleine Seehundkind ist sehr niedlich.Die Biber sollen an den Abenden aktiv sein. Ich hätte gedacht, Du hast sie getroffen 🙂 Ein Tier hast Du gesehen.
    Hugs
    Ludmila

  7. Liebe Mervi, Annemarie und Dumba

    So vielen interessanten Dinge hier zu lessen und sehen. Ich freue mich schon auf September als ich die in USB downloaden werde.
    Robert Kennedy’s Besuch in West Berlin 1962 war auesserst bedeutend. Er spielte im Weissen Haus des JFKs eine wesentliche Rolle.

  8. Hiermit möchte ich mich ganz herzlich bei allen Lesern und Kommentatoren für die Aufmerksamkeit, fürs Durchhalten beim Lesen und für eigene Gedanken zu meinem relativ langen, zweiteiligen Text bedanken.
    Über das positive Feedback habe ich mich sehr gefreut.

    Ein besonderes Dankeschön geht an Mervi fürs Editieren und das Auswählen der schönen Fotos und an Dumba, die einen Teil der Fotos und hilfreiche Links beigesteuert hat.

    Liebe Grüße
    Anke

  9. Liebe Anke,

    Ja, bei einigen Führungen erfährt man doch noch Einiges, dass man noch nicht weiß.

    Ich habe übrigens heute die beiden Humboldt-Pinguine gesehen, die fast kahl auf dem Rücken sind. Sie lagen wieder auf dem Bauch. Gut, dass ich gerade Deinen Bericht gelesen habe, denn ich wusste nicht warum sie so aussehen.
    Ich habe vor langer Zeit im Tierpark auch mal einen Pinguin gesehen, der einen ganz kahlen Rücken hatte.

    Liebe Grüße
    Monika