Besuch im Zoo Rostock am 11.09. 2019 – Teil 2

Sep 25th, 2019 | By | Category: Featured articles

25.9.2019 von Anke B, Fotos: Ludmila Völkel am 4. August 2019

Wir gingen weiter zu den Großkatzen und sahen auf ihrer Anlage – um die Großkatzengehege kann man zum Teil auf schmalen Wegen herum laufen, so dass wir die Tiere letztlich doch noch entdeckten – zwei elegant ruhende, wunderschöne Geparden.

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Wir beneideten ein im tiefen Gras schlafendes Löwenpaar, suchten und fanden einen hin und her wandernden prächtigen Jaguarkater, sowie einen vom Grün gut versteckten Schneeleoparden und freuten uns über eine muntere Gruppe Erdmännchen. Später kamen wir noch mal bei den Löwen vorbei und bemerkten, dass der stattliche Löwenmann humpelte. Verletzung, Arthrose oder Hüftgelenksdysplasie? Ich sprach später zwei junge Pfleger, die auf dem Weg in den Feierabend waren, darauf an. Sie wollten es weitergeben.

Auf jeden Fall sollte man Reißaus nehmen, wenn einem ein männlicher Löwe am Gitter seine Rückseite zukehrt! Ein männlicher Besucher war leider nicht so vorausschauend. 🙂

Im Berliner Zoo hing nicht ohne Grund lange Zeit ein Schild im Raubtierhaus:“ Vorsicht, Löwe spritzt Urin durchs Gitter!“

Wir gingen in das Krokodilhaus, bewunderten erneut die wunderschönen, hellgrün-gesprenkelten Paperweight – Augen der beiden Kaimane in ihrem Wasserbecken und entdeckten ein Faultier, das seinem Namen in einer unter der Decke aufgehängten Kiste Ehre machte.

An den Volieren der Eulen und Auerhühner, zu dunkel, zu klein, sind wir schnell vorbei gegangen. Nein, so sollte man Vögel nicht halten!

Es gibt im Rostocker Zoo nicht nur ein Mäuse-Haus, sondern auch ein Rattenzimmer. Ich fand die Tiere mit ihren blitzenden Äuglein, dem glänzenden dunklen Fell, den Schnurrhaaren und ihren rosa „Händchen“ sehr hübsch, aber es waren für das, nach menschlichen Maßstäben, einfach eingerichtete und kleine Zimmer eindeutig zu viele.

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Wie auch bei den vorigen Besuchen waren wir begeistert von den hohen Bäumen im Zoo. Ich hoffe, dass sie die Trockenheit gut überstehen. Auf unserem weiteren Weg durch den Wald bemerkten wir einen Lkw mit Teleskop-Kran, an dessen Spitze ein Arbeiter, große Äste von Totholz aus den Bäumen heraussägte. Ein gefährlicher Job!

Bevor wir den Weg in den neuen Zooteil zum Darwineum einschlugen, gingen wir noch bei wunderbar leuchtenden rosa und orangefarbenen Flamingos vorbei und besuchten die Hausesel, zwei dunkle Stuten und den weißen Barockesel Rüdiger. In ihrem Gehege, von den Tieren umringt, stand ein junger Pfleger, der sie gerade gefüttert hatte und konnte sich ihrer Zuneigung kaum erwehren. Rüdiger war besonders aufdringlich und versuchte in den Handschuh des Pflegers, der noch so lecker nach dem Futter roch, zu beißen. Viele Besucher lieben Esel, am Gehege befand sich eine größere Gruppe und stellte Fragen an den jungen Mann. Natürlich streichelte auch ich die Tiere, solange sie es zuließen. Der blauäugige Rüdiger fühlte sich eher wollig rauh an, aber die Stuten hatten ein ganz weiches glänzendes Fell und wunderschöne Ohren.

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Durch die Unterführung, am Wasserlehrpfad vorbei, mit kurzen Stopps bei den Seebären und Seehunden, deren Anlagen mir nicht so gefielen, und entlang der großen Seevogelvoliere, gingen wir am imposanten Mammut vorbei ins Darwineum. Wir hielten uns nicht sehr lang bei den Riesenschildkröten und in der Ausstellung der Weltgeschichte und Evolution auf. Aber wie jedes Mal war ein Besuch bei dem winzigen Ur-Pferdchen für mich Pflicht. Und wieder rief die Nachbildung dieses niedlichen Wesens bestimmte Gefühle von Rührung und Zärtlichkeit in mir wach.

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Unser Hauptziel war die große Tropenhalle im Inneren mit den Gorillas und Orang Utans. Wir tauchten ein in das feuchtwarme Dschungelklima. Die Halle ist für die Menschenaffen in vier Bereiche aufgeteilt.

Es gibt ein altes Gorillapaar, Gorgo und Bebe, und eine größere Familie bestehend aus fünf Tieren, sowie zwei Gruppen von Borneo Orang Utans von je fünf bzw. sechs Tieren. Die Orang Utans haben insgesamt fünf Jungtiere und ich bin ganz schön neidisch.

Die Gorillas hatten gerade etwas zu essen bekommen und wir sahen direkt unter uns den alten Silberrücken Assumbo etwas übellaunig Salat verspeisen. Die Brazza – Meerkatzen, mit denen die Gorillas zusammenleben, linsten von oben, ob sie vielleicht etwas abstauben könnten, aber nix da. Der Rest der Gruppe – drei Weibchen und ein junges Männchen – drückte sich in wenig einsehbaren Bereichen herum.

Flachlandgorilla/Zoo Rostock

Bei der einen Orang Utan Gruppe, auf der rechten Seite, wenn man hereinkommt, gibt es aktuell zwei weibliche Jungtiere, 2 und 3 Jahre alt. Die Kleinen, ein fast glatzköpfiges und eins, das mit seinem kastanienbraunen Haarschopf an Satu erinnerte, kletterten flink und agil an den aufgehängten Tauen und Seilen durch ihren Bereich der Halle, die Mütter hatten es sich derweil auf bequemen Sitzgelegenheiten gemütlich gemacht und dösten vor sich hin. Eine der beiden wirkte wie eine alte Indianerin, sie hatte sich eine bunt gemusterte Decke über den Kopf gezogen und war fast ganz darunter verborgen. Mit ihnen zusammen leben Weißhand-Gibbons, die laut und vernehmbar ihren Gesang zum besten gaben. Außerdem fliegen hübsche weiße Bali Stare durch die Halle.

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Wir schauten noch bei den anderen vorbei, sahen aber nur zwei/drei weitere Tiere, da sie rein und raus konnten, wie sie wollten.

Orang-utan/Zoo Rostock

Wir hätten uns noch stundenlang dort aufhalten können, dennoch zog es uns weiter ins Café, wo wir uns stärkten. Ein paar muntere und niedliche Kleinkinder mischten dort den Laden auf und sorgten mit ihren Aktivitäten – Verstecken spielen und bei den anderen am Eis schlecken – für Unterhaltung bei den Gästen.

Inzwischen waren wir ziemlich kaputt und machten uns bereit für den Rückweg. In der Tropenhalle blieben wir gleich wieder hängen, weil ich die Gelegenheit bekam, mit einem ausgesprochen freundlichen Pfleger zu sprechen und ihm einige Fragen zu stellen.

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Die Gorillas vollziehen gerade einen Generationswechsel in Bezug auf ihren Silberrücken. Der nette Pfleger erzählte uns, dass ihr alter Silberrücken Assumbo, ein sehr entspannter Chef, nichts gegen die Aufnahme des jungen Männchens Kwame aus dem Zoo Heidelberg vor ein paar Jahren hatte, weil er an den Damen seines Harems nicht mehr interessiert ist. Er legte ihm die Worte: “Nimm Du sie“ in den Mund. Dieses Jahr gab es eine Totgeburt, deren Vater nur Kwame gewesen sein kann, obwohl er mit gerade mal 7 Jahren eigentlich noch nicht geschlechtsreif gewesen sein konnte. Die Mutter des toten Jungtiers trug es mehrere Tage mit sich herum, bevor sie es ablegte. Jedes Mitglied der Familie hat sich von dem toten Baby verabschiedet.

Für nächstes Jahr macht man sich große Hoffnungen auf weiteren Nachwuchs.

Die beiden weiblichen Jungtiere der Orang Utans rechts, bzw. auf dem Rückweg links, werden von zwei Handaufzuchten(!) aus „Monkey World“ in England ohne Probleme und sehr liebevoll aufgezogen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich neidisch bin?

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Es war bereits nach 16:00 Uhr und wir machten uns auf den Rückweg in den historischen Teil des Zoos. Unter den Bäumen wurde es langsam dämmrig und auf den Außenanlagen befanden sich kaum noch Tiere. Nur die Bisons, Kängurus und Karibus waren noch draußen.

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Überall herrschte bereits Abendruhe. Wir gingen durch den herrlichen Dahliengarten, der in der Abendsonne immer noch in allen Farben leuchtete, betraten das Südamerikahaus, wo wir Kapuzineräffchen, Nasenbären und Weißbüschel-Seidenäffchen beim Abendessen antrafen, besuchten ein weiteres Mal die schlafenden Eisbären, trafen sogar noch das männliche Baumkänguru und zwei Binturongs in ihren Gehegen an, die sich gerade zurückziehen wollten, besuchten das gemütliche „Mäusehaus“, in dem es vor Mäusen und Mäuschen nur so wimmelte, und verabschiedeten uns von den Pinguinen, von denen nun sich keiner mehr im Wasser befand.

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Die rosa Pelikane schwammen in Formation auf ihrem Teich, den grauen Jungvogel sahen wir allerdings nicht mehr. Er wird sich doch an dem Moos nicht den Magen verdorben haben?

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Durch das Drehkreuz verließen wir schließlich diesen wunderbaren Zoo.

Nach einem gut eingeschenkten Glas Rotwein bei „Trotzenburg“ fuhren wir schließlich mit der Straßenbahn, es war wieder die Linie 3, zum Hauptbahnhof zurück. Unseren Zug nach Berlin um 18:34 Uhr erreichten wir problemlos. Auf der Rückfahrt nach Berlin war es anderthalb Stunden später bereits dunkel, der fast volle Mond schien durch die Fenster, alles war gut, nur für unsere Popos wurde der letzte Teil der Fahrt zu einer wahren Tortur… Kurz vor 22:00 Uhr waren wir wieder zuhause.

Fazit: es hat uns super gefallen, war schön und erlebnisreich und die Tagestour in diesen tollen Zoo hat sich in jedem Fall gelohnt. Auch das Wetter hätte nicht schöner sein können.

Aber wir brauchten fast den ganzen nächsten Tag, den wir soweit möglich mit Faulenzen verbrachten, um uns von dieser Anstrengung einigermaßen zu erholen. Schlafprobleme hatten wir in der Nacht danach jedenfalls keine. 🙂

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9 comments
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  1. Die Großkatzen müssen FÜR EUCH eine richtige Freude gewesen sein. Dieser Teil des Berichts wirkt so richtig zufrieden und entspannt!

    Oh ja DEN Duft – mit kräftigem Strahl von einem Löwenkater geschossen – wird man bestimmt nicht so schnell wieder los!

    Deine detailiierten Beobachtungen und Schilderungen faszinieren immer wieder. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, uns diese Freude zu machen. Diesmal werde ich aber nicht so viel als Kommentar schreiben, was in keiner Weise eine Abwertung sein soll. Es fehlt die Zeit und Du weißt es letzten Endes ja auch fast schon ganz ohne Worte – aber ein paar dürfen zur Bestätigung schon sein, nicht!?

    Viele Ratten sehen ausgeprochen niedlich aus – selbst die manchmal menschliche Behausungen überfallenden! Es tut einem mehr als leid, dass nichts anderes übrig bleibt, als sie im Haus – mit nicht sehr humaner Methode! – auszurotten.

    Die Tropenhalle hört sich bezüglich der Beschreibung der Ausstatttung und Bewohner sehr verlockend an, aber feucht-warmes Dschungelklima ist nun gar nicht meins . . .

    So, jetzt muss ich erst mal weg – vielleicht komme ich später nochmals zurück.

    Vielen Dank jedenfalls nochmals!

  2. Dear Anke and Thomas
    I will have to read this more carefully when I save the September KWM stories at the end of the month. There is a lot of German text to go through.

  3. Dear Anke and Thomas
    I managed to get some time on my phone and read through your excellent report. There is a lot of interesting detail about the various animals in Rostock Zoo.
    I did a day visit in 2016 from Berlin and although I did not visit so many animals but I also found it very tiring and if I visit again I will have to find another route.

  4. Dear Anke,

    Because I have to rest my hand I can’t write so much now. I wanted to thank you anyway for the charming report from Rostock.

    Dear Ludmila,

    Thank you for letting me illustrate Anke’s report with your photos. I love this kind of co-operation!

    Hugs from Mervi

  5. Liebe Anke,
    wir haben meistens die Geparden und die Löwen getroffen. Leider ist es sehr schwer den Schneeleoparden zu sehen, aber ein Mal haben wir den Schneeleo gesehen 🙂
    Das Darwineum finde ich sehr schön. Es ist sehr informativ, aber wir lesen nicht jedes Mal alles durch. Wie gehen dann zu den Affen. Der alte Gorilla-man ist beeindruckend. Die andere Gorilla-Gruppe hat meistens viele Spielsachen. Die Orangs sind, wie Du beschrieben hast, sehr interessant. Bei dem guten Wetter sind sie draußen und man kann sie von der Terrasse beobachten.
    Der Wasserpfad ist eigentlich für die Kinder gemacht, aber ich habe meistens Lust dort mir die Hände nass zu machen 🙂
    Hugs
    Ludmila

  6. Liebe Anke,
    wenn ich Orang.Utans in einem Zoo sehe, bin ich nur schwer bereit weiter zu gehen.
    In Rostock fürchte ich würde ich festkleben wenn auch noch die süßen Jungtiere zu sehen sind.
    Diesen Zoo habe ich schon fest eingeplant und dein Bericht zeigt mir, das ist absolut sehenswert.
    Danke dir, Ludmila und Uwe für so schöne Bilder und deiner unterhaltsamen Reisebeschreibung.
    Liebe Grüße Moni K

  7. Liebe Anke,

    heute schreibe ich etwas verspätet auf deinen wieder so fesselnden 2. Bericht aus Magdeburg,
    der wieder so exzellent beschriebene detaillierte Eindrücke vermittelt. Besonders der übellaunig Salat-Essende Gorillamann hat mir gut gefallen!
    Kein Wunder, dass ein solcher Tagesbesuch mit den vielfältigen Eindrücken an so vielen Gehegen seine körperlichen Spuren hinterlässt, denn auch die lange Bahnfahrt forderte ihren “Sitztribut”. Natürlich hoffe ich auch, dass der Jungpelikan die Moosmahlzeit unbeschadet überstanden hat.

    Die problemlose Übergabe der Chefposition bei den Gorillas ist bestimmt eine Ausnahme und lässt sogar eine gewisse Altersweisheit bei Gorillas vermuten. Deine schöne Beschreibung der Abendstimmung im Zoo mit der einkehrenden Ruhe in der Natur und bei den Tieren, zeichnet auch den Abschluss deines Berichtes besonders aus, den ich mit deinem großartigen Schreibstil wieder sehr genossen habe, vielen Dank!
    Und ja, ich bin auch etwas neidisch, weil mir solche ausgedehnten Streifzüge leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich sind…

    Herzliche Grüße
    Britta-Gudrun

  8. So, liebe Anke, jetzt habe ich noch jedes auf das Betreten der Tropenhalle mit Dschubgel-Klima, das mir die uft nahm, folgen Wort gelesen und mich wie die anderen ganz besonders über die Orang-Utans gefreut.

    Ich werde jetzt aber weder Dich, noch die anderen, die noch vorbeischauen, mit weiteren meiner nicht so wohl gesetzten wie Deine Worte langweilen, sondern dir nur nochmals für das Lesevergnügen und LUDMILA / UWE für das Guckvergnügen sowie MERVI für das ganze Raussuchen der Bilder und Zusammenfügen des ganzen ‘bekömmlichen Wort-Bild-Salats’ etc. danken.

  9. Guten Abend!
    Nachdem auch der zweite Teil des Rostock Berichtes in KWM eingestellt wurde und von einigen wieder sehr freundlich kommentiert wurde, möchte ich mich noch mal bei allen Lesern und besonders bei den Kommentatoren für das Interesse bedanken. Ich habe mich darüber sehr gefreut!

    Mervi, noch mal ein großes Dankeschön fürs Editieren und dass Du dem Bericht durch die Auswahl der schönen Fotos das Sahnehäubchen aufgesetzt hat.

    Ludmila und Uwe, Danke für die Erlaubnis Eure wunderbaren und passenden Fotos zu verwenden.

    Abschließend möchte ich noch die Empfehlung aussprechen, dass jeder, der die Möglichkeit hat, diesen schönen Zoo besuchen sollte, vielleicht im Zusammenhang mit ein paar Tagen an der Ostsee.
    Auch die Umgebung – Fischland, Darß, der Bodden https://de.wikipedia.org/wiki/Fischland-Dar%C3%9F-Zingst – ist herrlich und jeden Besuch wert!
    Nachdem ich das geschrieben habe, könnte ich gleich wieder hinfahren…

    Liebe Grüße
    Anke

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