Abendspaziergang durch den Zoo Berlin am 17.07.2020 – Teil 1

Jul 24th, 2020 | By | Category: Reports from Berlin

24.7.2020 von Anke B

Seit einigen Wochen gibt es die Möglichkeit, an zwei Abenden pro Woche – jeweils Donnerstags und Freitags – , mit einem entsprechenden Zeitfenster den Zoo bis 21 Uhr zu besuchen, die wir an den Freitagen einige Male wahrgenommen haben.

Nach einem entspannten Abendessen im „Schleusenkrug“, einem gemütlichen Biergarten an einer Schleuse des Landwehrkanals im Tiergarten, fünf Minuten vom Zoo entfernt, machten wir uns um 18:20 auf, um unser gebuchtes Zeitfenster am Abend doch noch zu nutzen. Wir hatten uns zum Essen extra unter einen der großen Sonnenschirme (!) gesetzt, weil es den ganzen Tag über wechselhaft war, immer wieder schauerartig geregnet hatte und wir uns nicht von einer Husche überraschen lassen wollten.

Unser geplanter Zoobesuch am Abend stand quasi den ganzen Tag auf der Kippe. Aber wie das so ist, fast immer wenn man einen Schirm dabei hat – oder unter einem sitzt – , regnet es nicht… Es wurde sogar noch richtig schön! Es roch wunderbar nach dem Regen, auf den Blättern glitzerten die Regentropfen in der Sonne und wir hüpften auf unserem Weg gutgelaunt über einige Pfützen.

Der Einlass in den Zoo ging ohne Wartezeit problemlos vonstatten und wir besuchten wie immer zuerst die Murmeltiere. In der ersten Anlage lag eins platt auf den Felsen und genoss die letzten Sonnenstrahlen, in der zweiten wurde noch gefuttert. Wir hatten vorher um ein Eis gewettet, ob noch eins zu sehen sein würde und gewannen – beide… 😉

Die Steinböcke waren im Gegensatz zum letzten Mal bereits im Stall. Wir konnten keines der Tiere entdecken.

Die Elefantenkühe Pang Pha, Anchali und Carla standen weit auseinander über die Anlage verteilt und suchten offenbar nach den letzten Pellets. Wir gingen, am Hühnerhaus vorbei, ein Mal um die Anlage herum. Wie jedes Mal mussten einige Hähne zeigen, wer der Herr im Hause ist und krähten, was allerdings bei dem ein oder anderen ein wenig jämmerlich klang. Etwas kümmerlich sahen manche Hühner aus, die in den Regen gekommen waren, was mir besonders bei den „modernen englischen Zwergkämpfern“  auffiel, die auf ihren langen Beinchen fast skurril aussahen.

Die beiden schönen Giraffenbullen Max und Mugambi waren entspannt auf ihrer Anlage unterwegs und schienen noch nicht in den Stall zu wollen. Sie strahlten Gelassenheit und Ruhe aus.

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Anchali und Carla waren derweil auf die andere Seite der Anlage gewandert und knabberten gemeinsam an kahlen Ästen herum, die von den früher am Tage gelieferten frischen Ahornzweigen übrig geblieben waren. Ab und zu rüsselten die beiden miteinander und zeigten so ihre freundschaftliche Verbundenheit. Drumbo und Viktor nebenan befanden sich bereits im Haus.

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Die Flamingos gegenüber waren noch nicht müde und zankten und trompeteten laut in den Abend hinein. Sie sahen bei dem schwindenden Licht irgendwie besonders schön aus, ihr Rosa leuchtete regelrecht vor dem dunklen Hintergrund.

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Auch die Erdmännchen waren noch munter und hatten einige entzückte Besucher vor ihre Anlage gelockt. Die erwachsenen Tiere und ihre zehnköpfige Kinderschar buddelten im feuchten Sand, spielten und kämpften, dass es eine Freude war. Besonders niedlich waren die ganz Kleinen, die die Wächter schon perfekt nachahmten und aufrecht, mit an den Körper gepressten Ärmchen, neben ihnen auf den höchsten Erhebungen der Anlage standen und, wie sie, aufmerksam nach oben schauten. Nachdem immer mehr Leute stehen blieben und der erforderliche Abstand beim besten Willen nicht mehr eingehalten werde konnte, rissen wir uns los und gingen weiter.

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An der großen Gruppe der Paviane, die einige Jungtiere haben und mit ihrem Familienleben beschäftigt waren, gingen wir recht schnell vorbei. Es sind, vorsichtig ausgedrückt, nicht meine Lieblingstiere, obwohl ich die Kleinen schon putzig finde. Nach einem schlimmen Erlebnis vor Jahren, als einer der Pavianmänner in meinem Beisein brutal ein Jungtier tötete, während die schreiende Mutter vergeblich versuchte, ihr Kind zu retten, mag ich sie nicht mehr. Außerdem stinken sie…

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Die Gorilladamen Mpenzi, Bibi, Djambala und Silberrücken Sango hatten sich schon zurückgezogen.

Wir waren überrascht, dass Fatou, die wir in der letzten Zeit nur von weitem schlafend vor dem Schieber gesehen hatten, noch auf der Wiese in der Nähe des Grabens saß. Sie drehte uns den Rücken zu und wir gingen so weit um das Gehege herum, bis wir sie durch die Büsche von vorn sehen konnten. Wir hatten schon bemerkt, dass sie irgendetwas fraß, waren aber überrascht, zu sehen, dass es Kleeblüten waren, die sie abzupfte und sich in den Mund steckte. Sie schienen zu schmecken, denn sie konnte gar nicht genug davon kriegen. Sie sah gut aus und schien bester Laune zu sein. Ihr Fell glänzte in der Abendsonne.

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Orang Utan Mano nebenan war dagegen schon im Ruhemodus und lag auf seinem Plateau. Er hob allerdings den Kopf und fixierte mich, als ich ihm zuwinkte. Bini hing oben am Drahtnetz des Geheges und schaute auf die Besucher hinab. Sie hatte, wie so oft, Holzwolle im Mund. Seit Bulan nach nebenan zu Mücke und Djasingha gezogen ist, wirkt sie oft traurig und/oder gelangweilt. Sie und ihr Mann haben, so scheint es, nicht mehr allzu viel miteinander zu tun und es beschäftigt mich, dass Bini mit Mano allein nicht besonders glücklich erscheint. Sie ist jetzt ca. 40 Jahre alt und wird wahrscheinlich kein Jungtier mehr bekommen, d.h. sie wird mit Mano vorlieb nehmen und mit ihm vielleicht den Rest ihres Lebens verbringen müssen.

Bei den Orang Utans daneben war mehr Leben in der Bude: Mücke war vorne am Zaun und flirtete auf ihre anrührende Art mit den Besuchern, Bulan hatte sich einen Jutesack geschnappt, über den Kopf gestülpt, spielte wie in seiner frühen Jugend „Schlossgespenst“ und schwang sich durch die Klettermöglichkeiten und Seile. Djasingha, Bulans Favoritin in seiner neuen Gruppe, hatte sich bereits in einer Hängematte schlafen gelegt.

Ein lautes Geräusch, eine Art Tuten, offenbar von einem Vogel, das ich nicht zuordnen konnte, machte mich neugierig. Ein Stammbesucher kannte sich aus und wusste, dass es von einem Kronenkranich stammt.

Kronenkranich

kronenkranich

Ein schöner und großer Kranich, der sich streckte, tutete und sein Krönchen eindrucksvoll in Szene setzte.

Den dazugehörigen Vogel fand ich in der großen Voliere, in der auch die Abdim Störche leben.

Abdimstorch

abdimstorch

Da die Außenkäfige des Tropenhauses leer waren, setzten wir unsere Masken auf und gingen hinein.

Drinnen konnten wir eins der Faultiere sehen, das sich direkt vor die Scheibe an einen dicken Ast gehängt hatte. Von Besuchern wurde gerätselt, wie denn noch mal der Name des Faultiers im Animationsfilm „Ice Age“ gewesen sei. „ Sid“ konnte ich weiterhelfen. In dem Gehege lebt jetzt auch ein Springtamarin, ein putziger kleiner Krallenaffe. Ich fragte mich, was aus dem Pärchen Kaiser-Schnurrbart Tamarine geworden ist, die im letzten Jahr ihr süßes Jungtier verloren hatten. Meistens, wenn ich dann mal einen Pfleger treffe, habe ich meine Frage entweder schon wieder vergessen oder er darf mir keine Auskunft geben…

Springtamarin

Springtamarin-01

Wir gingen an den Innengehegen der Tropenhausbewohner: den Hutaffen, Eulenkopf-Meerkatzen, den Kapuzineräffchen, die eine süße Kuschelgruppe auf einem der Plateaus gebildet hatten, an den Mandrills, den Haubenlanguren, Klammeraffen, Totenkopfäffchen und Siamangs vorbei. So richtig munter waren nur noch wenige Tiere, einige Mandrills und Totenkopfäffchen waren aber noch nicht müde, fraßen noch ein Betthupferl oder machten ihre Abendgymnastik.

Wir verließen das Haus. Ich machte eine kleine Stippvisite im Keller, wusch mir die Hände und wir setzten unseren Weg fort.

Fotos vom zoo: Gudrun




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7 comments
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  1. Dear Anke,

    I enjoyed each and every word in this first part of your evening reports from the zoo. You’ve managed to present the special atmosphere very well!

    Just like the early mornings the time after the ordinary opening hours is magical. No big crowds and the animals show in a ‘new light’.

    Thank you so much for the lovely walk! I’m looking forward to the second part!

    Hugs from Mervi

  2. Liebe Anke,

    ein abendlicher Besuch im Zoo bietet oftmals andere Beobachtungsmöglichkeiten als tagsüber, denn auch bei den Tieren gibt es Frühschläfer und Nachteulen. Dass ein mitgeführter Schirm meistens den Regen gänzlich verhindert, ist hinlänglich bekannt und hat auch bei eurem Besuch geholfen.

    Deinen ausführlichen Bericht lese ich mit größtem Vergnügen, weil er als Erlebnisbericht jedes Detail wieder so genau beschreibt. Ich mag auch nur ganz wenige Affenarten, weil sie oft so zänkisch sind und viele Arten “hintenrum” sehr unansehlich sind. Dein Erlebnis mit der Kindestötung ist wirklich traumatisch gewesen.
    Fatous Blumenverzehr ist ja witzig. Vielleicht folgt sie dem Vorbild der Nouvelle Cuisine, wo auch oftmals Blüten die Speise zieren?

    Die Änderungen in den Gruppen sind nicht immer nachvollziehbar und es ist schade, wenn dann ein aneinander nicht mehr interessiertes Paar zusammenbleibt. Dass allerdings Pfleger manchmal keine Auskünfte erteilen dürfen, finde ich sehr sonderbar.
    Es ist schön, wenn vor den Gehegen auch die Besucher miteinander kommunizieren und ihr Wissen austauschen, so wie beim Kronenkranich und der Namenssuche beim Faultier. Solche Feinheiten im Bericht machen deine Zooerzählungen besonders interresant und lesenswert.

    Vielen Dank und ganz liebe Grüße!
    Britta-Gudrun

  3. Liebe Anke

    Ich bin immer wieder fasziniert, wieviel Tierarten im Zoo Berlin leben, so wie der hübsche Springtamarin.

    Dass die Paviane nicht Deine LIeblingstiere sind, kann ich verstehen.
    Giraffe mag ich dagehen sehr.
    Sie strahlen so viel Ruhe und Gelassenheit aus und sehen dabei immer sehr gut und sehr nobel aus.

    Bei den Flamingos ist auch in München immer Geschnatter. Selbst bei einer Abendführung gibt es dort immer noch Getuschel, außer es ist schon stockfinster.

    Die Abendöffnung im Zoo zweimal in der Woche ist eine feine Sache. Ich würde dieses Zetifenster auch öfters mal wahrnehmen. Um diese Zeit sind nicht die Tiere normalerweise entpannter, auch sind wesentlich weniger Besucher im Zoo. Ich frage mal sarkastisch, ob das wohl zusammenhängt ?

    Danke für Deinen sehr bildhaften und schönen Bericht.
    Danke auch an die Gudrun für die Bilde.

    Schönes Wochenende und lieben Grüße
    Anita

  4. Dear Anke and Mervi
    I really enjoy reports like yours which introduce me to animals I do not normally spend time with. My focus on Polar Bears, especially Kati, is of course due to the limited time I have in Berlin and the high costs of each visit.
    Fortunately you put this right for me in KWM.

  5. Liebe Anke,
    so ein abendlicher Rundgang zeigt eine ganz andere Atmosphäre und auch die Tiere verhalten sich meist
    anders.
    Vielen Dank für deinen schönen Bericht und den Bildern von Gudrun.
    Liebe Grüße Moni K

  6. Deine talentiert individuell-vielfältige Wortwahl (übrigens auffällig auch oft im Englischen – Du benutzt häufig bewusst andere Vokabeln als andere . . ) hat wieder höchste Freude beim Lesen gemacht. Dass man dabei auch noch viel Information abbekommt, ist ein schöner Nebeneffekt oder vielleicht besser ‘the other way round’ 🙂

    Vielen Dank, liebe Anke B., für die wieder effektvoll eingesetzte und dankbar als Geschenk angenommene aufgewendete Zeit.

    Auch die Zusammenarbeit mit Mervi (Editor in Chief + Bildauswählerin) und Gudrun (die Bild-Stifterin) hat wieder bestens geklappt. DANK also nochmals Euch allen Dreien für diese KWM-Ko-Produktion.

    Der Springtamarin ist ein herrlich lustig aussehender, sicher ganz fröhlicher Bursche.
    Wenn man So aussieht, kann man – so glaube ich – nicht schlecht gelaunt sein! 😉

    Es tut leider immer weh, wenn man meint, Unglück bei den Tieren feststellen zu müssen. Ich kann entsprechend nur hoffen, dass Deine Befürchtungen bezüglich des zukünftigen Orang-Utan-Lebens nicht so eintreffen und/oder dass BINI MANO gegenüber doch besser eingestellt ist, als man es als Laie so feststellen kann . . .

    FATOU hat einen guten Geschmack! Ich erinnere mich dunkel, dass auch wir als Kinder die süßen Einzelblüten der Klee-Nester auslutschten 🙂 Schön, dass Ihr bei ihr – wie man es bei vielen anderen Tieren auch immer mal wieder kann – etwas Besonderes entdecken konntet.

    – – – – –

    Die von den Pavianen miterlebte erzählte Episode ist ja grauenhaft. Sie können aber auch anders (obwohl die Herren zugegebener Weise sich auch in anderer Hinsicht manchmal – vorsichtig ausgedrückt – ‘grenzwertig’ geben 😉 ). . . . Ich habe eben auch schon Pavianmännchen ausgesprochen liebevoll mit Kleinen und auch innerhalb einer ganz gesitteten Dreierfamilie, ‘Mutter-Vater-Kind’, erlebt . . .

    – – – – –

    Besonders schön finde ich beim diesmaligen Bericht, dass auch die gut gelaunte Ehepaar-Interaktion so schön durchscheint. Danke für die netten kleinen Einblicke, wie das Hüpfen über die Pfützen und das Wetten!

    Auch vielen Dank für den Hinweis auf die ‘Zoo-Abendbesuch-Zeitfenster-Buchungs-Möglichkeiten’ (ist das nicht ein schönes Beispiel für ein deutsches zusammengesetztes Mammut-Wort!? – eigentlich alles zusammenzuschreiben und mit nur einem Großbuchstaben am Anfang und 45 Buchstaben insgesamt, wenn ich richtig gezählt habe! 😉

  7. Liebe Mervi, Britta-Gudrun, Anita, Moni, Dumba und lieber Ralph!

    Über Eure zum Teil sehr ausführlichen und wohlwollenden Kommentare habe ich mich sehr gefreut! Dankeschön!
    An Mervi und Gudrun geht mein besonderer Dank fürs Editieren und die feinen Fotos, die meinen Bericht so schön ergänzen.
    Mervi, Thank you for your kind comment too. I´m really happy about it!

    Noch einige Anmerkungen zu ein paar Aspekten:

    Gestern haben wir das alte Orang-Utan Paar Bini und Mano gesehen, wie sie dicht nebeneinander schliefen, worüber ich sehr froh war und was mir wieder Hoffnung für ihre Beziehung machte.
    “Alte Liebe rostet nicht!”

    Wir haben unsere Abendspaziergänge durch den Zoo sehr genossen, auch wenn einige Tiere schon ruhten bzw. schliefen oder gar nicht mehr zu sehen waren, und würden uns die Möglichkeit, diese ruhige und entspannte Atmosphäre an ein/zwei Abenden pro Woche zu erleben, den ganzen Sommer über wünschen.

    Britta-Gudrun, Dumba – Auch ich habe die Blüten des weißen oder roten Klees gegessen – und sie haben mir geschmeckt -, als ich noch ein Kind war. Sauerampfer habe ich ebenfalls gerne direkt auf der Wiese gegessen…

    Inzwischen habe ich bzgl. des Kaiser-Schnurrbart Tamarin Paares Auskunft erhalten. Sie leben momentan hinter den Kulissen und werden noch etwas aufgepäppelt, bevor sie wieder zu sehen sind.

    Viele liebe Grüße
    Hugs
    Anke