Abendspaziergang durch den Zoo Berlin am 17.07.2020 – Teil 2

Jul 28th, 2020 | By | Category: Featured articles

28.7.2020 von Anke B

Während unseres Rundgangs hörten wir fast nur die Vogellaute der Reiher und Krähen und das schrille Zirpen der Mauersegler, die immer noch unermüdlich nach Futter für ihre Brut jagten.

Seit ca. zwei Wochen ist der Gesang von Amseln und anderen Singvögeln fast völlig verstummt. Als ich das u.a. auf unseren abendlichen Runden bemerkte, fing ich an, mir Sorgen zu machen und habe beim NABU nachgefragt. Der Grund dafür ist laut NABU, dass ihre Brutzeit beendet ist; sie müssen sich nun erst mal mausern und verstecken sich, da sie in der Zeit der Mauser nur eingeschränkt flugfähig sind. Also alles ganz normal und kein Grund zur Sorge.

Mauersegler

Mauersegler

Wir passierten die Baustelle des Raubtierhauses, wo ich mich seit einiger Zeit frage, ob es dieses Jahr noch fertig wird. Zur Zeit wird es von außen mit Styropor zwecks Wärmedämmung verkleidet. Von mehreren Altbauten in unserer Nachbarschaft weiß ich, dass mit dem Styropor außen in den Innenräumen der Schimmel kam und ich hoffe, sie wissen, was sie tun…

Zu unserer Freude sahen wir dieses Mal auf der Tigeranlage Darius, der seine Runden lief und viel fotografiert wurde. Tagsüber kann man Darius fast immer nur schlafend in der Höhle nahe des Hauptweges erahnen. Seine Liebste Aurora lag in der äußersten linken Ecke in einer Aushöhlung der Felswand. Leider lief Darius immer dieselbe kleine Runde, ohne die kleinste Abweichung.

Im Eiscafé des Restaurants holten wir uns je einen doppelten Espresso, setzten uns an den Rand der Bongo-Antilopen Anlage und lauschten einem Musiker mit Hütchen und Gitarre, der auf der Terrasse seine Lieder zum Besten gab. Diese musikalischen Darbietungen fanden bis jetzt an jedem Freitagabend mit wechselnden Künstlern statt. Sie wurden von den Besuchern geschätzt und mit Beifall bedacht. Unter anderem hörten wir bei diesen Gelegenheiten recht gute Cover Versionen von Elton John und Cat Stevens und waren davon ziemlich angetan.

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (46)

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (35)

Auch die Bongos , wir sahen drei weibliche Tiere, lauschten und kamen ganz nah an den Rand des Geheges. Direkt hinter dem Zaun befindet sich ein kleiner Tümpel und zwei der Tiere tranken erst daraus und fingen dann an, die darin befindlichen Algen zu fressen. „Wenn´s schee macht…“ Die Algen zogen lange Fäden von den Mäulern der Tiere bis ins Wasser, was irgendwie befremdlich und wie langgezogenes, grünes Kaugummi aussah.

Bongos

bongo-antelope

Wir holten uns beide ein Eis in der Waffel und gingen weiter zu den Spitzmaulnashörnern Maburi und Töchterchen Maisha, die noch nicht im Stall waren. Maburi vertrat sich die Beine und Maisha nahm einen dünnen, aber langen Ast auf ihr deutlich gewachsenes Hörnchen und trug ihn stolz einige Meter weit, bis er ihr wegrutschte. Leider standen wieder Besucher in zu geringen Abständen vor der Anlage und wir blieben nicht lang.

Ein Stückchen weiter bei den drei Alpakas stand Dörte, die ältere, recht dunkle Tochter Ophelias, ganz vorne am Graben und knabberte an einigen Zweiglein. Die weiße Ophelia und ihr jüngstes, zwei Wochen altes Kind, dunkelbraun mit weißen Söckchen, lagerten auf dem Stroh im Unterstand. Das Kleine wirkte winzig gegen Schwester und Mutter.

Wir ließen die beiden Zebra Gruppen und die Oryx – Antilopen, die wie eingefroren auf ihren Anlagen standen oder ruhten, hinter uns, passierten das leider leere Mutter-Kind Becken der kalifornischen Seelöwen, kamen an dem ebenfalls unbesetzten Becken von Seebärin Lizzy vorbei und erreichten schließlich die Seehunde, wo sich zwei erwachsene Tiere und ein Kleines auf der Insel neben dem Holzsteg räkelten. Der Platz für alle drei war reichlich knapp bemessen, so dass sie quasi gezwungen waren, sich synchron zu drehen und zu wenden, was ziemlich lustig aussah.

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (38)

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (39)

Es ist immer wieder erstaunlich, welch raue und fast unflätige Laute so ein kleiner niedlicher Knubbel zustande bringt… Zwei weitere erwachsene Tiere und das zweite Jungtier drehten schwimmend noch ein paar Abendrunden durch das Wasser. Das wollten auch andere Besucher sehen und natürlich standen genau hier wieder einige, ohne Abstand zu halten… Auf die Dauer werde ich es müde, für andere mitzudenken und mich zu sorgen.

Bei den Brillenpinguinen war nichts los, nur noch zwei standen etwas unschlüssig in der Gegend herum, alle anderen konnten wir in den Höhlen erahnen. Ein Fischreiher hatte vermutlich die Hoffnung auf einen Extra-Fisch noch nicht aufgegeben und stand so still da, dass man ihn fast nicht bemerkte.

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (40)

Die Zoobiber habe ich draußen immer nur am Abend gesehen. Auch diesmal schwamm einer der großen Nager seine Runden im Teich. Die Hornissen, die letztes Jahr ein großes Nest in einen hohlen Baum neben dem Teich gebaut hatten, sind dieses Jahr nicht wiedergekommen.

Unser nächster Halt war bei den kanadischen Polarwölfen. Alle drei schliefen bereits eng zusammen gekuschelt direkt hinter der Scheibe.

Unsere andere weiße Schönheit Katjuscha war nicht mehr auf der Anlage und auch nicht in ihrer Höhle zu sehen. Wie ich später erfuhr, hatte sie aber einen aktiven Tag mit mehreren Spaziergängen und einem ausgiebigen Bad hinter sich. Schön zu wissen, dass es ihr weiterhin gut geht!

Wir zogen unsere Masken über und gingen durch die Fasanerie. Wir sahen u.a. einen Rotschopf-Turako, die beiden Kap Triele, bis jetzt noch ohne Küken, einen Edwards Fasan, den Palawan Pfaufasan und zwei Kantschils, die völlig offen, ohne sich in den Pflanzen zu verstecken, durch ihre Voliere liefen.

Aber besonders präsent, allein durch die Lautstärke ihres Gezwitschers, war der Schwarm der hübschen Flammenweber – wunderbare, kugelförmige Nester in die Zweige der Innenausstattung gewebt und gehängt hatten. Wir sahen entzückt, dass schon einige mit Nachwuchs belegt waren, der eifrig von den Eltern gefüttert wurde. Das war möglich, weil sich die Öffnungen der Nester seitlich unten befinden, so dass man bei einigen gut hinein, gewissermaßen in die Schnäbel der Küken, gucken konnte.

Flammenweber

flammenweber

Wieder draußen besuchten wir die Seriemas  die zur Zeit zwei hübsche Jungvögel aufziehen, die allerdings schon beinahe so groß wie ihre Eltern sind.

Seriema

seriema

Die Wellensittiche gegenüber machten weiterhin ganz schön Krach und schienen noch nicht schlafen zu wollen. Einige flogen wild hin und her, andere schnäbelten oder schimpften miteinander und sie waren weithin zu hören. Auch Stubenvögel kommen meist erst zum Ende, wenn man sie mit einem Tuch abdeckt.

Es war inzwischen 20:30 Uhr und in den anderen Volieren war es dagegen bereits ruhig. Der große Argusfasan hatte sich zum Schlafen auf die Astgabel eines Baumes gesetzt. Der verwitwete Flötenvogel auf seinem Ast gab trotz meiner Bemühungen keinen Ton mehr von sich und sein Mitbewohner, der Tuberkelhocko schien auf dem Weg in sein Schlafgemach zu sein.

Argusfasan

argusfasan

Auch die meisten James- und Anden-Flamingos befanden sich bereits in Schlafposition, sie hatten ein Bein eingezogen und den Kopf zwischen die Flügel gesteckt.

Im Streichelzoo befanden sich alle Tiere in ihren Gehegen. Es waren nicht mehr viele Besucher dort und nur noch wenige Ziegen kamen an den Zaun, um sich Streicheleinheiten abzuholen. Eine kleine Schwarzweiße mit dunklen Hörnern gewährte mir ihre Gunst und ich streichelte ihren Kopf und das weiche Fell am Hals, was ihr zu gefallen schien.

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (43)

Nach einem kurzen Besuch bei den Banks Rabenkakadus, die immer noch mit einigen Besuchern schäkerten und den aneinandergeschmiegten HyazinthAras im Vogelhaus gingen wir an den Anlagen der Lippenbären vorbei, durch das Schweinerevier. Wir sahen die in der Gruppe dicht an dicht schlafenden Pekaris – drei der Jungtiere waren durch ihr helles Fell deutlich inmitten der Erwachsenen auszumachen -, das lang ausgestreckt schlafende Bartschwein Neo, das Pustelschwein Pärchen in seinem Unterstand und es wurde Zeit, den Tieren ihre Ruhe zu gönnen und den Besuch zu beenden.

Pekaris

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (44)

Wir schauten noch nach dem neuen kleinen Bullen bei den Sichuan Takinen, ein hübscher Kerl mit schönen Augen und noch kurzen Hörnern, gingen bei der vierköpfigen Familie der Himalaya Thars vorbei und sagten Tapir Chico und den Panzernashörnern Betty und Karl Gute Nacht.

Im Zoo waren nur noch wenige Besucher unterwegs. Als wir ihn durch das Löwentor verließen schien die untergehende Sonne orangerot genau durch die S-Bahn Unterführung, was ziemlich spektakulär wie eine umrahmte glühende Feuersbrunst aussah.

Es war wieder ein sehr schöner Abendspaziergang durch den Zoo und wir fuhren zufrieden nach Hause.

Zoo 26.06.2020 Wasserzeichen (3)

Fotos vom zoo: Gudrun




Tags:
Share |

11 comments
Leave a comment »

  1. Liebe Anke,

    ja, die Reviergesänge auch vieler anderer Vögel sind leider beendet, nachdem die Brut erfolgreich beendet ist. Auch die schrillen Schreie der Mauersegler sind hier schon zu Ende, denn der größte Teil ist schon auf dem Weg nach Afrika. In Berlin beginnt wegen der nördlichen Lage die Brutzeit wohl etwas später, deshalb hört und sehr ihr sie dort noch um diese Zeit.

    Dein Bericht klingt so ruhig und beschaulich, wie es die abendliche Stimmung im Zoo hergibt, nachdem sich die Reihen in den Zoobesuchern etwas gelichtet haben und sich auch die Tiere auf die Nachtruhe einstellen. Die einen etwas früher, die anderen etwas später.

    Auch wenn nicht alle deine beschriebenen Tiere zu sehen sind, kann man sich die Szenen anhand deiner feinsinnigen Beschreibungen gut vorstellen und genießen. Schade, dass es von dem spektakulären Feuerschein der untergehenden Sonne im Löwentor kein Foto gibt. Der Fotolink funktioniert leider nicht. Den Serima habe ich noch nie gesehen. Er ähnelt im Aussehen ein bisschen dem Sekretär.

    Hab vielen Dank für deinen Rundgang, auf dem wir dich begleiten durften!
    Herzliche Grüße
    Britta-Gudrun

  2. Dear Anke,

    What a nice ‘Birdie Special’ you brought us! I was glad to hear that the lacking bird song is not a permanent status. What would our world be without the nice sounds of singing birds?

    Of course, it’s nice to meet even other animals during an evening walk in the zoo.

    Thank you so much for the lovely report with the special ‘dusk hour feeling’!

    Hugs from Mervi

  3. Guten Morgen bzw. Mittag in die Runde!

    Wie immer, wenn ich mir die Endfassung in KWM noch mal durchlese, entdecke ich Fehler…
    “Aber besonders präsent, allein durch die Lautstärke ihres Gezwitschers, war der Schwarm der hübschen Flammenweber – die wunderbare, kugelförmige Nester in die Zweige der Innenausstattung gewebt und gehängt hatten.” Hier fehlte ein “die”.
    Und die beschriebenen Flammenweber sind in Wirklichkeit Textorweber! Es steht sogar auf dem Infoschild… https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfweber . Sorry!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Weberv%C3%B6gel
    Flammenweber wurden früher in der Fasanerie gehalten.

    Inzwischen kann man schon beobachten, dass der Nachwuchs der Textorweber in den Außenvolieren gefüttert wird. So einige der kunstvoll gewebten Nester lagen am Sonntag auf dem Boden.

    Der Flötenvogel ist derweil umgezogen. Er lebt seit dem Wochenende in der ehemaligen Voliere von Kea Fred im Vogelhaus.
    Fred befindet sich jetzt zusammen mit drei anderen Keas, unter anderem seiner Ex Vilma, in der früheren Voliere der Weißkopf-Seeadler, die nach Olching in Bayern gezogen sind.

    Liebe Grüße
    Anke

    Liebe Britta-Gudrun und liebe Mervi!
    Danke für Eure lieben Zeilen!

  4. Dear Anke
    The second part of this atmspheric report takes careful reading. You put in so much detail that it needs to be read several times. The beauty of an evening at the zoo and the special qualities of each animal shine through.

  5. Liebe Anke,
    ein abendlicher Spaziergang durch den Zoo ist sehr schön. Leider hören die meisten Vögel im Sommer zu singen, die Krähen machen den Lärm weiter 🙂
    Hugs
    Ludmila

  6. Das ist wieder ein absolut lesenswerter Bericht vom zweiten Teil Eures Zoo-Abendspaziergangs und von Dir eine ausgesprochene Fleißarbeit – wie auch Mervis talentiertes Heruassuchen passender Bilder zu Deinen Worten.

    Besonders schön ist es immer, wie Du das Verhalten der einzelnen Tiere verbal so nachvollziehbar herausarbeitest.

    Vielen Dank für diese wieder vergnügliche Lektüre aus dem/zum ZOO BERLIN!

  7. So ein wunderschoener Abendspaziergang, danke fuers Mitnehmen!

    Alles Liebe, Erika

  8. Liebe Anke,
    Vielen Dank, dass du uns mitgenommen hat durch den abendlichen Zoo!
    Eine ganz andere Stimmung am Abend und es war bestimmt Entspannung pur.
    Liebe Grüße Moni K

  9. Guten Morgen!
    Hiermit möchte ich mich bei allen für ihr Feedback auf meinen Bericht ganz herzlich bedanken!
    Ich habe mich sehr darüber gefreut.

    Da die speziellen Abendtermine in Zoo und Tierpark wohl noch eine Weile angeboten werden, kann ich nur empfehlen, hinzugehen und diese besondere Atmosphäre selber zu erleben!

    Passt auf Euch auf!

    Liebe Grüße
    Anke

  10. Liebe Anke

    Dss mit den Amseln ist mir auch schon aufgefallen.
    Danke Dir für Deinen Anruf bei NABU. Gut zu wissen, dass alles normal ist.

    Habe ich schon erwähnt, ich bin immer wieder erstaunt, wie viele verschiedene Tierarten der Zoo in Berlin hat. Als Beispiel nenne ich den wunderschönen Flammenweber.

    Dass es Kathi immer noch gut geht freut mich sehr.

    Ich habe Dich auch morgens gerne durch den Abend-Zoo begleitet.

    Danke Gudrun für die feinen Bilder.

    Schönes Wochenende und kommt gut durch die Hitze!

    Viele Grüße
    Anita

  11. liebe Anke,
    Deine ausführlichen Berichte über Deinen Abendspaziergang durch den Zoo Berlin habe ich mit Interesse gelesen und es war fast so als wäre man live dabei gewesen. Schön,die Tiere auch mal zu einer nicht üblichen Zeit sehen zu können,wenn alles mehr Ruhe ausstrahlt. Herzlichen Dank für Deine fleißige Berichterstattung.
    liebe Mervi,die Bilder von Gudrun passen prima dazu, thank you very much
    dear greetings
    Filomena