Momentaufnahmen aus dem Zoo Berlin vom 08.09.2021 – Teil 2

Sep 29th, 2021 | By | Category: Featured articles

29.9.2021 von Anke B, Illustrationen: Pressefotos Zoo Berlin

Ich ging bei den Böhm Steppenzebras und Elen Antilopen vorbei. Drei der letzteren boten ein sehr idyllisches Bild am Wasserbecken, aus dem sie tranken und sich mit den Bäumen über ihnen darin spiegelten. Ein Besucher sah das wie ich und wurde mit einem stimmungsvollen Foto belohnt.

Neben den Marabus Rudi und der „Schwedin“ befinden sich nun auch Elke und Schotter aus dem Tierpark im Zoo, allerdings bisher noch auf getrennten Anlagen. Ich bin gespannt, ob sie in Zukunft vergesellschaftet werden können.

Tiger Darius schlief, wie so oft, in seiner Höhle und von den Löwen war nichts zu sehen. Die Fertigstellung des Raubtierhauses lässt leider weiter auf sich warten. Hoffentlich nicht mehr lange! Die vielen Scheiben als Begrenzung der Außengehege lösen bei mir jedenfalls keine Begeisterung aus.

Sibirischer Tiger_Zoo Berlin

An der Plastik von Gorilla Bobby und am Pelikanteich vorbei, schlug ich den Weg zu den Außenanlagen der Affen und Äffchen ein.

Die Makaken lümmelten sich auf ihrem Felsen, einige lausten sich gegenseitig liebevoll und sorgfältig. Sie sind mir irgendwie sympathisch.

Die Siamangs kamen gerade vom Mittagessen, blieben aber hinten in der Nähe des Schiebers. Ein paar der hübschen Totenkopf-Äffchen turnten vorn am Gitter herum und von einer Besucherin, die offenbar mit „Pippi Langstrumpf“ aufgewachsen war, hörte ich ein entzücktes „Herr Nilsson“. Der weibliche Klammeraffe, der entspannt auf einem der Kletterbäume abhing, „wieherte“ leise, als er mich sah. Das klingt in meinen Ohren immer wie ein ganz kleines Pony… Kappengibbon Kaspar war diesmal leider nicht zu sehen.

Das niedliche Eulenkopf – Meerkatzenkind ist zwar ordentlich gewachsen, im Vergleich zu seinen Eltern aber immer noch zart und zierlich. Es klettert schon selbstständig durch das Gehege und spielt für sich allein. Aber die Mama ist immer in der Nähe und hat ein Auge auf ihn.

Von den Schimpansen ließ sich nur ein Weibchen auf einem der Plateaus blicken, die anderen gammelten vor der Scheibe herum oder lagen, von Büschen halb verdeckt, „gechillt“ auf Jutesäcken.

Djasingha saß ebenfalls auf einem Jutesack und schaute aufmerksam zu Orang Utan Bulan, der sich mithilfe einer Decke in eine alte Squaw verwandelt hatte und von seinem Platz auf dem Klettergerüst wiederum zu ihr hinunter sah. Nichts los und ich ging weiter. Ich werde traurig, wenn ich an die frühere harmonische Orang Familie denke, als Enche noch lebte und Mücke und Satu noch im Zoo waren. Auch Mano und Bini im Gehege daneben konnten meine Laune nicht heben, Mano saß auf dem Holzplateau hinter dem Gitter, hatte aber den Kopf weggedreht und guckte auch nicht, als ich ihn rief, Bini schlief auf dem Felsabsatz im Hintergrund.

Die Grande Dame des Zoos nebenan , Gorilla – Omi Fatou, wurde hinten am Schieber vermutlich mit einer kleinen Zwischenmahlzeit verwöhnt. Leider hatte ich gerade kein Fernglas zur Hand und konnte nichts sehen… Menno!

Fatou

csm_Westlicher_Flachland-Gorilla_Fatou_8432_5f4e62ffb9

Aber ein paar Schritte weiter riss es Gorillamama Bibi mit ihrer kleinen Tochter wieder `raus. Sie saßen gemeinsam auf der Wiese, die Kleine versuchte von Zeit zu Zeit auszubüxen und lief immer mal alleine los, wurde aber schnell wieder vom langen Arm ihrer Mutter eingefangen.

csm_Gorilla_Tilla_2_ZooBerlin_6022370772

Sango saß eindrucksvoll muskulös und scheinbar brummig drei Meter daneben, aber ich wette, dass er innerlich hochzufrieden mit seiner kleinen Familie ist.

csm_Westlicher_Flachland-Gorilla_Sango_fff759aa51

Die beiden anderen Gorilla Ladies Djambala und Mpenzi lagen in der Felsnische vor den Schiebern und schauten sich, die Köpfe jeweils auf einer Hand aufgestützt, die Idylle von oben an. Die kleine Tilla ist einfach Zucker und so verspielt und eigensinnig, wie es ein ganz kleiner Gorilla nun mal ist und sie das erste Mal so zu erleben, war ein Highlight dieses Besuchs.

Ich setzte meinen Weg an den Pavianen und Bartaffen vorbei fort und blieb – natürlich – bei den Erdmännchen stehen, die, wenig überraschend, zu den Favoriten der Besucher zählen. Gleich drei niedliche kleine Wächter standen aufrecht, mit durchgedrückten Knien und Hohlkreuz auf den künstlichen „Bergspitzen“ ihrer Anlage und suchten den Himmel nach Feinden wie Krähen oder Raubvögeln ab.

csm_Erdmaennchen-Nachwuchs_10298_ea945325d0

Die anderen machten, was Erdmännchen nun mal machen wenn bei angenehmen Temperaturen die Sonne scheint: sie sonnten sich ausgestreckt auf dem Bauch oder Rücken liegend, manche eng aneinander gekuschelt, andere kämpften miteinander und versuchten, sich gegenseitig zu beißen – warum und wie ernst das gemeint war, entzieht sich meiner Kenntnis – wieder andere buddelten was das Zeug hielt und verwandelten den Sandboden ihrer Anlage in einen Schweizer Käse mit vielen Löchern. Manche hatten sich schon regelrecht eingegraben und man sah nur noch kleine Sandfontänen über den gegrabenen Löchern. Während all dies passierte, lieferten sie ihren eigenen Soundtrack dazu: sie glucksten und gurrten, säuselten und schnurrten in hellen Tönen, dass es eine Freude war. Keiner der umstehenden Beobachter konnte sich ein Lächeln verkneifen, niemand seine schlechte Laune lange beibehalten.

Erdmännchen_Zoo Berlin

In der Anlage daneben aßen zwei Stachelschweine zu Mittag, während ein drittes noch vorsichtig aus einem der Eingänge zum Innenbereich lugte. Ihr Futter bestand aus allerlei Gemüse, Kräutern und, besonders beliebt, Erdnüssen. Vor einer Weile habe ich mir mal einen wunderschönen kräftigen Stachel verdient, indem ich dem Pfleger, der gerade die Anlage säuberte, den Futtereimer nachgetragen habe. Im Gegensatz zu ihrer stacheligen Bewaffnung, haben Stachelschweine m.M.n. sehr liebe Gesichter.

Bei den Rosa und Chile Flamingos gab es die übliche Geräuschkulisse ihrer schnarrenden Kommunikation; sie haben sich immer etwas zu sagen und zanken oft. Ich mag diese schönen, irgendwie skurilen Vögel! Viele Krähen haben inzwischen Geschmack an ihrem eingeweichten Futter gefunden und bevölkern in großer Zahl die Anlage. Ich frage mich, ob ihr Gefieder davon langsam einen Rosa Schimmer annehmen könnte?

Die Elefanten Viktor und Drumbo hatten eine Menge Bambuslaub bekommen und taten sich daran gütlich. Jedes Büschel Grün wurde vor dem Fressen gründlich mit dem Rüssel ausgeschüttelt und -geschlagen um eventuellen Sand zu entfernen. Nachdem sie erst geschickt die Blätter von den Ästen abgezogen hatten, wurde auch der Rest des Bambus mit Stumpf und Stiel verspeist.

Viktor

Asiatischer Elefant Victor_Zoo Berlin

Lautes Gekreische in den höchsten Tönen zog nicht nur mich zu den Bonobos. Dort angekommen, sah ich eines der Weibchen auf dem Boden sitzen, das diese Geräusche von sich gab, konnte aber keinen Grund für all die Aufregung feststellen. Plötzlich schwang sich eins der erwachsenen Männchen, das vorher auf einem der hängenden Plateaus gesessen hatte, in den hinteren Teil des Geheges und kam mit einem großen grünen Ball zurück, den es erst trug, dann vor sich herschob und schließlich mit Karacho in das Wasserbecken schmetterte, neben dem das nervende Weibchen saß. Sie verstummte, allerdings nicht dauerhaft, das Geschrei begann von vorn. Das Männchen kletterte nun am Gestänge so über den Ball, der nach wie vor im Becken lag, dass es ihn mit den Füßen erreichen konnte und gab ihm von oben mit beiden Füßen noch mal einen tüchtigen Stoß, so dass das Wasser spritzte.

bonobo1

Es wurde still und ich musste laut lachen. Die beiden Bonobokinder hatten sich schnell von dem Schreck erholt und setzten ihr Fang-Mich Spiel von vorher fort und die erwachsenen Tiere tummelten sich in unterschiedliche Bereiche des Geheges. Bei den Bonobos sind die Weibchen dominante Bestimmerinnen und kein Männchen würde es wagen, eines von ihnen direkt anzugehen. Aber an einem Ball kann man sich ungestraft abreagieren und zeigen, wie genervt man ist. Clever und irgendwie rührend! Ein bisschen wurde ich an die älteren Männer von früher erinnert, die nach einer Gardinen-Predigt ihrer Gattin, schweigend zum Holzhacken in den Keller gingen.

bonobo2

Schöner konnte es mehr nicht werden und ich ging an dem Hornraben Clyde – wo sind nur all die Sitatungas? -, der irgendetwas im Schnabel von A nach B trug, den Giraffen, Hühnern und Elefanten vorbei Richtung Ausgang.

Schön war´s, auch wenn mir vieles im Zoo nicht mehr gefällt und ich einiges zu kritisieren hätte.

Aber nicht hier und heute…




Tags:
Share |

8 comments
Leave a comment »

  1. Liebe Anke,
    es tut mir sehr leid, dass Darius seine Partnerin verloren hat. Ich hoffe sehr, dass das Raubtierhaus bald fertig wird. Die Bauarbeiten dauern schon sehr lange.
    Schade, dass du Fatou nicht gesehen hast. Es ist trotzdem gut zu wissen, dass sie verwöhnt wird.
    Ich wusste nicht, dass die Elefanten auch Bambus essen. Gut zu wissen, dass Viktor und Drumbo zusammen sind.
    Bei Bonobos ist oft sehr laut.
    Es ist sehr erfreulich, dass Bibi, das Kind und Sango harmonisch leben. Endlich gibt es bei den Gorillas ein Baby.
    Hugs
    Ludmila

  2. Vielen Dank liebe Anke.
    Best wishes to all the animals in Zoo Berlin.

  3. Liebe Anke,

    deine Berichte sind immer ein Hochgenuss und die Fotos dazu sehr aussagekräftig.
    Die Szenen bei den Erdmännchen kann ich mir gut vorstellen mit all den von dir beschriebenen
    Lauten. Sie sind einfach “Gute Laune Tiere”, genau so, wie du sie und die sie beobachtenden Besucher
    geschildert hast.

    Auch die eindrucksvolle Aktion bei den Bonobos ist sehr interessant, ausnahmsweise beschwichtigen
    sie das kreischende Weib mal nicht mit Sex, sondern mit einem Ball. Deine Auslegung mit den holzhackenden
    Männern im Keller ist geradezu göttlich!

    Bambusessende Elefanten sind auch mir neu, aber bei denen gilt sowieso die Parole – Hauptsache ist, dass das Futter grün ist, die Form und der Geschmack sind ihnen egal.

    Ja, die alte Truppe der Orangs bei Herrn Opitz bleibt unvergessen!

    Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Bericht und die vielfältigen Beschreibungen von deinem
    Zoobesuch!

    Herzliche Grüße
    Britta-Gudrun

    PS. Viele deiner an anderer Stelle schon erwähnten Kritiken sind leider notwendig, aber uns fragt ja keiner, nicht wahr?

  4. Und wieder hast Du einen so schoen detaillierten Bericht, garniert mit Deinen ganz persoenlichen Eindruecken und Gefuehlen vorgelegt. Und wie immer war es eine Freude, ihn zu lesen. Auch etwas Humor zwischen den Zeilen kam nicht zu kurz. Die in Dein Langzeitgedaechtnis gesprungene Holzhacker-Episode 😉 erinnerte mich wieder daran, dass ich so oft denke, dass Mensch und Tier – bei allen unvergleichbaren Unterschieden – auch eine Menge Gemeinsamkeiten im Verhalten haben. Fuer diese Ansicht bin ich schon oft kritisiert worden – ich bleibe aber dabei!

  5. Dear Anke and Mervi
    I will write in English if that is okay as there is a lot to comment on.
    The Knieriem plan for the Zoo and Tierpark is difficult for an occasional visitor to follow.
    For me Darius as well as Elke and Schotter are forever associated with the many episodes of Panda, Gorilla and Co with their keepers in the Tierpark.
    Plate glass protection for the animals seems to reflect the danger posed by visitors. But you also know all the animals’ names and enjoy studying some of the visitors. Sadly Pippi Longstocking is not a feature of an English childhood.
    A small pair of binoculars or pocket telescope is essential in a modern zoo with the big enclosures. Mine come cheaply from fleamarkets and charity shops. Fatou likes to be in the background.
    Bibi was a favourite of Herr Opitz. I am sure he would be pleased to see a gorilla family at last.
    The smaller animals like the Meerkats and porcupines are covered to as well as the Bonobos.
    I always find elephnts in zoos a bit sad. They are used to living in large herds and ranging over large areas. Whereas Polar Bears can adapt to well designed enclosures and good enrichment because they are not group animals.
    Clyde is always a favourite of mine. My late father would chat happily to a similar bird in the Cotswold Wildlife Park.

  6. Ihr Lieben!
    Danke für Euer Interesse und das teilweise überaus freundliche Feedback für beide Teile meines Zooberichts. Ich weiß das zu schätzen und habe mich sehr darüber gefreut, auch weil einige auf spezielle Details bzw. Tiere Bezug genommen haben und eigene Gedanken hinzugefügt haben!

    Liebe Mervi!
    Ein besonders großes Dankeschön geht an Dich, weil Du das Editieren und die Auswahl und das Einfügen der Fotos übernommen hast, was noch mal eine Menge Extra-Arbeit bedeutet hat!
    Es tut mir leid, dass das Lesen des Berichtes auf dem Monitor bzw. Display so anstrengend wurde.

    Lieber Ralph!
    Es ist völlig in Ordnung, wenn Du in Englisch kommentierst. Seit ich das Übersetzungsprogramm https://www.deepl.com/translatorhttps://www.deepl.com/translator kenne, haben längere nicht-Deutsche Texte ihren Schrecken verloren… Alles gut!

    Herzlichst
    Anke

  7. Liebe Anke!

    Danke für diesen wunderbaren ausführlichen Bericht aus dem Zoo und die vielen tollen Bilder.

    Liebe Grüße, Erika

  8. Liebe Anke
    In vielen das Du sagst, bzw. schreibst, kann ich ich gut wiederfinden.

    Die Scheiben an den Anlage habe den Vorteil, man kann ans Tier nah ran.
    Wenn ich an die vielen Idioten denke, die gegen die Scheiben klopfen, dann sind die Scheiben wirklich blöd.
    Und wenn ich ans Fototgrafieren denke, ist ‘eh alles Spiegel.

    Das Fatou verwöhnt wird, ist schön.
    Die kleine Bibi ist herzallerliebst.

    Die Erdmännchen sind wirklich einer der Lieblinge im Zoo.
    In München kam es ja zu einem ganz tragischen Zwischenfall. Durch die vielen Regen, den wir in München hatten, ist der Boden so aufgeweicht gewesen, dass die Gänge der Erdmännchen eingestürzt sind.
    Alle Erdmännchen sind tod!! Sehr traurig.

    Die Stachelschweine mag ich auch sehr. Nur leider sieht man sie in Hellabrunn selten.

    DIe Anlage der Flamingos wird in München gerade umgebaut.
    Das ist schön für die Vögel, da dann ihre Flügel nicht mehr stutzen werden müssen.
    Allerdings, die Flamingos leben gleich am sog. Flamingoeingang und das Geschnattert der Flamingos geht mir sehr ab.

    Ein Besuch im Zoo ist eigentlich immer eine schöne Sache, auch wenn einem nicht mehr alles gefällt.
    Aber seid froh, Eurer Zoodirektor ist wenigens Tierarzt. Unsere ist Architekt und das merkst Du. Es wird viel gebaut, aber ob das auch gut ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.

    Danke für Deinen wundervollen Zorundgang!
    Einen schönen Sonntag!
    Hugs,
    Anita

Leave Comment