Welche Tiere Essen Quallen?

Welche Tiere Essen Quallen
Quallen: Glibbrig, schön und manchmal tödlich | BR.de Meeresschildkröte Natürliche Feinde der Quallen sind Meeresschildkröten, Delfine, Thun-, Schwert- und Mondfische. Ihnen schmeckt der Cocktail aus 99 Prozent Salzwasser und einem kleinen Rest Eiweiß. Mehr Gefahr droht den Quallen derzeit von Schiffsschrauben. : Quallen: Glibbrig, schön und manchmal tödlich | BR.de

Welche Fische essen Quallen?

Quallenschwärme legten bereits Atomkraftwerke und Flugzeugträger lahm – Eindeutige Zahlen sind schwer zu erheben, aber seit ein paar Jahren scheint es immer öfter zu diesen sogenannten Quallenblüten zu kommen. In Küstengewässern drängen sich dann schlagartig bis zu 400 Tonnen Quallen pro Quadratkilometer.

Solche Invasionen haben teils gravierende Folgen: So kappten sie 1999 auf den Philippinen die Stromversorgung für gut 40 Millionen Menschen – ein gewaltiger Quallenschwarm war in das Kühlsystem eines Kohlekraftwerks gesaugt worden und hatte eine Kaskade von Stromausfällen ausgelöst. In Kalifornien, Florida und Schweden mussten bereits küstennahe Atomkraftwerke verstopfungsbedingt abgeschaltet werden; 2006 setzten Quallen den US-Flugzeugträger USS Ronald Reagan fest.

Menschen sind allerdings nicht nur Leidtragende, sondern wohl auch Verursacher dieser Blüten. Thunfische, Schwertfische und viele weitere Arten, die sich von Quallen ernähren, sind heillos überfischt. Durch Abwässer und ausgeschwemmte Düngemittel gelangen Nährstoffe in die Meere, die Mikroalgen gedeihen lassen – typisches Quallenfutter.

Wie isst eine Qualle?

Was fressen Quallen? – Quallen ernähren sich hauptsächlich von Plankton, größere Exemplare machen auch keinen Halt vor kleinen Fischen oder Krebsen. Mit der Tentakel befördern sie ihre Beute zur Mundöffnung und verschlingen sie. Größere Fische oder gar Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan.

Hat eine Qualle Gefühle?

Hirnlos clever – Quallen haben ein Nervensystem, sie haben Sinnesorgane, aber kein Gehirn. Trotzdem können sie Beute jagen, auf Feinde reagieren und Geschlechtspartner erkennen. Möglich machen das spezielle Sinneszellen in der äußeren Zellschicht. Damit können sie Licht und Schwere wahrnehmen.

  1. Sie spüren die Erdanziehungskraft und unterscheiden so oben von unten.
  2. Ein Gehirn, das die Wahrnehmung verarbeitet und dann zum Beispiel den Befehl “Beute fangen” an die Fangarme weitergibt, hat die Qualle nicht.
  3. Dass sie trotzdem blitzschnell reagieren kann, erklären Quallenforscher so: Der Reiz einer bestimmten Wahrnehmung setzt automatisch eine Reaktion in Gang und diese eine zweite, eine dritte und so weiter.

Ein festgelegter Ablauf, der durch das Nervensystem gesteuert wird. Wenn die Qualle einen Fangarm verliert oder einen Teil vom Schirm – kein Problem: Sie besitzt nämlich überall “Super-Zellen”. Sie sind in der Lage, den gewünschten Körperteil nach Bedarf nachzubilden.

  • Dafür bildet sich die Zelle zuerst in ein embryonales Stadium zurück, um sich anschließend in einen neuen Zelltyp zu verwandeln.
  • Unsterblich sind Quallen trotzdem nicht.
  • Haben sie erfolgreich für Nachkommen gesorgt, ist ihr Lebenszyklus meistens abgeschlossen.
  • Tentakel und Sinnesorgane bilden sich zurück und lösen sich auf.

Übrig bleibt eine ungiftige Gallertscheibe, ein Leckerbissen für Fische.

Wie kann man Quallen vermeiden?

Kann ich einen Quallenstich verhindern? – Quallen schwimmen im offenen Meer und ihre Tentakeln sind dabei nahezu unsichtbar, es gibt daher keine sichere Maßnahme, sich vor den Stichen zu schützen – außer an Land zu bleiben. Es gibt aber Vorsichtsmaßnahmen: Um Begegnungen mit Quallen zu vermeiden, sollte man sich den Strand vor dem ersten Baden bei Ebbe ansehen.

Ist eine Vielzahl angeschwemmter Quallenkörper zu sehen, kann man davon ausgehen, dass auch im Meer viele anzutreffen sind. Sie treten üblicherweise in Schwärmen auf. Da Quallen sich gern in aller Ruhe im Wasser treiben lassen, meiden sie Gebiete mit tosender Brandung oder starker Strömung und bevorzugen – zum Leidwesen der Badenden – die ruhige See.

Auch nachts lassen sich die Nesseltiere, die so gut wie blind sind, mit Vorliebe treiben. Deshalb sollte man, wo Quallen vorkommen, kein abendliches Bad im Dunkeln nehmen. Wichtig: “Beachten Sie örtliche Warnhinweise, baden Sie nicht an einsamen Stränden, und schwimmen Sie nicht in trübem Wasser oder dicht über Sand”, sagt Reisemediziner Tomas Jelinek.

Haben Quallen ein Herz?

Sprungbrett der Evolution > > > > Was Hohltiere vom Werden der Menschen verraten von Thomas Holstein In der Hauptsache bestehen sie aus Wasser, und innen sind sie hohl. Auf den ersten Blick scheinen Hohltiere nicht gerade viel versprechende Objekte molekularer Forschung zu sein. Und doch kann die Wissenschaft viel von ihnen erfahren, zum Beispiel, worauf die außergewöhnliche Regenerations­fähigkeit der schlicht gebauten Wesen beruht, die sich nahezu beliebig regenerieren können – selbst dann noch, wenn man sie in 100 Stücke zerteilt. Diese erstaunliche Regenerationskraft ist längst nicht die einzige bemerkenswerte Fähigkeit der faszinierenden Tiere. Von ihnen ist auch Erstaunliches über das Wirken der Evolution zu erfahren, die wichtige Gengruppen als Sprungbrett benutzt hat – bis hin zum Menschen. Sie haben kein Blut, kein Hirn und kein Herz und sind doch Organismen der Superlative: die Nesseltiere, wissenschaftlich Cnidaria genannt, gemeinhin wohl besser als Seeanemonen, Quallen und Korallen bekannt. Sie haben jeden Lebensraum unter Wasser erobert, von der Antarktis bis in die Tropen, von der Tiefsee bis ins Süßwasser, ihre Fähigkeit zur Regeneration ist legendär, und neueste Befunde zeigen, dass die Komplexität ihres Erbguts dem der Wirbeltiere erstaunlich nahe kommt. Was weiß man noch über die vermeintlich schlichten Wesen und ihre bemerkenswerten Fähigkeiten?Nesseltiere bestehen zu 99 Prozent aus Wasser und gehören zu den ältesten heute noch lebenden Tieren. Sie sind lebende Fossilien und stehen an der Basis der Evolution aller höheren Tiere, nahe dem Übergang von der einzelligen zur mehrzelligen Organisationsstufe. Nachgewiesen wurden Nesseltiere bereits in den Fossilien der Ediacara-Fauna vor 600 Millionen Jahren, lange bevor die Mehrheit aller heute bekannten Tierstämme in der so genannten kambrischen Explosion entstanden ist.Nesseltiere bleiben in ihrer Entwicklung auf dem so genannten Gastrula-Stadium stehen: Sie besitzen nur eine Körperachse, die zu einem Sackdarm führt, in den Nahrung hineinfließt und aus dem in umgekehrter Richtung Unverdauliches ausgeschieden wird. Höher entwickelte Tiere durchlaufen diese Entwicklungsstufe nur als kurzes Zwischen­stadium, aus dem heraus sich ein Organismus mit Mund- und Darmöffnung entwickelt. Nesseltiere besitzen ein primitives Nervensystem, das als ein­faches neuronales Netz organisiert ist. Ein zentrales Nervensystem fehlt, manche verfügen allerdings bereits über komplexe Augen und andere Sinnesorgane.Nesseltiere treten häufig in zwei Formen auf: als festsitzende Polypen und als freischwimmende Quallen (Medusen), deren grazile Schönheit der berühmte Zoologe Ernst Haeckel in seinem Buch „Kunstformen der Natur” eindrucksvoll dokumentiert hat. Viele Polypenstöcke der Korallen haben als Gestein und Riff bildende Formen im wahrsten Sinne des Wortes unsere Erdgeschichte geprägt. Berühmt ist auch die seit der Antike bekannte, nahezu unbegrenzte Regenerationsfähigkeit der Tiere: Ähnlich der aus der griechischen Mythologie bekannten vielköpfigen „Hydra von Lerna” können viele Polypen ihre mit giftigen Nesselzellen besetzten Köpfe regenerieren. Manche Nesseltiere zählen zu den giftigsten Tieren der Welt. Ein Beispiel ist die tropische Seewespe, eine Würfelqualle, die sich von Fischen ernährt – ein Kontakt mit ihr kann auch für den Menschen tödlich enden. Aber auch schon die Begegnung eines Schwimmers mit weitaus weniger gefährlichen Quallen oder Polypen kann bekanntlich sehr schmerz­hafte Spuren hinterlassen. Entladung in NanosekundenDie toxische Wirkung der Nesseltiere ist auf die Zellen zurückzuführen, denen sie ihren Namen verdanken: die Nesselzellen. Dabei handelt es sich um hoch spezialisierte Sinneszellen, die jeweils ein komplexes kleines Organ, die Nesselkapsel beherbergen, wissenschaftlich korrekt „Nematocyste” oder „Cnide” genannt. Im Innern der zylindrisch geformten, circa zehn Mikrometer kleinen Nesselkapsel ist ein langer Schlauch aufgerollt. Das ist der Grundbauplan der Nesselkapsel – von ihm ausgehend hat die Natur sehr viele, zum Teil sehr komplexe Nesselkapseln gebildet, die alle zum Beutefang und zur Verteidigung dienen.Die Funktionsweise der Nesselzellen ist außerordentlich bemerkenswert. Wird eine Nesselzelle von außen mechanisch gereizt, etwa von einem Beutetier, entlädt sie sich innerhalb kürzester Frist: Der in der Kapsel aufgerollte Schlauch schießt wie eine Har­pune heraus, durchdringt die Außenhaut des Opfers oder umwickelt dessen Körper. Unsere Hochgeschwindigkeitsanalysen haben gezeigt, dass die gesamte Ent­ladung selbst bei den komplexesten Kapseltypen in weniger als drei Millisekunden abgeschlossen ist; die kritische Phase der Entladung läuft sogar im Nanosekundenbereich ab. Dabei werden Beschleunigungen erzielt, die mehr als das 5 000 000fache der Erd­beschleunigung ausmachen – die Nesselkapselentladung zählt damit zu den schnellsten Prozessen in der Biologie. Auf molekularer Ebene kann die Ent­ladung als Wechselspiel von hohem Druck und elastisch gespannter Kapselwand erklärt werden. Der hohe Druck resultiert aus der hohen Konzentration von Poly-Gamma-Glutamat (zwei Mol) und assoziierter Kationen (Innendruck mehr als 150 bar). Als wesentliche Struk­turproteine der elastischen Kapselwand haben wir in den letzten Jahren eine Familie ungewöhnlich kleiner Kollagene („Minikollagene”) sowie eine neue Proteinfamilie (NOWA) charakterisiert. Wenn die Kapsel innerhalb eines „riesigen” Bläs­chens, das Teil der ­zellulären Proteinsynthesemaschinerie ist, gebildet wird, liegen diese Proteine in löslicher Form vor und schließen sich zunächst zu einer vorläufigen Struktur zusammen, aus der anschließend durch eine Polymerisierungs­reaktion die endgültige Kapsel hervorgeht. Das Proteom einer Nesselzelle, also die Gesamtheit aller in der Zelle vorhandenen Pro­teine, umfasst circa 200 Proteine, deren Struktur und Funktion derzeit in einem eigenen Proteom-Projekt identifiziert werden. Im Zentrum unserer Arbeiten im Heidelberger Institut für Zoologie steht die Frage, wie sich Nesseltiere entwickeln. Ein unerwartetes Ergebnis der vergleichenden Entwicklungsbiologie und Genomforschung ist, dass tierische Organismen offenbar schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Evolution über ein erstaunlich großes Repertoire von Genen verfügten, mit dem sie die Entwicklung des Körperbaus steuern. Auf der Suche nach solchen Genen haben wir die Nesseltiere als wichtigste Vertreter einfacher vielzelliger Organismen ausgewählt, deren gestaltbildenden Gene untersucht und mit denen ­höher entwickelter Tiere verglichen.Eine Schlüsselrolle spielen die so genannten Wnt-Gene. Bei diesen Genen handelt es sich um ­eine Gruppe von Entwicklungsgenen, die bei allen Tieren dafür verantwortlich sind, dass sich eine Körperachse ausbildet und die jeweiligen Organe sowie das Nervensystem heranreifen. Die Gene liefern mit Zucker bestückte Signalmoleküle (Glykoproteine). Diese Moleküle beauftragen ihre Zielzellen, sich in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Millionenjahre alte GengruppenBei der Seeanemone Nematostella vectensis fanden wir zwölf Wnt-Genfamilien, was in mehrfacher Hinsicht erstaunlich ist: Die einfachen Nesseltiere besitzen damit mehr Wnt-Entwicklungsgene als manch höher entwickelte Tiere, etwa Insekten oder Fadenwürmer (Nematoden), die nur über sieben Gruppen dieser gestaltgebenden Erbanlagen verfügen. Anders als bisher angenommen, scheint es also keinen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl der Gene und der morphologischen Komplexität tierischer Organismen zu geben. Säugetiere, der Mensch ein­geschlossen, besitzen wie die Nesseltiere zwölf Wnt-Gengruppen, wobei bei Säugern mindestens eines der Entwicklungsgene während der Evolution verlorengegangen und durch ein neues ersetzt worden ist. Bei Protozoen, die nur aus einer einzigen Zelle bestehen, und bei Organismen, die wie Schleim­pilze zwar Zellkolonien bilden, sich aber nicht zu echten Vielzellern entwickeln, sind bisher kein Wnt-Gene nachge­wiesen worden. Das Auftreten dieser Gene vor rund 650 Millionen Jahren ­dürfte die Voraussetzung für das Entstehen von Vielzellern gewesen sein. Die derzeit erfolgenden Erbgutvergleiche machen mehr und mehr deutlich, dass sich Nesseltiere und höher entwickelte Wirbeltiere (Vertebraten) sehr viel ähnlicher sind als man bislang glaubte. So ist die Vielfalt der von tierischen Organismen bekannten Signalwege bereits im Erbgut der Nesseltiere angelegt. Die neuen genetischen Daten unterstreichen zudem unsere Entdeckung, dass in manchen Tiergruppen viele dieser alten Gene verloren­gegangen sind; umgekehrt belegen die Daten, wie bedeutend diese Gene für die rasche Expansion des genetischen Repertoires während der Evolution und für das Entstehen der Vielzelligkeit gewesen sein müssen. Wie die genetische Komplexität während der Evolution der morphologischen Komplexität vorangeschritten ist, zeigt das Beispiel der „mesodermalen” Gene. Dabei handelt es sich um Erbanlagen, die während der Entwicklung des Embryos dafür sorgen, dass sich ein mittleres Keimblatt, das so genannte Mesoderm, ausbildet. Nesseltiere besitzen lediglich zwei Keimblätter: ein äußeres schützendes Ektoderm und ein inneres, der Ver­dauung dienendes Entoderm. Ein Mesoderm, aus dem bei höheren Lebewesen das Gefäßsystem und die Muskulatur hervorgehen, besitzen Nesseltiere nicht. Nichtsdestotrotz verfügen Nesseltiere über den kompletten ­Katalog mesodermaler Gene, die bei ­ihnen für das Heranreifen der so genannten Epithelmuskelzellen zuständig sind – das sind Zellen, die sich im äußeren Ektoderm finden und die mit muskel­zellähnlichen kontraktilen Fasern ausgestattet sind. Die Gene für die Embryonalentwicklung und das Heranreifen von Zellen zu bestimmten Zelltypen mit besonderen Aufgaben, etwa zur Muskelzelle, reichen also bis in die Frühzeit der Evolution zurück. Wie es dazu kam, dass die Natur im Laufe der Evolution ­immer wieder die gleichen Signalketten in neuen Zelltypen, Strukturen und Organen verwendet hat, ist noch gänzlich unverstanden und wird zurzeit ­intensiv erforscht. Das Phänomen der „Regeneration” ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie tief basale Entwicklungsprozesse im Stammbaum des Lebens verankert sind. Bestimmte Vertreter der Nesseltiere, die Süßwasserpolypen (Hydrozoen), sind die „Champions der Regeneration” im Tierreich, was sich eindrucksvoll zeigen lässt, schneidet man einen Süßwasserpolypen in 100 Teile: Nach wenigen Tagen sind daraus 100 neue, wohlgeformte Polypen entstanden. Dass aus wenigen Zellen wieder vollständige Körper entstehen können, ­erscheint wie ein Wunder. Doch nicht nur Polypen, auch Plattwürmer, Seesterne und Salamander sind dieses Wunders fähig und regenerieren Gliedmaßen und innere Organe unmittelbar nachdem das Original abhanden gekommen ist. Bei Süßwasserpolypen und weiteren regenerierenden Tieren konnten in den letzten Jahren Gene, Proteine und Signalwege identifiziert werden, die zu dieser erstaunlichen Regenerationskraft verhelfen. Auch wir Menschen besitzen grundsätzlich noch die Gene, mit ­deren Hilfe sich einfache Tiere regenerieren – die Kluft zwischen diesen Organismen und dem Menschen ist also geringer als gedacht. Regenerierende Organismen ersetzen verlorene oder beschädigte Körperteile und Organe mithilfe von Stammzellen: Süßwasserpolypen etwa verfügen zeit ihres Lebens über eine Population von Stammzellen, die sie bei Bedarf mobilisieren und nutzen können, um die verschiedensten Teile des Körpers aus ihnen entstehen zu lassen. Andere Organismen, etwa Molche und Fische, wandeln bereits ausgereifte („differenzierte”) Zellen, die sich also bereits zu Haut-, Muskel- oder Nervenzellen spezialisiert haben, wieder in Stammzellen um, ein Vorgang, der „Dedifferenzierung” genannt wird. Auch Menschen besitzen in vielen Geweben Stammzellen. Die Möglichkeit dieser „erwachsenen” (adulten) Stammzellen, bestimmte Zelltypen zu regenerieren, ist allerdings ­begrenzt. In allen Fällen gilt es zu verstehen, woher die regenerierenden Zellen ihre Anweisungen erhalten und welche Gene, Proteine und Signalwege für die Regenerationsfähigkeit verantwortlich sind. Beim Süßwasserpolypen konnten wir zeigen, dass die Produkte (die Proteine) der Wnt-Gene nicht nur während der Embryonalentwicklung oder der Knospung entstehen. Sie entstehen auch dann, wenn ein Süßwasserpolyp, der seinen oberen Körperteil, seinen „Kopf”, verloren hat, mit der Regeneration beginnt. Wir wollten wissen: Wie viele Zellen sind erforderlich, damit ein neuer Kopf entstehen kann? Um diese Frage zu beantworten, haben wir die regenerierende Spitze des Polypen in einzelne Zellen zerlegt und diese Zellen zunächst zu Gruppen unterschiedlicher Größe heranwachsen lassen. Gibt man diese Zell­nester zu Ansammlungen von Körperzellen, kann man herausfinden, wie vieler Zellen es für die Kopfbildung bedarf. Das Ergebnis: Nur etwa zehn Zellen sind dafür erforderlich.Neben den Wnt-Molekülen sind noch weitere signalgebende Moleküle und regulatorische Proteine an der Regeneration des Süßwasserpolypen beteiligt – ausnahmslos Gene, die auch während der Entwicklung höherer Tiere, einschließlich der der Säugetiere, aktiv sind. Wir gehen daher davon aus, dass es einen gemeinsamen Mindestsatz von Genen gibt, der für die Musterbildung und das Wachstum von Gliedmaßen und Organen komplexer Tiere benötigt wird. Wir stehen erst am Anfang unserer Arbeiten – dennoch sind schon heute faszinierende Anwendungsmöglichkeiten vorstellbar. Die Forschung an Süßwasserpolypen und anderen einfachen Entwicklungssystemen könnte aufdecken, wie entwicklungssteuernde Gene und Proteine in der Regeneration an- und wieder ausgeschaltet werden könnten. Dieses Wissen wäre vielleicht nutzbar, um die Regeneration von verletztem oder erkranktem Gewebe gezielt zu veranlassen – auch das des Menschen.

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Prof. Dr. Thomas W. Holstein leitet seit 2004 die Abteilung für Molekulare Evolution und Genomik und ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Zoologie der Universität Heidelberg. Zuvor arbeitete er an den Universi­täten Darmstadt und Frankfurt und hatte eine Gastprofessur für Molekulare Entwicklungsbiologie an der Universität Wien inne.

Sind Quallen ein Zeichen für sauberes Wasser?

Pünktlich zur Hauptsaison, wenn die Ostsee mit 20 °C und mehr an der Oberfläche in Scharen Urlauber an die Strände lockt, stellen sich dort oft auch andere Lebewesen in großen Mengen ein: Insbesondere Cyanobakterien, im Volksmund auch Blaualgen genannt, und Quallen und erinnern dann daran, dass man hier in einem natürlichen Gewässer mit komplexen, interaktiven Prozessen badet und nicht im Swimmingpool.

Beides – durch Cyanobakterien verfärbtes, schmutzig wirkendes Wasser ebenso wie viele glibberige Quallen – trüben intuitiv den Badespaß. Aber sind diese Organismen für Strandbesucher auch gefährlich? Wie kommt es zu einem massenhaften Auftreten und ist dieses womöglich sogar ein Indikator für Umweltverschmutzung? Cyanobakterien Quallen Unbeliebte Blüten: Cyanobakterien in Massen Für Unruhe unter Ostseeurlaubern sorgen immer wieder Berichte von giftigen „Blaualgen” in der Ostsee, die – wenn sie verschluckt werden – bei Menschen Übelkeit und Erbrechen hervorrufen und bei Tieren sogar zum Tod führen können.

Genau genommen handelt es sich bei diesen Organismen um Bakterien, die in ihrer Lebensweise jedoch sehr den winzigen im Wasser schwebenden einzelligen Algen ähneln, die durch Photosynthese Energie aus Sonnenlicht gewinnen. Im Unterschied zu diesen haben sie jedoch die Fähigkeit, den eigentlich reaktionsträgen Luftstickstoff, von dem jederzeit genug im Wasser zur Verfügung steht, für sich als Nährstoff nutzbar zu machen. Bei ruhigem Hochsommerwetter können Cyanobakterien zu dichten Teppichen an der Oberfläche aggregieren Es gibt mehrere Tausend verschiedene Arten von Cyanobakterien, aber nur etwa 40 produzieren Giftstoffe (Toxine). Die meisten Cyanobakterien, die in der Ostsee vorkommen, enthalten solche Toxine, wenn auch in variablen Konzentrationen.

In stark süßwasserbeeinflussten Buchten tritt die Gattung Microcystis mit dem Gift Microcystin auf; in der offenen See kommen vor allem zwei Arten verstärkt vor: Nodularia spumigena und Aphanizomenon sp. Erstere enthält das Lebergift Nodularin, letztere kann ebenfalls verschiedene Giftstoffe produzieren.

Eine dritte Gattung, Dolichospermum, die ebenfalls verschiedene Giftstoffe erzeugt, etwa das bereits erwähnte Microcystin und das Nervengift Anatoxin, tritt dort ebenfalls auf, gewöhnlich jedoch in wesentlich geringeren Biomassen. Von regelrechten Cyanobakterien-„Blüten” spricht man immer dann, wenn sich bei ruhiger See, hoher Sonneneinstrahlung und gleichzeitiger Erwärmung des Ostsee-Oberflächenwassers die Cyanobakterien explosionsartig vermehren und so das Wasser je nach Artenzusammensetzung deutlich gelbbraun oder in inneren Küstengewässern blaugrün verfärben.

  1. Zu Beginn einer solchen ruhigen Phase aggregieren die eigentlich mikroskopisch kleinen Cyanobakterien in der Wassersäule zu mit bloßem Auge sichtbaren Flocken.
  2. Aufgrund einer Gasvakuole in den Organismen und des dadurch entstehenden Auftriebs schwimmen die Flocken bei anhaltend ruhiger See an die Oberfläche und bilden Oberflächenakkumulationen, die zu dicken Teppichen verkleben können.
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Innerhalb dieser Matten können sich die von ihnen produzierten Giftstoffe so stark anreichern, dass sie im Wasser gesundheitsschädliche Konzentrationen erreichen. Wenn diese Teppiche auf die Küste zutreiben, kann es daher erforderlich sein, Badeverbote auszusprechen.

  1. In Mecklenburg-Vorpommern überprüft das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) regelmäßig die Küstengewässer auf den Gehalt an Algen.
  2. In den Monaten Juli und August gilt hierbei den Cyanobakterien besondere Aufmerksamkeit.
  3. Die Gesundheitsämter unter der Führung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGUS) führen dann sowohl Routinekontrollen der Badegewässerqualität sowie gezielte Untersuchungen an potenziell gefährdeten Stränden durch.

Hier liegt dann bei starkem Cyanobakterien-Aufkommen auch die Verantwortung für die zeitweise Sperrung von Strandabschnitten. Da sich die Windverhältnisse an der Ostsee oft kurzfristig ändern, sind solche Maßnahmen jedoch nur selten notwendig, denn eine Änderung der Windrichtung auf Ost kann schon die meisten Küstenabschnitte Mecklenburg-Vorpommerns von Cyanobakterienakkumulationen befreien. Quallen: Nur zwei Prozent mehr als Meer Mitunter häufig aber harmlos: die Ohrenqualle Mit einem Wassergehalt von 98 – 99 % gehören Quallen zu den Tieren, die am wenigsten eigene Körpersubstanz besitzen, um sich von ihrer Umwelt abzugrenzen. Die Quallenart, die Besucher am häufigsten an den Ostseebadestränden antreffen, ist die Ohrenqualle Aurelia aurita,

Wie alle Quallen durchläuft sie jedes Jahr einen Zyklus mit festsitzenden und frei im Wasser schwebenden Entwicklungsstadien. Allgemein bekannt ist das freischwebende Sommerstadium, die sogenannte Meduse, die meist im Juli zu einem geschlechtsreifen Tier herangewachsen ist und bis in den Oktober hinein in großen Mengen in der Ostsee auftreten kann.

Wie häufig diese „erwachsenen” Quallen in den Sommermonaten sind, hängt unter anderem davon ab, wie viel Nahrung sowohl die kleinen Larvenvorstadien als auch die heranwachsenden Medusen finden. Quallenfutter besteht aus kleinsten, ebenfalls frei in der Wassersäule schwebenden Tierchen, dem Zooplankton, dessen Häufigkeit wiederum im Wesentlichen vom Phytoplankton, mikroskopisch kleinen, schwebenden Pflanzen, und damit letztendlich vor allem vom Nährstoffangebot, Lichteinfall und von der Wassertemperatur bestimmt wird, die das Phytoplanktonwachstum regulieren.

Ob die allgemeine Eutrophierung der Ostsee, also ihre erhöhte Versorgung mit Pflanzennährstoffen (Stickstoff und Phosphor) durch menschliche Aktivitäten in den Einzugsgebieten, über diese Nahrungskette indirekt zur verstärkten Entwicklung von Quallenpopulationen beiträgt, ist bislang nicht wissenschaftlich zu belegen.

Quallen sind jedoch keinesfalls Anzeiger für „schmutziges” Wasser. Wenn sich Badegäste durch ihr massenhaftes Auftreten in ihrem Badegenuss beeinträchtigt fühlen, hat dies in der Regel nichts mit der Wasserqualität vor Ort zu tun. Vielmehr wurden die Tiere, die langsame Schwimmer sind und hauptsächlich von Meeresströmungen transportiert werden, durch Windeinflüsse zu großen Schwärmen an einer bestimmten Stelle zusammengetrieben oder an den Strand gespült. Gelbe Haarquallen – auch Feuerquallen genannt – sind eher selten. Hier ist Abstand halten angesagt Um ihre Nahrung ungehindert zur Mundöffnung an ihrer Unterseite transportieren zu können, lähmen Quallen ihre Beute mit Gift in sogenannten Nesselkapseln, die an ihren Tentakeln und an ihrer Schirmoberfläche sitzen und „explodieren”, wenn sie berührt werden.

Bei der Ohrenqualle Aurelia aurita ist eine derartige Berührung für Menschen oder auch badende Hunde völlig harmlos, weil die Nesselkapseln zu klein sind, um die Haut zu durchdringen und ihr Gift zu injizieren. Unangenehmer ist da schon eine „hautnahe” Begegnung mit der Gelben Haarqualle Cyanea capillata, die von Strandbesuchern meist als „Feuerqualle” angesprochen wird: Ihre Nesselkapseln haben eine höhere Durchschlagskraft und können mit ihrem Gift allergische Reaktionen und Hautrötungen hervorrufen.

Anfassen sollte man sie also nicht und im Wasser nach Möglichkeit einen gebührenden Abstand halten. Gelbe Haarquallen sind im Oberflächenwasser der Ostsee eher selten, gelangen jedoch durch windbedingten Auftrieb von salzreichem Tiefenwasser auch schon mal in die Badebereiche oder werden am Strand angespült.

  1. Hat man sich trotz aller Vorsicht doch einmal an einer Haarqualle „verbrannt”, ist das zwar unangenehm, jedoch nicht gefährlich.
  2. Vorsichtiges abspülen mit Meerwasser – nicht reiben (!) – hilft, an der Haut klebende Tentakel sowie nicht explodierte Nesselkapseln zu entfernen und das brennende Gefühl zu lindern.

Süßwasser und andere Flüssigkeiten wie Desinfektionsalkohol sollten nicht zum abspülen verwendet werden, da sie noch nicht explodierte Nesselkapseln auslösen und so das Brennen verstärken. Mehr zur Lebensweise von Quallen, insbesondere der Ohrenqualle Aurelia aurita, finden Interessierte unter: www.io-warnemuende.de/aurelia-aurita.html

Sind Quallen noch giftig wenn sie tot sind?

Sind giftige Quallen giftig, nachdem sie gestorben sind?

Natur Tiere

Ja, eine frische tote giftige Qualle ist zunächst einmal noch genauso giftig, wie eine lebendige. Die Nesselzellen, die das Gift enthalten, sind für ihre Funktion nicht auf Befehle des Nervensystems angewiesen. Sie haben auf ihrer Oberfläche einen Auslösemechanismus, der bei Berührung zum Ausstoßen eines giftigen Nesselfadens führt.

  • Das funktioniert auch nach dem Tod noch.
  • Mit der Zeit nimmt dann die Gifigkeit ab, denn wenn die Nesselzellen verwesen, funktioniert irgendwann auch dieser Mechanismus nicht mehr.
  • Zudem zersetzt sich mit der Zeit auch das Gift.
  • Die meisten Quallen bei uns sind ungiftig, aber bei unbekannten Quallen oder Quallen in anderen Erdteilen würde ich sagen: Grundsätzlich lieber Finger weg, egal ob tot oder lebendig.

Das gleiche gilt übrigens auch für Korallen, die den gleichen Typ Nesselzellen besitzen.

Wie schmeckt eine Qualle?

In Asien werden Quallen häufig gegessen. In Europa landen sie bisher nicht auf dem Teller. Das könnte sich bald ändern. Am Strand nerven Quallen, zum Beispiel an der Nordsee. Eine mögliche Lösung des Problems, wenn man es denn als solches bezeichnen will: Die Quallen essen.

In China und Südostasien werden Quallen schon seit über tausend Jahren gefangen und verspeist. In Deutschland bekommt man sie bisher nur in manchen China-Restaurants. In Europa gibt es noch keinen großen Markt für Quallen, aber es wird geforscht, wie Quallen als Nahrungsmittel auch in Europa eingesetzt werden könnten.

“Wenn man die Qualle zum Beispiel mit Sojasauce und ein paar Kräutern zusammen mischt, kann man mit Kartoffeln und Quallen eine sehr schöne Beilage vorbereiten.” Jamileh Javidpour, Koordinatorin des Forschungsprojektes “Go Jelly” Als Nahrung eignen sich Quallen prinzipiell: Sie enthalten kein Fett und kein Cholesterin, dafür Proteine, Natrium, Calcium, Kalium und Magnesium. Welche Tiere Essen Quallen © imago images / View Stock Eine Schale mit Quallensalat Quallen fühlen sich im Mund etwas knorpelig und gleichzeitig glitschig an. Je nach Verarbeitung sind sie auch knusprig. Der Geschmack ist eher neutral, ein bisschen salzig. Sauce und Beilagen gelten bei Quallengerichten als wichtig.

Viele Arten mögen höhere Meerestemperaturen, für die der Klimawandel sorgt. So können sie sich besser vermehren. Dank der Überfischung der Meere haben Quallen weniger Fressfeinde, etwa Thunfische und Schwertfische. Quallen ernähren sich von Mikroalgen, die viel vorhanden sind, wenn Düngemittel der Landwirtschaft ins Wasser geraten.

Ein europäisches Forschungsprojekt namens “Go Jelly” will Quallenfischerei und Quallen als Lebensmittel jetzt näher untersuchen. An dem Projekt ist zum Beispiel auch das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel beteiligt. Jamileh Javidpour, Koordinatorin von Go Jelly, sagt, in Ostasien gäbe es zwölf verschiedene Quallenarten, die zu Lebensmitteln verarbeitet werden.

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Ist Quallen halten Tierquälerei?

Quallen, die leuchten Lavalampe und Aquarium in einem: Das ist die Jellyfish-Lampe. Die Idee ist einfach – Quallen schwimmen in einem Aquarium und leuchten. Die Farben könnt ihr per Fernbedienung einstellen. Externer Inhalt Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä.

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  • Mehr Informationen findet Ihr in unseren,
  • Die amerikanische Firma Jellyfish Art hat sich die Lampe ausgedacht und per finanziert.
  • Bleibt die Frage: Ist es Tierquälerei, die Quallen in so einem kleinen Gefäß zu halten? DRadio-Wissen-Tierexperte Mario Ludwig findet: ja.

Quallen, sagt er, sind nach den Einzellern und Schwämmen die primitivsten Tiere und empfinden aufgrund ihres einfachen Nervensystem kaum oder gar keinen Schmerz. Trotzdem findet er es doof, wenn Tiere eingesperrt werden – egal wie primitiv sie sind. “Ich habe immer Probleme damit, wenn Tiere – egal wie primitiv die sind – aus irgendwelchen idiotischen Gründen einsperrt werden.

Und dann auch noch in ein kleines Gefäß, das nichts mit ihrem natürlichen Lebensraum zu tun hat.” DRadio-Wissen-Tierexperte Mario Ludwig Der Hersteller der Quallenlampe garantiert, dass die Tiere in der Lampe 30 Tage leben – wenn nicht, gibt es eine neue Qualle. In der Natur werden solche Quallen übrigens schon mal bis zu einem Jahr alt.

Hinzu kommt: Die Quallen müssen gefüttert werden und die Lampe ist auch nicht gerade billig: 273 Dollar. : Quallen, die leuchten

Hat eine Qualle Augen?

Sinnesorgane: Würfelqualle orientiert sich an Baumkronen

News28.04.2011Lesedauer ca.2 Minuten

Welche Tiere Essen Quallen © Melissa Coates (Ausschnitt) Versuche skandinavischer Forscher zeigen, dass Würfelquallen spezielle Augen haben, um sich an Baumkronen zu orientieren. Ein Team um Anders Garm von der Universität Kopenhagen entdeckte vier Augen, die unabhängig von der Orientierung des Tiers immer senkrecht nach oben zeigen.

Mit ihnen erkennen die Quallen, ob sie sich in ihrem bevorzugten Lebensraum direkt an der Außenkante des Mangrovenwalds befindet. © Dan-E. Nilsson (Ausschnitt) Linsenauge von Tripedalia cystophora Würfelquallen mögen aussehen wie andere Quallen, doch tatsächlich sind die Cubozoa – so die wissenschaftliche Bezeichnung – aktive, räuberisch lebende Tiere.

Als Besonderheit tragen sie insgesamt 24 Augen, darunter Linsenaugen vergleichbar mit denen der Wirbeltiere. Wozu sie diese beeindruckende Sammlung an Sinnesorganen benötigen, war bislang nur teilweise bekannt. Jetzt fanden die Wissenschaftler heraus, dass ein Augentyp eine ganz spezifische Funktion hat: Er beobachtet den Himmel.

Würfelquallen besitzen vier identische Sensorstrukturen, die so genannten Rhopalien, die aus je sechs Augen bestehen. Eines davon ist das obere Linsenauge, das, wie Garm und Kollegen herausfanden, immer direkt nach oben schaut, gleich wie die Körperachse des Tieres orientiert ist. Dafür sorgt der Kristall Statolith im Gewebe des Rhopaliums – sein Gewicht richtet das Organ entlang der Schwerkraft aus.

Zusätzlich ist das Sichtfeld dieses Auges etwa 95 bis 100 Grad weit, das entspricht etwa dem Winkel, in dem man ohne Reflexion von unten durch die Wasseroberfläche hindurch blicken kann. Doch was gibt es dort oben zu sehen? Die Forscher untersuchten das Verhalten der nur etwa einen Zentimeter großen Würfelqualle Tripedalia cystophora, die in Lagunen am äußersten Rande von Mangrovengehölzen lebt.

  • Dort ernähren sie sich von Ruderfußkrebsen, die sich in großer Zahl an sonnenbeschienenen Stellen an der Wasseroberfläche zusammenfinden.
  • Die Forscher beobachteten, dass sich die Würfelquallen in einem nur zwei Meter breiten Streifen entlang der Mangrovenkante aufhalten.
  • Um herauszufinden, ob sie sich dabei an den Baumkronen orientieren, setzten die Forscher Medusen in ein transparentes zylindrisches Gefäß, das in ihrem bevorzugten Habitat schwamm.

So lange der Käfig in der zwei-Meter-Zone blieb, fraßen die Würfelquallen Ruderfußkrebse und stießen nur zufällig gegen die Gefäßwände. Zogen die Forscher das Gefäß jedoch hinaus aufs offene Wasser, begannen die Würfelquallen gezielt auf die Mangroven zuzuschwimmen.

  • Das änderte sich wiederum, sobald ein weißes Laken die Sicht auf die Baumkronen verdeckte oder die Tiere mehr als acht Meter von den Mangroven entfernt waren – dann verloren sie zunehmend die Orientierung.
  • Rechnungen belegten, dass ab acht Meter Entfernung die Mangroven aus dem Blickfeld der Quallen verschwinden.

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Was passiert wenn eine Qualle dich berührt?

Erste Hilfe : Was hilft am besten gegen Quallenstiche? – Quallen sind manchmal lästige, bisweilen sogar tödliche Plagen an Badestränden. Doch es gibt ein einfaches wie wirksames Mittel als erste Hilfe. Welche Tiere Essen Quallen © Dovapi / Getty Images / iStock (Ausschnitt) Jedes Jahr sterben weltweit mehrere Dutzend Menschen, weil sie mit den Tentakeln giftiger Quallen in Berührung gekommen sind. Tausende erleiden schmerzende Verletzungen bis hin zu entstellenden Narben. Die Meinungen gehen allerdings stark auseinander, welche Gegenmaßnahmen nach dem Kontakt mit den Nesseln eingeleitet werden sollen.

Zu den gängigsten Tipps gehören beispielsweise das Abwaschen der Haut mit Salz- oder Süßwasser, Alkohol oder Urin. Christie Wilcox von der University of Hawaii at Manoa in Honolulu und ihr Team haben diese Methoden in der Fachzeitschrift “Toxins” genauer ausgewertet und kommen zu einem eindeutigen Schluss – zumindest wenn es sich um Quallen der Gattung Physalia handelt.

Zu dieser Gruppe gehört unter anderem die Portugiesische Galeere (Physalia physalis), die sich auch vor beliebten Badestränden der Kanarischen Inseln, der Balearen und sogar in der Nordsee tummeln kann. Der Kontakt mit diesen Tieren bringt heftige Schmerzen und Verbrennungen, die zu Narben führen können.

In seltenen Fällen kommt es zu einer allergischen Überreaktion, die manchmal tödlich endet. Dabei wird nur in ein Prozent aller Fälle überhaupt Gift freigesetzt, wenn sich die Tentakel auf die Haut legen – dennoch gehen allein in Australien (wofür relativ gesicherte Daten vorliegen) etwa 10 000 medizinische Behandlungen auf die Nesseltiere zurück.

Um die schlimmsten Folgen schon am Strand einzudämmen und Schmerzen zu mindern, empfehlen Wilcox und Co strikt eine einzige Methode: Ersthelfer sollten die Haut großflächig mit handelsüblichem Essig (nicht Essigessenz!) abspülen und anschließend die betroffenen Stellen mit 45 Grad Celsius heißem Wasser oder entsprechend temperierten Wärmepackungen mindestens 45 Minuten lang abdecken.

Dies deaktiviere bereits injiziertes Gift effektiv, so die Wissenschaftler. Kontraproduktiv wirkt dagegen der Einsatz von Kältepackungen auf den brennenden Hautpartien, denn dies verstärkt die Schmerzen sogar noch. Auf keinen Fall dürfen die Tentakel mechanisch entfernt werden, weil sie dadurch aktiv bleiben und unter Druck sogar noch mehr Nesseln über einer größeren Fläche feuern.

Auch Salzwasser hilft nicht, die Quallenreste schadlos abzuspülen, denn daran sind die Tiere ja angepasst. Und das Gleiche gelte für allerlei empfohlene Hausmittelchen wie Zitronensaft, Rasierschaum oder Urin, die immer wieder als Erste-Hilfe-Maßnahme empfohlen würden, betonen die Experten.

  • Der leicht erhältliche Essig hilft dagegen fast genauso gut wie “Sting No More”, ein Spray, das gezielt gegen Quallengift entwickelt wurde, aber nicht überall käuflich erworben werden kann.
  • Physalia sind keine echten Quallen wie die potenziell tödliche Seewespe Chironex fleckeri,
  • Sie gehören dagegen zu den Staatsquallen und bestehen aus einer ganzen Kolonie voneinander abhängiger Polypen.

Daher dachten Wissenschaftler lange, man müsste ihre Tentakel vielleicht mit anderen Mitteln lahmlegen als bei den echten Quallen. Für ihre Tests nutzten Wilcox und ihre Kollegen Schaf- und Menschenblutzellen in einem Nährmedium – kein Proband musste leiden.

Wie kann man Quallen vermeiden?

Kann ich einen Quallenstich verhindern? – Quallen schwimmen im offenen Meer und ihre Tentakeln sind dabei nahezu unsichtbar, es gibt daher keine sichere Maßnahme, sich vor den Stichen zu schützen – außer an Land zu bleiben. Es gibt aber Vorsichtsmaßnahmen: Um Begegnungen mit Quallen zu vermeiden, sollte man sich den Strand vor dem ersten Baden bei Ebbe ansehen.

Ist eine Vielzahl angeschwemmter Quallenkörper zu sehen, kann man davon ausgehen, dass auch im Meer viele anzutreffen sind. Sie treten üblicherweise in Schwärmen auf. Da Quallen sich gern in aller Ruhe im Wasser treiben lassen, meiden sie Gebiete mit tosender Brandung oder starker Strömung und bevorzugen – zum Leidwesen der Badenden – die ruhige See.

Auch nachts lassen sich die Nesseltiere, die so gut wie blind sind, mit Vorliebe treiben. Deshalb sollte man, wo Quallen vorkommen, kein abendliches Bad im Dunkeln nehmen. Wichtig: “Beachten Sie örtliche Warnhinweise, baden Sie nicht an einsamen Stränden, und schwimmen Sie nicht in trübem Wasser oder dicht über Sand”, sagt Reisemediziner Tomas Jelinek.