Momentaufnahmen aus dem Zoo Berlin vom 9.5.2021 – Teil 2

May 23rd, 2021 | By | Category: What's up in Berlin 2020-2021

23.5.2021 von Anke B, Fotos: Gudrun und Zoo Berlin

In der großen Vogelvoliere gegenüber von den Schimpansen sahen wir nur die Kronenkraniche und einen Weißstorch. Wegen der Vogelgrippe herrscht immer noch Stallpflicht für viele Vögel, u.a. für Enten und Gänse. Aber es gibt Hoffnung, in Brandenburg wurde die Stallpflicht bereits aufgehoben.

storch

Von den Schimpansen sahen wir nur zwei vor dem Gitter lümmeln, die ähnlich an den Besuchern interessiert waren, wie die Besucher an ihnen.

In den Außengehegen des Tropenhauses sahen wir einige Hutaffen, den Eulenkopf-Meerkatzenmann mit seinen hellblauen Hoden, leider ohne Frau und Kind, und mehrere Kapuzineräffchen.

Hutaffe (illustration)

hutaffe

Im Gehege hinter der Mandrill-Anlage entdeckte ich zu meiner großen Freude Kappengibbon Kaspar, der zusammengekuschelt friedlich im Gras schlief. Als ein Hubschrauber über den Zoo flog, wachte er auf und ich rief ihn leise bei seinem Namen. Weil ich gehört hatte, dass er Frauen nicht unbedingt mag, war ich überrascht, dass er sofort kam und am Gitter bis auf meine Höhe hochkletterte. Ich sah, dass er milchiggraue Augen hatte, eine deutliche Linsentrübung, vermutlich durch grauen Star bedingt. Er ist inzwischen 52 Jahre alt, doppelt so alt wie seine Lebenserwartung in der Natur. Er sieht dünn und zart aus, kaum zu glauben, dass aus diesem schmächtigen Körper ein so kräftiger und lauter Gibbongesang kommt, der vor Corona im Sommer von der Insel im See am Restaurant durch den ganzen Zoo schallte. Ich redete noch eine Weile mit ihm und er hörte mir scheinbar aufmerksam zu, was mich sehr berührte.

Kappengibbon (illustration)

kappengibbon

Die langgliedrigen Klammeraffen nebenan beobachteten die Szene von ihrem Kletterbaum aus. Das Weibchen „ wieherte“ ab und zu leise, als wollte sie einen Kommentar dazu abgeben.

Wir passierten den Pelikanteich, an dem sich zur Zeit nur zahlreiche Fischreiher aufhalten, gingen an der Löwenanlage vorbei, auf der wir nur eine Löwin entdeckten, die verdeckt im Felsentor lag und gingen den Hauptweg weiter, nachdem wir uns vergewissert hatten, dass die Pandas nicht draußen waren. Der sibirische Tiger Darius lag wie so oft in seiner Höhle und schlief.

Am Restaurant hofften wir auf ein Eis, aber das kleine Eiscafé hatte geschlossen. Uns wurde mitgeteilt, es würde, genau wie das Restaurant, umgebaut und dann gäbe es dort nur noch Softeis, was wir sehr bedauerten. Wir mögen beide kein Softeis und finden, dass viele aktuelle Veränderungen im Zoo ihm nicht unbedingt zum Vorteil gereichen.

Auf das leckere lose Eis in der Waffel hatten wir uns immer gefreut, obwohl es mit zuletzt 1,80 € pro Kugel ganz schön teuer war. Wir gingen leise murrend weiter, an den Okapis und Rappenantilopen vorbei, sahen bei den Nashörnern nur die schlafende Maburi und wünschten den Alpakas Ophelia und ihrer Tochter Dörte, die gerade etwas Heu zu sich nahmen, einen guten Appetit.

okapis

opfelia

Bei den Zebras und Antilopen hielten wir uns nicht lange auf, aber Zeit, um das zierliche, wenige Wochen alte Zebrafohlen und eine kleine Elen – Antilope zu bewundern, nahmen wir uns natürlich.

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Vom Robbenrevier schallte das laut gröhlende Rülpsen von Seelöwenmann Enzo herüber. Er saß hoch aufgerichtet auf dem Stein, der häufig von den Weibchen als Liegeplatz oder Sonnenbank benutzt wird. Vielleicht waren seine Laute darauf zurückzuführen, dass er unter Bauchweh litt, wir sahen nämlich, wie er sich zweimal ins gerade gereinigte Becken erleichterte und einen dunkelgrünen Schleim absonderte. Leider konnten wir diese Beobachtung niemandem, d.h. keinem Pfleger, mitteilen.

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An der Voliere der Kondore setzten wir uns für einen Moment und konnten einen kleinen Vogel (eine Schwanzmeise?) beobachten, der emsig immer wieder eine Öffnung in einer der Halterungen für das Dachsegel anflog und seine Brut fütterte. Diese Beobachtung teilten wir mit Besuchern, die, wie viele andere vor ihnen, durch die Holzbrücke, die nirgendwo hinführt und abrupt im Gebüsch endet, angelockt und neugierig geworden waren waren, wo wir die ganze Zeit hinsahen.

Katjuscha lag erst schlafend in ihrer Höhle, als wir bei ihr ankamen, stand dann aber etwas mühsam auf und kam heraus. Sie schien zu überlegen, ob sie einen Spaziergang machen sollte. Weil sich einige Besucher direkt neben uns stellten und viele Kinder um uns herum wuselten, setzten wir unseren Weg fort.

katjuscha

katjuscha2

Die Außenvolieren der Fasanerie sind bis auf wenige Vögel leer. Zu sehen sind momentan u.a. nur die Seriemas, die Mähnenibisse, Opalraken, Guinea-Kukucke, Kardinäle und der Nacktkehl-Lärmvogel, der mir immer leid tut, weil er so oft scheinbar sehnsuchtsvoll nach Gesellschaft ruft.

Nacktkehl-Lärmvogel (illustration)

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Wir besuchten noch die Flamingos und die Waldrappe, deren Gefieder in der Sonne wunderbar zwischen Dunkelgrün und Lila schillerte. Einige von ihnen saßen in der Sonne, hatten die Flügel weit ausgebreitet und „gulpten“ vor sich hin. Ich mag diese punkigen Vögel und ihre ulkigen Laute.

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Danach betraten wir den Streichelzoo und ich ließ es mir nicht nehmen, alle kleinen neuen Ziegenkinder, die es sich gefallen ließen und Hugo, den kastrierten Bock zu streicheln und zu knuddeln. Es gibt unter den Kleinen leider nur ein Weibchen, alle anderen sind Böckchen, über deren Schicksal ich lieber nicht nachdenken möchte. Die Fuchskopfschafe haben dieses Jahr drei Lämmer, die noch ganz in braune weiche Wolle gekleidet sind.

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Es wurde Zeit, langsam den Ausgang anzusteuern und wir gingen zwischen Vogelhaus und Schilf, am Lippenbären „Aquarium“ vorbei, durch das Schweinerevier, deren Bewohner fast alle schliefen, passierten Greifvögel und Himalaya Tahre und schauten zum zweiten Mal vergeblich nach den Murmeltieren, die sich dieses Jahr mit dem Munterwerden viel Zeit lassen.

Uns fehlte so ein bisschen der Kaffee – die Maschine im Zoorestaurant war nicht betriebsbereit… – und so verließen wir den Zoo, an der nach wenigen Jahren schon wieder neuen Schließanlage vorbei, die jetzt mit „Gesichtserkennung“ ausgestattet ist – WOW aber WOZU? – und spazierten Richtung „Schleusenkrug“, wo es seit kurzem wieder, neben Kuchen, Sandwiches und anderen Verlockungen, guten Kaffee to go gibt.

Mit unseren Bechern setzten wir uns auf ein Mäuerchen am Landwehrkanal, lauschten jazzigen Klängen von Saxophon und Klarinette, die zu uns von Nahem herüber klangen und beobachteten die Menschen, die wie wir das schöne Wetter genossen. Ein schöner Ausklang dieses Zoobesuchs.

Ach ja, heute entdeckt: die Mauersegler sind zurück.

mauersegler




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6 comments
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  1. Dear Anke
    Thank you for being able to come with you on
    your walk round the zoo.
    Katjuscha is now very old indeed. I am so glad
    now that I was able to see her over several days
    in September.

  2. Dear Anke,

    Thank you so much for the informative and entertaining second part of your reports from the Berlin Zoo!

    It’s amazing that Kaspar is already 52 years old! I wish the old chap lots of health and hope his eye sight will not be worse. How nice of him to ‘have a chat with you’.

    I also hope Enzo has got rid of the stomach pain.

    You certainly had a great day in the zoo and the grande finale was, of course, seeing the ‘Mauersegler.!

    Hugs from Mervi

  3. Liebe Anke,

    ich lese gerne deine Erzählungen über den Zoorundgang und bin in Gedanken mitgegangen.
    Natürlich freue ich mich besonders über die Rückkehr der Mauersegler, deren Brut hoffentlich nicht unter dem sehr kühlen Wetter leiden muss.

    Die Fütterungsaktion der kleinen Schwanzmeise gab es gewissermaßen gratis, wie schön.
    Auf die Öffnung der Restaurationen warten alle sehnsüchtig und wird den Besucheransturm auch wieder beleben.

    Dein Gedankenanstoss zu den vielen männlichen Geislein macht mich traurig, weil ihr Niedlichkeitsfaktor im Streichelzoo bald schon abgelaufen ist….

    Danke für deinen umfassenden Bericht und geruhsame Pfingsttage mit lieben Grüßen!
    Britta-Gudrun

  4. Liebe Anke,
    ich freue mich besonders Kati und Enzo zu sehen,
    Darius tut mir leid nach dem Verlust der Partnerin.
    Hugs
    Ludmila

  5. Liebe Mervi!
    Danke für das Einstellen meines Berichts und die Ausgestaltung mit schönen und passenden Fotos von Monika, Gudrun und dem Zoo Berlin. Ich habe mich über das Interesse und die freundlichen Kommentare gefreut!

    Einiges hat sich seit dem 09.05. schon wieder geändert, deshalb ein kleines Update:
    Für einen Zoobesuch war schon in der Woche nach diesem Besuch KEIN negatives Testergebnis mehr nötig, es sei denn, man wollte in den Shop. Dort ist es, neben der AHA Regel, die für den gesamten Zoo gilt, weiterhin Voraussetzung.

    Seit Anfang letzter Woche sind Enten, Gänse, Pelikane und alle anderen Vögel wieder in den Außenbereichen zu sehen, da die Stallpflicht aufgehoben wurde. ENDLICH!

    Seelöwenmann Enzo geht es gut. Er ist lt. Reviertierpfleger Herrn Zahmel ” fit wie ein Turnschuh”. Es war wohl nur eine kleine Verdauungsstörung.

    Erweiterungsgelände:
    Nach einigen Jahren gibt es mit drei Kleinen wieder Nachwuchs bei den Wasserschweinen.

    Nachdem Przewalskipferdstute Vita leider in hohem Alter gestorben ist, lebt Shetlandpony Vroni jetzt mit Ponyhengst Kevin aus dem Streichelzoo auf der Anlage zusammen. Da sie bereits 26 Jahre alt ist und sich erste Alterserscheinungen bemerkbar machen, hoffe ich, dass sie jetzt nicht mehr trächtig wird. Gedeckt wurde sie allerdings schon…

    Die Fuchskopfschafe im Streichelzoo haben nicht drei, sondern vier Lämmer, drei weibliche und ein Böckchen.

    Eisbärin Katjuscha zeigte sich bei unserem gestrigen Besuch gar nicht müde, sondern erfreulich aktiv; sie ging sogar ausgiebig schwimmen und schaffte es immer noch, sich frisches Weinlaub, ihr Lieblingsgemüse, kraftvoll von der Gehegemauer zu rupfen. Sie sah weiß und plüschig aus.

    Viele Grüße
    Hugs
    Anke

  6. Dear Anke,

    Thank you for the update!

    Hugs from Mervi