Momentaufnahmen aus dem Zoo Berlin vom 08.09.2021 – Teil 1

Sep 19th, 2021 | By | Category: Featured articles

19.9.2021 von Anke B, Illustrationen: Pressefotos Zoo Berlin

Heute möchte ich nach einer ganzen Weile mal wieder einen Besuch im Berliner Zoo schildern, weil ich meinen Rundgang nach langer Zeit relativ unbelastet von Sorgen und Problemen genießen konnte: Thomas´ Schulterbruch, der uns den Sommer noch zusätzlich zu Covid 19 versaut hat, ist verheilt; sein so lang stillgelegter rechter Arm macht gute Fortschritte und er ist nicht mehr in diesem Umfang auf meine Hilfe angewiesen. Ich darf seit Mitte August wieder in die Kita zum Vorlesen, was ich gut anderthalb Jahre (!) sehr vermisst hatte. Im Kino waren wir auch mal wieder – in „Nomadland“ , empfehlenswert! – und so gaaanz langsam scheint sich das Leben trotz anhaltender Pandemie zu normalisieren.

Das Wetter war perfekt: ein sonniger und strahlender Spätsommertag mit Schönwetterwölkchen, mit 24° C nicht zu warm, ein leises Lüftchen streichelte die Haut. Seitdem man wieder ohne Maske durch den Zoo gehen darf, fällt auch die elende Schwitzerei unter ihr weg, was mir vorher meine gelegentlichen Auszeiten im Zoo ordentlich verleidet hat.

Nach wie vor benötigt man als Dauerkartenbesitzer(in) ein Zeitfenster und die Online-Buchung scheint für viele weiterhin nicht ganz problemlos zu sein. Bei mir hatte es am Vortag funktioniert, der QR Code wurde gescannt und ich kam mit meiner Karte ungehindert durch die neue Schließanlage.

Wie immer begann ich meinen Rundgang bei den Murmeltieren, von denen es offenbar insgesamt nur noch zwei gibt. Man muss schon Glück haben, überhaupt eins zu sehen… Leider ist so gut wie nie ein Pfleger zu sehen, den man fragen könnte und das ist nicht nur bei den Murmeltieren so. Diesmal hatte ich Glück und einer der rundlichen Nager machte sich gerade über das in einer Nische bereitgestellte Futter her. Es schien in der Hauptsache aus einem großen Büschel glatter Petersilie zu bestehen.

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Zwischen der großen Baustelle für die neue Nashornanlage mit ihren hohen Kränen und dem Flusspferdhaus mit anschließender Wiese vorbei, auf der sich zwei der massigen Tiere sonnten, ging ich zu meinem langjährigen Liebling, Zwergesel Benny, der sich ebenfalls in einen Sonnenfleck auf seiner Anlage gestellt hatte und ordentlich „einen ´raushängen“ ließ… Als ich ihn bei seinem Namen rief, drehte er seine bezaubernden großen Ohren in meine Richtung und sein „Dingeling“ wippte zwei/dreimal nach oben. Na so was! Ich ging schnell weiter, passierte die Hinterwälder Rinder-Familie Charlotte, Anton und ihr hübsches Kalb, dessen Namen ich nicht kenne und betrat den Streichelzoo.

Hier sind seit kurzem die Futterautomaten wieder gefüllt und nachdem ich Ziegenbock Hugo, dessen Fell nach einer langwierigen Hauterkrankung wieder gut aussieht, begrüßt und gestreichelt hatte, zog ich mir eine Ladung Pellets für 20 Cent und ging zu den Shetland Ponys.

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Die süße kleine Vroni (26 Jahre), die nach dem Tod ihrer Freundin Przewalskistute Livia und dem Umzug vom Erweiterungsgelände zurück in den Streichelzoo schlimm aussah: abgemagert, noch im August mit fusseligen Resten vom Winterfell bedeckt und meist apathisch in einer Ecke stand, oder sich im Stall befand, kam sofort munter mit kleinen zierlichen Schritten an den Zaun und machte einen erfreulich besseren Eindruck. Ihr Fell war staubig aber glatt, ihre Augen klar und sie schien große Lust auf einen kleinen Extra Snack zu haben. Ich freute mir kurz ein „Loch in den Bauch“, verfütterte die ganze Ladung an sie und streichelte sie währenddessen, soweit sie es zuließ. Natürlich gingen die Hengste Kevin, Patrick und Hamish nicht leer aus, zum Glück hatte ich noch Kleingeld für den nötigen Nachschub…

Vroni und Livia

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Den drei Zwergeseldamen Klara, Heidi und Grisella winkte ich nur zu, weil sich eine Kitagruppe vor ihrem Gehege befand und einige Kinder bereits mit Füttern beschäftigt waren.

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Meinen Rundgang setzte ich nun zu den Flamingos und Waldrappen fort. Leider gab es im Gegensatz zum Tierpark seit mehreren Jahren keinen Nachwuchs mehr in den Flamingo Gruppen und ich vermute, dass sich entweder einfach zu viele Vögel in den recht kleinen Volieren neben der Seevogel Voliere befinden oder die Vögel auf der Freianlage zu alt sind. Auch die Waldrappe haben dieses Jahr nur einen Jungvogel aufgezogen. Schade!

Chile Flamingo

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In den Außenvolieren der Fasanerie sind im Gegensatz zu früher nur noch wenige Vögel zu sehen. Der inzwischen herangewachsene prächtige Auerhahn hat leider vor einiger Zeit sein Weibchen durch eine Erkrankung verloren und ich hoffe, dass er nicht lange allein bleibt.

Inka-Seeschwalben mit Nachwuchs

Inka-seeschwalben samt Nachwuchs

Wie immer stattete ich dem Flötenvogel, der jetzt eine Voliere gegenüber im Vogelhaus bewohnt, einen Besuch ab und versuchte ihn zum Flöten zu animieren. Zunächst vergeblich, aber als ich schon ein Stück weiter war, hörte ich ihn dann doch.

Bergente mit Nachwuchs

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Die Wellensittiche nebenan sind für mich richtige „Gute Laune Vögel“, bei denen immer etwas los ist. Sie haben ein sehr munteres Sozialleben, sie zanken, schimpfen, erzählen und schmusen miteinander, fliegen hin und her und klettern die Kunstfelsen hoch und runter. Ich bleibe immer gern stehen und schaue mir das Treiben eine Weile an. Fast komme ich in Versuchung, mir selber wieder welche anzuschaffen.

Wellensittiche

Eisbärin Katjuscha schlief entspannt auf ihrem Mulchbett in der Sonne. Ab und zu zuckte eins ihrer Ohren. Ich war nicht enttäuscht, weil ich sie bei meinem letzten Besuch ausgesprochen aktiv erlebt hatte. Da schwamm sie ausgiebig durch den Graben, versuchte etwas vom Weinlaub an der Mauer zu erwischen, was ihr auch mehrmals gelang und ging, nachdem sie sich das Wasser aus dem Fell geschubbert hatte, in der Sonne spazieren. So ein Erlebnis kann man natürlich nicht jedes Mal haben. Dieses Mal war ihr Anblick so beruhigend, dass ich Lust auf einen kleinen Mittagsschlaf bekam… Stattdessen setzte ich meine Runde fort.

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Foto: Gudrun

Bei den Humboldt Pinguinen standen viele Familien mit Kindern an der Scheibe zu ihrem Wasserbecken. Leider versuchten wieder einige Kinder, über das Becken gebeugt, die Pinguine von oben auf dem Rücken zu berühren. Ich unterließ es, sie darauf hinzuweisen, dass die Vögel durch diesen Kontakt krank werden könnten, weil ich bereits hinreichend Erfahrung mit erbosten Eltern habe, die es gar nicht mögen, wenn man ihre Kinder zurechtweist, auch wenn das noch so diplomatisch und freundlich erfolgt.

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Im Becken der Seelöwen spielten zwei Jungtiere miteinander, sie kämpften, kabbelten und jagten hintereinander her, zum Entzücken der Kinder, die ihnen durch die Unterwasserscheibe dabei zusahen. Enzo schlief, er spielte „Toter Mann“ unter der Wasseroberfläche und tauchte immer nur kurz zum Luftholen auf. Im Seehundbecken wurde eins der Kleinen von Herrn Schmohl mit dem Target Stock trainiert, was sehr drollig war, da viele der Anweisungen zeitverzögert ausgeführt wurden, als schon nicht mehr damit gerechnet wurde… Aber immerhin! Dem Racker schien das Gelächter der Besucher zu gefallen und ihn regelrecht zu befeuern. Herr Schmohl blieb bemerkenswert geduldig und bekam letztlich das von ihm gewünschte Ergebnis.

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Teil 2 folgt ….




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11 comments
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  1. Liebe Anke,

    zunächst freue ich mich für dich und deine nun etwas weniger sorgenvollen familiären Umstände!

    Über dein Leseprojekt im Kindergarten wüsste ich gerne mehr, aber dies ist wohl nicht der Ort, um sich darüber auszutauschen. Aber auch hier sowie bei den Zoobesuchen gibt es GSD endlich leichte Lockerungen, die uns hoffnungsfroh machen.

    Dein Rundgang mit den vielen neuen Informationen liest sich wunderbar und nur bei der Ente habe ich etwas
    Sorge, dass sie schon einige ihrer Küken verloren hat, denn meistens sind es zweischen 10-15 kleine Flauschbällchen. Kann man eine Schwalbenart überhaupt ein Gelände im Zoo anbieten? Ich muss mich über ihre Lebensweise erst mal bei Mister Google informieren….

    Hab vielen Dank für deinen Bericht und die hübschen Fotos!

    Herzliche Grüße
    Britta-Gudrun

  2. Liebe Anke,
    danke für den interessanten Bericht.
    Schön, dass Thomas besser geht. Ich hoffe, dass unser Leben sich bald normalisieren wird. Die Maske draußen stört mir sehr.
    Die Murmeltiere sieht man selten. So hast du Glück gehabt.
    Ich freue mich, dass du Kathi gesehen hast.
    Hugs
    Ludmila

  3. Liebe Britta-Gudrun!
    Danke für Deinen freundlichen Kommentar!
    Die Fotos zu meinem Bericht hat Mervi ausgesucht und eingestellt. Manche – die afrikanische Zwergziege, Ente und Inka-Seeschwalbe (von ihnen leben einige in der Seevogel Voliere) mit Nachwuchs – beziehen sich nicht unmittelbar auf meinen Text, aber die auf ihnen gezeigten Tiere kann man im Umfeld der von mir beschriebenen ebenfalls sehen. Allerdings haben die Zwergesel zur Zeit kein Jungtier.
    Aber Du hast recht, wahrscheinlich hatte diese Ente mehr als drei Küken. Enten suchen sich oft ziemlich ungeeignete Brutplätze – Balkone, Dachgärten, den Eisbärgraben… – aus und verlieren z.B. durch Fressfeinde oder Unfälle viele, manchmal sogar alle Küken. Das ist schade, ist aber von der Natur so eingerichtet. Würden alle Küken aller Berliner Enten überleben, könnten sie bald die Stadt übernehmen… 😉

    Die “Berliner Lesepaten” sind ein Projekt des Vereins der Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) Hier findest Du weitere Informationen: https://lesepaten.berlin/

    Liebe Grüße
    Anke

  4. Vielen Dank liebe Anke.
    Best wishes to Kati and all the other animals in Zoo Berlin.

  5. Dear readers,

    The photos are press photos by the Berlin Zoo and they are only illustrations and thus not necessarily match the text. I have chosen them only to make a ‘photo break’ because reading on the screen is sometimes a bit difficult.

    Hugs from Mervi

  6. WUNDERSCHÖN!!!

    LG Brigitte

  7. Zu allererst: Glueckwunsch, dass Du nun wieder etwas freier geworden bist.
    So Arm- und Schulterbrueche sind sicher auch aus zweiter Hand kein wahres
    Vergnuegen . . Und Glueckwunsch an Deinen Mann, dass er Dich hat . . .

    Wie von Dir gewohnt, war das wieder ein sowohl ausfuehrlicher, beobachtungs-
    reicher und informativer, mit viel Herzblut geschriebener Bericht. Es hat Spass
    gemacht, ihn zu lesen, wenn einem auch der eine oder andere Hinweis, die
    eine oder andere Bemerkung einen kleinen Stich des Mitgefuehls gab â?? aber das
    gehoert im Zoo (vermutlich in JEDEM) immer dazu, nicht!?

    Die Auswahl der Pressefotos war geradezu bravouroes passend.
    Das Bild der Inka-Schwalbe mit Nachwuchs ist erstaunlich, da das Kueken fast
    groesser als die Mama wirkt. . . . Deine lange Esel-Passage hat mir sehr gefallen
    und das Pressefoto von Klein-Vroni mit Freundin hat mir trotz ihres struppigen
    Fells im Wechsel ausgesprochen gut gefallen. Dankeschön! Auch an Mervi, der
    das Editieren ja – trotz Deiner vollen Arbeit mit Bildern – nicht erspart blieb 😉

    Ich freue mich schon auf Teil 2!

    Dir und Deinem Thomas wuensche ich in Zukunft stabile Knochen und schon bald
    wieder Vergnuegen bei dieser oder jener Unternehmung, bei diesem oder jenem
    Besuch in Zoo und Tierpark und auch in Zoos, die kleine Ausfluege erfordern . . .

  8. Liebe Anke,

    vielen Dank für deine Info zu den Lesepaten – ein schönes Projekt, bei dem ich dir weiterhin viel Freude wünsche!

    Mit den Enten hast du natürlich Recht.
    Das Netz ist voll mit Rettungsaktionen verunglückter kleinen Entchen und ja, wegen der hohen Verlustrate legt Mama Ente so viele Eier. Und dass sie an so außergewöhnlichen Orten brüten hängt leider auch mit den menschlichen Eingriffen an Fluss- und Seenlandschaften zusammen.

  9. Wie schon dass es bei Euch wieder bergauf geht, gesundheitlich und mit den gsnzen Einschränkungen. Jedes bisschen Normalität dass wir zurück bekommen ist erfreulich.Danke für den lieben Bericht aus Berlin und dir und deinem Mann alles Gute.

    Liebe Grüße,Erika

  10. Liebe Anke und Mervi
    Sehr interessant Bericht.
    Naturlich ist es schoen fuer much die
    Beschreibung von Katjuscha zu learn.
    Ich habe sie auch im Wasser letzten September
    erlebt. Bin erstaunt dass sie weiter so macht.

  11. liebe Anke,
    Deinen schönen Erzählungen “lausche” ich gerne und ich kann mir dann gut vorstellen, wie Du Deinen Zoobesuch genossen hast. Jede Menge liebe Tiere sind Dir begegnet und dass unsere Katjuscha sich auch gezeigt hat, ist einfach wunderbar.
    Wie gut, dass Du auch privat wieder schöne Abwechslung hast und vieles fast normal möglich ist.
    Alles Gute und eine angenehme Herbstzeit wünsche ich Dir und sende liebe Grüße
    Filomena

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